Der Streik
Standorten abzuwandern, es sei denn, sie erhielten dazu eine Sondergenehmigung des Büros für Wirtschaftsplanung und nationale Ressourcen.
Um die Eisenbahnen des Landes für ihre Extrakosten zu entschädigen und um „den Umstellungsprozess abzufedern“, wurde für die Tilgung von Zinsen und Grundkapital aller Eisenbahnanleihen – gesicherter und ungesicherter, konvertierbarer und nicht konvertierbarer – ein Moratorium von fünf Jahren festgesetzt.
Um die Mittel für das zur Umsetzung dieser Richtlinien erforderliche Personal bereitzustellen, wurde für den Bundesstaat Colorado als „dem Bundesstaat, der am besten geeignet ist, die bedürftigeren Bundesstaaten dabei zu unterstützen, die Bürde des nationalen Notstands zu tragen“, eine Sondersteuer eingeführt. Diese Steuer belief sich auf fünf Prozent des Bruttoumsatzes der Industriekonzerne in Colorado.
Die Frage, die sie herausschrie, hatte sie sich noch nie zuvor erlaubt zu stellen, denn sie war immer stolz gewesen, die Antwort darauf selbst zu finden – doch nur wenige Schritte entfernt sah sie einen Mann stehen, sie bemerkte nicht, dass es ein abgerissener Landstreicher war, und sie schrie ihm die Frage zu, weil sie ein Anliegen der Vernunft war und er ein menschliches Wesen: „Was sollen wir jetzt tun?“
Der Landstreicher grinste freudlos und zuckte mit den Schultern: „Wer ist John Galt?“
Es war nicht Taggart Transcontinental, worum sie sich am meisten ängstigte, es war nicht der Gedanke an Hank Rearden, der an eine Folterbank gefesselt in entgegengesetzte Richtungen gezerrt wurde, sondern Ellis Wyatt. Als Antwort auf die Fragen, die sie noch nicht begonnen hatte zu stellen, sah sie zwei Bilder, die alles andere auslöschten, ihr Bewusstsein völlig ausfüllten und keinen Platz für Worte und Fragen ließen: Ellis Wyatts Gestalt, die unversöhnlich vor ihrem Schreibtisch stand und sagte: „Es liegt nun in Ihrer Macht, mich zu zerstören. Ich werde möglicherweise gehen müssen, aber wenn ich untergehe, werde ich dafür sorgen, dass ich Sie mit hinunterziehe“ – und die wirbelnde Gewalt von Ellis Wyatts Körper, als er sein Glas an der Wand zerschmetterte.
Das Einzige, was die Bilder in ihrem Bewusstsein zurückließen, war die Vorahnung einer nahenden unvorstellbaren Katastrophe und das Gefühl, dass sie ihr zuvorkommen musste. Sie musste Ellis Wyatt erreichen und ihn aufhalten. Sie wusste nicht, was sie verhindern musste. Sie wusste nur, dass sie ihn aufhalten musste.
Und weil sie, solange sie noch am Leben war – ob unter den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes zermalmt oder von einer Bombe in einem Luftangriff zerfetzt –, immer wissen würde, dass es die wichtigste Pflicht des Menschen war, unabhängig von seinen Gefühlen zu handeln, war sie in der Lage, den Bahnsteig hinunterzulaufen, dem Bahnhofsvorsteher ins Gesicht zu sehen, nachdem sie ihn gefunden hatte; war sie in der Lage, den Befehl zu erteilen: „Halten Sie Nummer 57 für mich an!“; dann zu einer einsamen Telefonzelle in der Finsternis hinter dem Ende des Bahnsteiges zu laufen und der Fernmeldevermittlung die Nummer von Ellis Wyatts Haus durchzugeben.
Sie stand mit geschlossenen Augen an die Wand der Telefonzelle gelehnt und lauschte dem toten, metallischen Surren, dem Geräusch einer Glocke, die irgendwo klingelte. Es kam keine Antwort. Das Klingeln wiederholte sich in plötzlichen Ausbrüchen wie ein Bohrgeräusch, das durch ihr Ohr, durch ihren Körper drang. Sie hielt den Hörer fest umklammert, als wäre das immer noch eine Art des Kontakts. Sie wünschte, das Klingeln wäre lauter. Sie vergaß, dass das Geräusch, das sie hörte, nicht das Klingeln war, das in seinem Haus ertönte. Sie war sich nicht bewusst, dass sie schrie: „Ellis, nicht! Tun Sie es nicht! Tun Sie es nicht!“ – bis sie die kalte, tadelnde Stimme der Vermittlung hörte, die sagte: „Der Teilnehmer antwortet nicht.“
Sie saß am Fenster eines Wagens von Zug Nummer 57 und lauschte dem Klicken der Räder auf den Rearden-Metall-Schienen. Spannungslos schaukelte ihr Körper mit der Bewegung des Zuges. Der schwarze Glanz des Fensters verdeckte die Landschaft, die sie nicht sehen wollte. Es war ihre zweite Reise auf der John-Galt-Linie, und sie versuchte, nicht an die erste zu denken.
Die Anleihegläubiger, dachte sie – die Anleihegläubiger der John-Galt-Linie – sie hatten ihr Geld, ihre Ersparnisse und die Leistung von Jahren in ihre Hände gelegt, sie hatten auf ihr Können
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