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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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Frau sagte lediglich: »Seid willkommen in Emondsfeld, Meister Gaul, und in der Weinquellenschenke.« »Ich wünsche Euch Wasser und Schatten für Euer ganzes Leben, Dachherrin«, sagte Gaul höflich und verbeugte sich vor ihr. »Ich bitte um Erlaubnis, Euer Dach und Eure Feste verteidigen zu dürfen.« Sie zögerte kaum merklich und antwortete dann, als sei sie an diese Art von Ansprachen gewöhnt: »Ein großzügiges Angebot. Aber Ihr müßt mir erlauben, zu bestimmen, wann Eure Hilfe gebraucht wird.« »Wie Ihr wünscht, Dachherrin. Eure Ehre ist die meine.« Unter seinem Wams holte Gaul ein goldenes Salzgefäß hervor, eine kleine Schüssel, die auf dem Rücken eines kunstvoll geformten Löwen saß, und hielt es ihr hin. »Ich möchte Eurem Dach dieses kleine Gastgeschenk verehren.« Marin al'Vere verhielt sich, als sei es ein gewöhnliches Geschenk, und verbarg ihre erschrockene Überraschung recht gut. Perrin bezweifelte, daß es im gesamten Bereich der Zwei Flüsse auch nur ein einziges ähnlich wertvolles Stück gab, und ganz bestimmt nicht aus Gold. Es gab schon wenig Gold in den zwei Flüssen, und Goldschmuck oder ähnliches gab es noch seltener. Er hoffte, sie werde niemals herausfinden, daß es ein Beutestück aus dem Stein von Tear war. Darauf hätte er jedenfalls wetten können.
    »Mein Junge«, sagte Bran zu Perrin, »vielleicht sollte ich dich zu Hause willkommen heißen, aber - warum bist du zurückgekommen?« »Ich habe das mit den Weißmänteln gehört, Meister al'Vere«, antwortete Perrin einfach.
    Der Dorfvorsteher und seine Frau warfen sich einen ernsten Blick zu, und Bran sagte: »Noch einmal, warum bist du zurückgekommen? Du kannst hier nichts aufhalten oder ändern, mein Junge. Am besten gehst du wieder. Wenn du kein Pferd haben solltest, gebe ich dir eins. Falls du eines hast, dann steig auf und reite nach Norden. Ich glaubte, die Weißmäntel säßen in Taren Fähre... Hast du diesen Gesichtsschmuck von ihnen abbekommen?« »Nein. Ich... « »Dann spielt es keine Rolle. Wenn du bei deinem Kommen an ihnen vorbeigekommen bist, kommst du auch wieder vorbei, wenn du gehst. Ihr Hauptlager befindet sich oben bei Wachhügel, aber ihre Patrouillen können sich überall herumtreiben. Geh nur, mein Junge.« »Warte nicht lange, Perrin«, fügte Frau al'Vere leise aber bestimmt hinzu. Wenn sie diesen Tonfall an sich hatte, taten die Leute gewöhnlich genau das, was sie wollte. »Keine einzige Stunde. Ich packe dir ein Bündel zum Mitnehmen. Ein wenig frisches Brot und Käse, Schinken und Rinderbraten und Gurken. Du mußt gehen, Perrin.« »Ich kann nicht. Ihr wißt, daß sie hinter mir her sind, sonst würdet Ihr mir diesen Rat nicht geben.« Und sie hatten nichts von seinen Augen erwähnt, nicht einmal gefragt, ob er krank sei. Frau al'Vere war kaum überrascht gewesen. Sie wußten Bescheid. »Wenn ich mich ihnen stelle, kann ich einiges verhindern. Ich kann meine Familie... « Er fuhr zusammen, als die Tür zum Flur aufschlug und Faile eintrat, von Bain und Chiad gefolgt.
    Meister al'Vere fuhr sich mit der Hand über die Glatze. Obwohl er die Kleidung der Aielfrauen prüfend gemustert und sie offensichtlich als Gauls Begleiterinnen eingeschätzt hatte, schien er eigentlich nicht weiter erstaunt darüber, daß sie Frauen waren. Vor allem wirkte er über ihr plötzliches Eindringen verärgert. Kratzi hatte sich aufgesetzt und musterte mißtrauisch die Fremden. Perrin fragte sich, ob die Katze auch ihn als einen solchen betrachte. Er fragte sich ebenfalls, wie sie ihn aufgespürt hatten und wo Loial blieb. Er vermied jeden Gedanken daran, was er jetzt wohl mit Faile anfangen solle.
    Sie ließ ihm wenig Zeit zum Nachdenken, sondern stellte sich breitbeinig vor ihn hin, die Hände in die Hüften gestützt. Irgendwie hatte sie sich den Trick vieler Frauen angeeignet, in ihrem empörten Zorn größer zu wirken als ihr Gegenüber. »Dich stellen? Dich stellen! Hast du das etwa von Anfang an geplant gehabt? Bestimmt, oder? Du Vollidiot! Dein Hirn ist ja wohl eingefroren, Perrin Aybara! Es war von Anfang an nicht mehr als ein paar Muskeln und Haare, aber jetzt ist selbst davon nicht mehr viel übrig! Wenn dich die Weißmäntel suchen, dann hängen sie dich auf, sobald sie dich haben. Warum sollten sie dich überhaupt suchen?« »Weil ich Weißmäntel getötet habe.« Er blickte auf sie hinunter und achtete nicht auf Frau al'Vere, die überrascht nach Luft schnappte. »Die an dem Abend, als ich dich

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