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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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Meister Nichtabsolut? Wenn wir keine hässlichen Worte benutzen, gibt es auch keine Hässlichkeit, und …“ Doch dann sah er die verzweifelte Ernsthaftigkeit in der Miene des Jungen und hielt inne; sein Lächeln erstarb.
    „Ich meine es ernst, Mr. Rearden. Und ich weiß, was das Wort bedeutet, und es ist das richtige Wort. Ich habe es satt, mit Ihrem Geld dafür bezahlt zu werden, dass ich nichts tue, außer es Ihnen unmöglich zu machen, überhaupt noch Geld zu verdienen. Ich weiß, dass jeder, der heute noch arbeitet, für Dreckskerle wie mich nur ein Trottel ist, aber … verdammt, ich will lieber ein Trottel sein, wenn das alles ist, was einem bleibt!“ Seine Stimme war zu einem Schrei angeschwollen. „Verzeihung, Mr. Rearden“, bat er steif und wandte den Blick ab. Gleich darauf fuhr er in seinem hölzernen, emotionslosen Ton fort: „Ich will aus diesem Stellvertretender-Verkaufsleiter-Schwindel raus. Ich weiß nicht, ob ich für Sie überhaupt von Nutzen wäre, ich habe ein Diplom in Metallurgie, aber das ist nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. Aber ich glaube, ich habe in den zwei Jahren hier ein bisschen über die Arbeit im Stahlwerk gelernt – und wenn Sie mich irgendwie brauchen können, zum Kehren oder um die Schlacke abzutransportieren oder was immer Sie mir anvertrauen würden, dann sage ich denen, wo sie sich die stellvertretende Verkaufsleitung hinstecken können, und arbeite für Sie morgen, heute, nächste Woche, jetzt gleich oder wann Sie es sagen.“ Er wich Reardens Blick aus, nicht ängstlich, sondern so, als hätte er nicht das Recht, ihm in die Augen zu sehen.
    „Warum hatten Sie Angst, mich darauf anzusprechen?“, fragte Rearden sanft.
    Erstaunt und zugleich empört sah der junge Mann ihn an, als wäre die Antwort offensichtlich. „Weil Sie mir eigentlich eine reinhauen müssten, wenn ich Sie noch um einen Gefallen bitte, so wie ich hier angefangen habe und wie ich mich benommen habe und für diese Stellvertretersache!“
    „Sie haben eine Menge gelernt in den zwei Jahren hier.“
    „Nein, ich …“ Er warf Rearden einen Blick zu, verstand, sah fort und sagte hölzern: „Ja … wenn Sie das so sehen.“
    „Hören Sie, mein Junge, ich würde Ihnen jederzeit eine Arbeit geben, und wenn es nach mir ginge, würde ich Ihnen mehr anvertrauen, als hier die Wege zu fegen. Aber haben Sie die Vereinigungsbehörde vergessen? Ich darf Sie nicht einstellen, und Sie dürfen nicht kündigen. Sicher, ständig hören hier Männer auf, und wir stellen andere ein, unter falschem Namen und mit falschen Papieren, die beweisen, dass sie schon seit Jahren hier arbeiten. Das wissen Sie, und danke, dass Sie den Mund gehalten haben. Aber glauben Sie, wenn ich Sie auf diese Weise einstellen würde, würde das Ihren Freunden in Washington entgehen?“
    Der junge Mann schüttelte langsam den Kopf.
    „Meinen Sie nicht, wenn Sie deren Dienst quittieren, um bei mir Kehrer zu werden, dann wüssten die nicht, warum?“
    Der junge Mann nickte.
    „Würden die Sie gehen lassen?“
    Der junge Mann schüttelte den Kopf. Nach einer Weile sagte er in hoffnungslosem und zugleich erstauntem Ton: „An all das hatte ich nicht gedacht, Mr. Rearden. Ich hatte die Behörde vergessen. Ich habe nur darüber nachgedacht, ob Sie mich wollen würden oder nicht, ich hatte gedacht, das Einzige, was zählt, wäre Ihre Entscheidung.“
    „Ich weiß.“
    „Und … es ist faktisch das Einzige, was zählt.“
    „Ja, Meister Nichtabsolut, faktisch .“
    Flüchtig verzog der junge Mann den Mund zu einem freudlosen Lächeln. „Ich schätze, ich stecke tiefer drin als alle anderen Trottel …“
    „Ja. Es gibt im Moment nichts, was Sie tun können, außer bei der Vereinigungsbehörde einen Antrag auf Wechsel des Arbeitsplatzes zu stellen. Ich werde Ihren Antrag unterstützen, wenn Sie es versuchen möchten – bloß glaube ich nicht, dass sie dem Antrag stattgeben werden. Ich glaube nicht, dass sie Sie für mich arbeiten lassen.“
    „Nein, das werden sie nicht tun.“
    „Wenn Sie geschickt genug lavieren und genug lügen, erlauben sie Ihnen vielleicht, eine andere private Stelle anzunehmen – in einem anderen Stahlwerk.“
    „Nein! Ich will nirgendwo anders hin! Ich will nicht von hier fort!“ Er blickte zu den Hochöfen, über denen der Regen unsichtbar verdampfte. Nach einer Weile sagte er leise: „Ich bleibe wohl besser, wo ich bin. Ich bleibe wohl besser ein stellvertretender Plünderer. Außerdem: Wenn ich

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