Der Streik
es war unwahrscheinlich, dass dieser Fall ihn gebrochen hatte.
„Was ist mit Richter Narragansett geschehen?“, fragte sie unwillkürlich und wunderte sich, welche unbewusste Assoziation sie wohl dazu gebracht hatte, das zu fragen. Sie wusste nur wenig über Richter Narragansett, aber sie hatte sich seinen Namen eingeprägt, weil er untrennbar mit dem nordamerikanischen Kontinent verbunden war. Jetzt fiel ihr plötzlich auf, dass sie seit Jahren nichts mehr von ihm gehört hatte.
„Er hat sich zur Ruhe gesetzt“, sagte Lee Hunsacker.
„Tatsächlich?“ Die Frage war fast ein Keuchen.
„Ja.“
„Wann?“
„Etwa sechs Monate später.“
„Was hat er nach seiner Pensionierung getan?“
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, niemand hat seitdem von ihm gehört.“
Er wunderte sich, warum sie erschrocken aussah. Zum Teil rührte die Angst, die sie verspürte, daher, dass sie deren Grund auch nicht kannte. „Bitte erzählen Sie mir von dem Motorenwerk“, sagte sie mühsam.
„Eugene Lawson von der Community National Bank in Madison gab uns schließlich einen Kredit, um die Fabrik zu kaufen – aber er war nur ein konfuser Geizkragen, der nicht genug Geld hatte, um uns durchzubringen; er konnte uns nicht helfen, als wir bankrottgingen. Es war nicht unsere Schuld. Von Anfang an war alles gegen uns. Wie konnten wir eine Fabrik leiten, wenn wir keine Eisenbahn hatten? Hatten wir nicht ein Anrecht auf eine Eisenbahn? Ich habe versucht, sie zu überreden, ihre Nebenlinie wieder in Betrieb zu nehmen, aber diese verdammten Leute bei Taggart Trans…“ Er unterbrach sich. „Sagen Sie, Sie sind nicht zufällig eine der Taggarts?“
„Ich bin die Betriebsleitende Vizepräsidentin von Taggart Transcontinental.“
Einen Augenblick lang starrte er sie wie betäubt an. Sie sah den Kampf aus Angst, Unterwürfigkeit und Hass in seinen trüben Augen. Das Ergebnis war ein plötzliches wütendes Knurren: „Ich brauche nichts von euch großen Tieren! Denken Sie nicht, dass ich mich vor Ihnen fürchte. Erwarten Sie nicht, dass ich um eine Stelle bettle. Ich bitte niemanden um einen Gefallen. Ich wette, Sie sind es nicht gewohnt, dass man so mit Ihnen spricht, nicht wahr?“
„Mr. Hunsacker, ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir die Informationen über die Fabrik geben würden, die ich brauche.“
„Sie sind etwas spät dran, sich dafür zu interessieren. Was ist los? Quält Sie Ihr Gewissen? Ihr Leute habt Jed Starnes mit der Fabrik stinkreich werden lassen, wolltet uns aber keine Chance geben. Es war dieselbe Fabrik. Wir haben alles getan, was er getan hat. Wir haben sofort begonnen, den Motorentyp herzustellen, der über Jahre sein größter Verkaufsschlager gewesen war. Aber dann eröffnete irgendein Neuling, von dem nie jemand gehört hatte, ein zweitklassiges Werk unten in Colorado, es hieß Nielsen Motors, und brachte einen neuen Motor derselben Klasse wie das Starnes-Modell zum halben Preis auf den Markt. Dagegen konnten wir nichts tun, oder? Für Jed Starnes ist es gut gelaufen, denn während seiner Zeit tauchte kein zerstörerischer Mitbewerber auf. Aber was hätten wir tun sollen? Wie konnten wir diesen Nielsen bekämpfen, wenn niemand uns einen Motor gegeben hatte, der mit seinem konkurrieren konnte?“
„Haben sie auch Starnes’ Forschungslabor übernommen?“
„Ja, ja. Das war da. Alles war noch da.“
„Auch seine Mitarbeiter?“
„Ja, einige von ihnen. Viele waren gegangen, während die Fabrik geschlossen war.“
„Und seine Forschungsmitarbeiter?“
„Die waren weg.“
„Haben Sie selbst Forscher angestellt?“
„Ja, ja, ein paar – aber glauben Sie mir, ich hatte nicht viel Geld für Dinge wie Labors übrig, da ich doch niemals genügend Mittel hatte, um mir auch nur eine kurze Verschnaufpause zu gönnen. Ich konnte nicht einmal die Rechnungen für die allerwichtigsten Modernisierungen und Renovierungen, die ich durchführen musste, bezahlen. Diese Fabrik war im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter furchtbar altmodisch. Die Büros der leitenden Angestellten hatten blanke Gipswände und einen schäbigen kleinen Waschraum. Jeder moderne Psychologe wird Ihnen bestätigen, dass in einer so deprimierenden Umgebung niemand sein Bestes geben kann. Ich brauchte in meinem Büro ein helleres Farbschema und ein anständiges Bad mit einer Duschkabine. Darüber hinaus habe ich eine Menge Geld für eine neue Kantine, einen Freizeitraum und einen Ruheraum für die Mitarbeiter
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