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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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gesagt, dass ich alles verloren habe, was ich besaß, als die Bank zusammenbrach.“ Sein Körper war wieder zusammengesackt, sein Interesse war verschwunden. „Aber es macht mir nichts aus. Was ich verloren habe, war nur materieller Reichtum. Ich bin nicht der erste Mann in der Geschichte, der für sein Ideal leiden muss. Ich wurde von der selbstsüchtigen Gier der Menschen um mich herum besiegt. Ich konnte in einem kleinen Bundesstaat inmitten einer Nation von Profit- und Dollarjägern kein System der Brüderlichkeit und Liebe aufbauen. Es war nicht meine Schuld. Aber ich werde mich von ihnen nicht besiegen lassen. Ich lasse mich nicht aufhalten. Ich kämpfe weiter – auf einer höheren Ebene – für das Privileg, meinen Mitmenschen dienen zu dürfen. Unterlagen, Miss Taggart? Die Aufzeichnungen, die ich zurückgelassen habe, als ich Madison verließ, sind in die Herzen der Armen geschrieben, die nie zuvor eine Chance hatten.“
    Sie wollte kein einziges überflüssiges Wort sagen, konnte sich aber nicht zügeln: Immer wieder sah sie die alte Putzfrau, wie sie die Treppen schrubbte. „Haben Sie diesen Teil des Landes seither gesehen?“, fragte sie.
    „Das ist nicht meine Schuld!“, schrie er. „Es ist die Schuld der Reichen, die immer noch Geld hatten, es aber nicht opfern wollten, um meine Bank und die Menschen von Wisconsin zu retten! Sie können mir nicht die Schuld geben! Ich habe alles verloren!“
    „Mr. Lawson“, sagte sie angestrengt, „erinnern Sie sich vielleicht an den Namen des Mannes, der dem Unternehmen, das die Fabrik besaß, vorstand? Dem Unternehmen, dem Sie das Geld liehen? Es nannte sich Amalgamated Service, richtig? Wer war der Präsident?“
    „Ach der? Ja, ich erinnere mich an ihn. Sein Name war Lee Hunsacker. Ein sehr fähiger junger Mann, der eine ordentliche Schlappe eingesteckt hat.“
    „Wo hält er sich jetzt auf? Kennen Sie seine Adresse?“
    „Hm, ich glaube, er ist irgendwo in Oregon. Grangeville, Oregon. Meine Sekretärin kann Ihnen seine Adresse geben. Aber ich verstehe nicht, welches Interesse … Miss Taggart, wenn Sie eigentlich versuchen wollten, mit Mr. Wesley Mouch zu sprechen, dann möchte ich Ihnen sagen, dass Mr. Mouch großen Wert auf meine Meinung legt, wenn es um Angelegenheiten wie Eisenbahnen und Ähnliches …“
    „Ich habe nicht den Wunsch, Mr. Mouch zu sprechen“, sagte sie und erhob sich.
    „Aber dann verstehe ich nicht … Was ist dann der eigentliche Grund für Ihr Kommen?“
    „Ich versuche einen bestimmten Mann zu finden, der für die Twentieth Century Motor Company gearbeitet hat.“
    „Warum wollen Sie ihn finden?“
    „Ich möchte, dass er für meine Eisenbahngesellschaft arbeitet.“
    Er breitete seine Arme weit aus und sah sie ungläubig und ein wenig entrüstet an. „In einem solchen Augenblick, wenn fundamentale Fragen in der Schwebe sind, verschwenden Sie Ihre Zeit damit, nach einem einzigen Mitarbeiter zu suchen? Glauben Sie mir, das Schicksal Ihrer Eisenbahn hängt weit mehr von Mr. Mouch ab als von irgendeinem Mitarbeiter.“
    „Guten Tag“, sagte sie.
    Sie hatte sich zum Gehen gewandt, als er mit schriller Stimme hervorstieß: „Sie haben kein Recht, mich zu verachten.“
    Sie blieb stehen und sah ihn an. „Ich habe keine Meinung geäußert.“
    „Ich bin gänzlich unschuldig, schließlich habe ich all mein Geld für eine gute Sache verloren. Meine Absichten waren rein. Ich wollte nichts für mich. Ich wollte nie etwas für mich. Miss Taggart, ich kann stolz von mir behaupten, in meinem ganzen Leben nie einen Gewinn erzielt zu haben!“
    Ihre Stimme war ruhig, fest und ernst: „Mr. Lawson, ich glaube, Sie sollten wissen, dass ich unter allen Äußerungen, die ein Mensch tun kann, diese als die verachtenswerteste betrachte.“
    *
    „Ich hatte niemals eine Chance!“, sagte Lee Hunsacker.
    Er saß inmitten seiner Küche an einem Tisch, der mit Papieren übersät war. Er war unrasiert, sein Hemd ungebügelt. Es war schwierig, sein Alter einzuschätzen: Sein aufgequollenes Gesicht wirkte glatt und leer, unberührt von jeder Erfahrung; das ergrauende Haar und die verschleierten Augen sahen müde vor Erschöpfung aus; er war zweiundvierzig.
    „Niemand hat mir je eine Chance gegeben. Ich hoffe, sie sind zufrieden mit dem, was sie aus mir gemacht haben. Aber glauben Sie nicht, dass ich es nicht weiß. Ich weiß, dass ich um mein angeborenes Recht betrogen wurde. Lassen Sie sich von ihnen nicht darüber täuschen, wie gut sie

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