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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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war wie der halbe Raum und so hoch, daß er Perrin bis an die Schulter reichte. Meister al'Veres hochglänzende Tabaksdose und seine wertvolle Uhr standen auf dem Sims. Irgendwie kam ihm das alles jetzt kleiner vor. Vor dem Kamin standen die hochlehnigen Stühle, auf denen der Rat der Gemeinde bei seinen Sitzungen saß. Brandelwyn al'Veres Bücher standen auf einem Bücherbord gegenüber dem Kamin. Einst hatte sich Perrin überhaupt nicht mehr Bücher auf einmal vorstellen können, als diese paar Dutzend meist abgegriffener Exemplare. An einer anderen Wand standen Bier- und Weinfässer aufgestapelt. Wie gewöhnlich schlief Kratzi, die gelbe Katze der al'Veres, oben auf einem der Fässer.
    Der Schankraum war leer bis auf Bran al'Vere selbst und seine Frau Marin, beide mit langen, weißen Schürzen angetan, die die Silber- und Zinnkrüge der Schenke polierten. Meister al'Vere war ein breitgebauter, rundlicher Mann mit einem spärlichen, grauen Haarkranz um den ansonsten kahlen Schädel. Frau al'Vere war schlank und wirkte mütterlich. Den dicken, mit Grau durchsetzten Zopf hatte sie sich über die Schulter gelegt. Sie roch nach Backen und darunter lag ein leichter Rosenduft. Perrin erinnerte sich an sie als ewig lächelnde, freundliche Menschen, doch beide wirkten nun besorgt. Der Dorfvorsteher zeigte eine finstere Miene, die sicher nichts mit dem Silberbecher in seinen Händen zu tun hatte.
    »Meister al'Vere?« Er schob die Tür auf und ging hinein. »Frau al'Vere. Ich bin's, Perrin.« Sie sprangen derart überrascht auf, daß ihre Stühle nach hinten purzelten und Kratzi fauchend hochhüpfte. Frau al'Vere schlug die Hände vor den Mund. Sie und ihr Mann starrten ihn und Gaul mit weit aufgerissenen Augen an. Perrin nahm den Bogen verlegen von einer Hand in die andere. Dann eilte Bran zu einem der Vorderfenster, wobei er sich für einen so massigen Mann erstaunlich leichtfüßig bewegte, und schob die leichten Sommergardinen auseinander, um hinauszuspähen, als suche er nach weiteren Aiel dort draußen.
    »Perrin?« murmelte Frau al'Vere ungläubig. »Du bist es wirklich. Ich hätte dich beinahe nicht erkannt mit dem Bart und... Deine Wange! Warst du...? Ist Egwene bei dir?« Perrin betastete den Schnitt auf seiner Wange und bereute, daß er sich nicht gewaschen hatte und daß er Bogen und Axt nicht wenigstens in der Küche abgestellt hatte. Er hatte gar nicht daran gedacht, daß sein Aussehen sie ängstigen könnte. »Nein. Das hat nichts mit ihr zu tun. Sie ist in Sicherheit.« Vielleicht war sie auf dem Weg nach Tar Valon sicherer, als wenn sie sich noch bei Rand in Tear aufhielt, aber in jedem Fall war sie wohl in Sicherheit. Er mußte aber wohl Egwenes Mutter etwas mehr sagen als das. »Frau al'Vere, Egwene befindet sich in der Ausbildung zur Aes Sedai. Nynaeve auch.« »Ich weiß«, sagte sie ruhig und berührte dabei ihre Schürzentasche. »Ich habe drei Briefe von ihr aus Tar Valon. Nach dem zu schließen, was sie schreibt, hat sie noch öfters geschrieben und auch Nynaeve zumindest einmal, aber nur drei von Egwenes Briefen sind hier angekommen. Sie berichtet ein bißchen von ihrer Ausbildung. Ich muß sagen, das klingt mir reichlich streng.« »Sie will es aber nicht anders.« Drei Briefe? Schuldbewußt zuckte er die Achseln. Er hatte niemandem geschrieben; nichts mehr seit den Botschaften, die er seiner Familie und Meister Luhhan zurückgelassen hatte, als er in jener Nacht mit Moiraine und den anderen aus Emondsfeld floh. Kein einziger Brief.
    »So scheint es, wenn es auch nicht das ist, was ich für sie im Sinn hatte. Ich kann den Leuten davon auch nichts erzählen, oder? Sie schreibt, sie habe neue Freundinnen, nette Mädchen, wie es klingt. Elayne und Min. Kennst du sie?« »Wir haben uns kennengelernt. Ich glaube schon, daß man sie als nette Mädchen bezeichnen kann.« Wieviel hatte ihr Egwene in diesen Briefen mitgeteilt? Offensichtlich doch nicht sehr viel. Sollte Frau al'Vere doch glauben, was sie wollte. Er hatte nicht die Absicht, ihre Sorgen noch durch Dinge zu vergrößern, gegen die sie sowieso nichts unternehmen konnte. Was vorbei war, war vorbei. Egwene war jetzt doch wenigstens in Sicherheit.
    Mit einemmal wurde ihm bewußt, daß Gaul noch hinter ihm stand, und so stellte er ihn schnell den beiden vor. Bran zwinkerte überrascht, als er Gaul als Aiel zu erkennen gab, und dann blickte er etwas finster nach den Speeren und dem schwarzen Schleier, der von der Schufa herunterhing, aber seine

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