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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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gekommen sind, nur um in den Rocky Mountains nach Köchen zu suchen.“
    „Nein. Ich bin aus einem anderen Grund hier.“ Sie beugte sich nach vorne, mit beiden Armen fest gegen den Tresen gestemmt. Sie hatte ihre Ruhe und ihre Kontrolle wiedererlangt und witterte einen gefährlichen Gegner. „Kannten Sie vor etwa zehn Jahren einen jungen Ingenieur, der für die Twentieth Century Motor Company arbeitete?“
    Sie zählte die Sekunden der Stille. Sie konnte den Blick, mit dem er sie ansah, nicht deuten, doch es war ein Blick, der besonders aufmerksam war.
    „Ja“, antwortete er.
    „Könnten Sie mir seinen Namen und seine Adresse geben?“
    „Wozu?“
    „Es ist von außerordentlicher Bedeutung, dass ich ihn finde.“
    „Diesen Mann? Welche Bedeutung hat er?“
    „Er ist der bedeutendste Mann der Welt.“
    „Wirklich? Warum?“
    „Wussten Sie etwas über seine Arbeit?“
    „Ja.“
    „Wussten Sie, dass er auf eine Idee gestoßen ist, die die gewaltigsten Auswirkungen hat?“
    Er ließ einen Moment verstreichen. „Darf ich fragen, wer Sie sind?“
    „Dagny Taggart. Ich bin die Betriebsleitende …“
    „Ja, Miss Taggart, ich weiß, wer Sie sind.“
    Er sprach mit unpersönlicher Ehrerbietung. Aber er sah aus, als hätte er die Antwort auf eine bestimmte Frage in seinem Kopf gefunden und aufgehört, sich zu wundern.
    „Dann wissen Sie, dass mein Interesse nicht nutzlos ist“, sagte sie. „Ich bin in der Lage, ihm die Chance zu geben, die er braucht, und ich bin bereit, alles zu zahlen, was er verlangt.“
    „Darf ich fragen, was Ihr Interesse an ihm geweckt hat?“
    „Sein Motor.“
    „Wie kommt es, dass Sie von seinem Motor wissen?“
    „Ich habe einen beschädigten Rest davon in der Ruine der Twentieth-Century-Fabrik gefunden. Nicht genug, um ihn zu rekonstruieren oder zu verstehen, wie er funktioniert hat. Aber genug, um zu wissen, dass er funktioniert hat und dass er eine Erfindung ist, die meine Eisenbahn, das Land und die gesamte Weltwirtschaft retten kann. Bitten Sie mich nicht, Ihnen zu erzählen, welcher Spur ich gefolgt bin, um den Motor aufzuspüren und seinen Erfinder ausfindig zu machen. Das ist nicht wichtig, sogar mein Leben und meine Arbeit sind mir jetzt nicht wichtig, nichts ist wichtig, außer dass ich ihn finden muss. Fragen Sie nicht, wie ich bei Ihnen gelandet bin. Sie sind das Ende meiner Spur. Sagen Sie mir seinen Namen.“
    Er hatte reglos zugehört, den Blick gerade auf sie gerichtet; seine Augen waren aufmerksam, und er schien jedes ihrer Worte in sich aufzunehmen und sorgsam im Gedächtnis zu bewahren, ohne ihr einen Hinweis zu geben, zu welchem Zweck. Lange Zeit rührte er sich nicht. Dann sagte er: „Geben Sie es auf, Miss Taggart. Sie werden ihn nicht finden.“
    „Wie ist sein Name?“
    „Ich kann Ihnen nichts über ihn sagen.“
    „Ist er am Leben?“
    „Ich kann Ihnen nichts sagen.“
    „Wie ist Ihr Name?“
    „Hugh Akston.“
    Während der Sekunden, in denen sie versuchte, ihren Verstand wiederzuerlangen, sagte sie immer wieder zu sich: Du bist hysterisch … mach dich nicht lächerlich … es ist nur eine Namensgleichheit – obwohl sie mit Gewissheit und starr vor unerklärlichem Entsetzen wusste, dass dies der Hugh Akston war.
    „Hugh Akston?“, stammelte sie. „Der Philosoph? … Der letzte der Anwälte der Vernunft?“
    „Ja“, antwortete er freundlich. „Oder der erste von ihnen, der zurückkommt.“
    Er schien über ihr Erschrecken nicht erstaunt zu sein, doch offenbar fand er es unnötig. Sein Verhalten war bescheiden, fast freundschaftlich, als hielte er es nicht für erforderlich, seine Identität zu verbergen und sich über ihre Aufdeckung zu ärgern.
    „Ich hatte nicht angenommen, dass heute irgendein junger Mensch meinen Namen kennen oder ihm eine Bedeutung beimessen würde“, sagte er.
    „Aber … aber was tun Sie hier?“ Sie deutete mit der Hand auf den Raum. „Das ergibt doch keinen Sinn!“
    „Sind Sie sicher?“
    „Was ist das? Ein Trick? Ein Experiment? Eine Geheimmission? Testen Sie etwas zu einem besonderen Zweck?“
    „Nein, Miss Taggart, ich verdiene meinen Lebensunterhalt.“ Seine Worte und seine Stimme waren schlicht, aufrichtig und wahrhaftig.
    „Dr. Akston, ich … es ist mir unerklärlich, es … Sie sind … Sie sind Philosoph … der größte lebende Philosoph … eine unsterbliche Persönlichkeit … warum arbeiten Sie hier ?“
    „Weil ich ein Philosoph bin, Miss Taggart.“
    Sie wusste mit Sicherheit – obwohl

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