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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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in Wams und Umhang wie immer. Und auch den breiten Gürtel trug er, an dem normalerweise seine Axt hing, doch hatte er statt dessen den Schaft des Hammers durch die Halteschlaufe gesteckt.
    Er runzelte die Stirn deswegen, und zu seiner Überraschung flackerte einen Moment lang das Bild der Axt dort, wenn auch durchscheinend und geisterhaft. Doch dann hing mit einem Schlag wieder der Hammer dort. Er leckte sich die Lippen und hoffte, es werde so bleiben. Die Axt war vielleicht die wirksamere Waffe, aber er zog doch den Hammer vor. Er konnte sich nicht daran erinnern, daß so etwas schon einmal vorgekommen sei, eine Veränderung innerhalb des Traums, aber er wußte eben zu wenig von dieser eigenartigen Welt. Falls man es überhaupt eine Welt nennen konnte. Es war der Wolfstraum, und hier geschahen nun einmal eigenartige Dinge, aber in einem normalen Traum war das ja auch nicht viel anders.
    Als hätte es der bloße Gedanke ausgelöst, verdunkelte sich plötzlich ein Teil des Himmels über den Bergen und wurde zum Fenster in eine andere Wirklichkeit. Rand stand da, mitten im Sturm, lachte wild, ja sogar verrückt, die Arme erhoben, und mit dem Wind flogen kleine goldene und rote Gestalten um ihn herum, so wie die seltsame Gestalt auf dem Drachenbanner. Verborgene Augen beobachteten Rand, und Perrin konnte nicht feststellen, ob Rand von diesem Beobachter wußte. Das eigenartige ›Fenster‹ verschwand von einem Augenblick zum anderen und wurde durch ein neues weiter oben ersetzt, in dem Nynaeve und Elayne vorsichtig durch eine wahnwitzige Szenerie verzerrter, schattenhafter Gebäude schlichen, auf der Suche nach einem gefährlichen Tier. Perrin war völlig unklar, woher er wußte, daß es gefährlich war, doch es war so. Auch dieses Fenster verschwand, und ein neuer dunkler Fleck breitete sich am Himmel aus. Mat war zu sehen, der an einer Straßengabelung stand. Er warf eine Münze und ging dann den einen Weg entlang weiter, doch plötzlich trug er einen Hut mit breitem Rand und ging an einem Stock, der obenauf eine kurze Schwertklinge aufwies. Ein neues Fenster, und diesmal blickten Egwene und eine Frau mit langem, weißem Haar ihn verblüfft an, während im Hintergrund die Weiße Burg Stein um Stein zerbröckelte. Dann waren auch sie verschwunden.
    Perrin atmete tief durch. Er hatte so etwas schon zuvor gesehen, natürlich in diesem Wolfstraum, und er glaubte, daß diese Visionen auf gewisse Weise die Realität zeigten oder zumindest eine reale Bedeutung hatten. Was sie aber auch bedeuten mochten - die Wölfe sahen sie nicht. Moiraine hatte angedeutet, daß der Wolfstraum sich in der gleichen Welt abspiele, die sie Tel'aran'rhiod nannte. Danach war nichts mehr aus ihr herauszubekommen gewesen. Er hatte auch gehört, wie Egwene und Elayne über Träume sprachen, einmal jedenfalls, aber Egwene wußte sowieso schon zuviel über ihn und die Wölfe, vielleicht genauso viel wie Moiraine. Er konnte einfach nicht mit jemandem darüber sprechen; noch nicht einmal mit ihr.
    Es gab einen Menschen, mit dem er darüber hätte sprechen können. Er wünschte, er könne Elyas Machera wiederfinden, den Mann, der ihn mit den Wölfen in Kontakt gebracht hatte. Elyas mußte viel über solche Dinge wissen. Als er an diesen Mann dachte, bildete er sich ein, er höre seinen eigenen Namen, den der Wind ihm zuraunte, aber dann lauschte er bewußt und es war doch nur der Wind. Es war ein einsamer, verlorener Laut. Nur er befand sich hier, niemand sonst.
    »Springer!« rief er und im Geist noch einmal Springer! Der Wolf war tot, aber nicht hier. Wenn Wölfe starben, kamen sie in den Wolfstraum und warteten dort darauf, wiedergeboren zu werden. Für die Wölfe bedeutete es allerdings noch mehr. Sie schienen sich sogar im wachen Zustand des Traums bewußt zu sein. Das eine war für sie genauso real - oder beinahe genauso real - wie das andere. »Springer!« Springer! Aber Springer kam nicht.
    Das war alles unsinnig. Er hatte einen Grund, hierherzukommen, und nun mußte er vorankommen. Aber wenn er zu Fuß hinunterging, wo er die Raben beobachtet hatte, würde das Stunden dauern.
    Er tat einen Schritt vorwärts, seine Umgebung verschwamm, und er setzte den Fuß neben einem kleinen Bach wieder auf den Boden, der hier gerade an einer Schierlingstanne und einer niedrigen Bergweide vorbeifloß. Über ihm ragten wolkenumkränzte Gipfel auf. Einen Moment lang blickte er sich erstaunt um. Er befand sich am anderen Ende des Tals, weit vom Wegetor

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