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Der Vollstrecker

Der Vollstrecker

Titel: Der Vollstrecker Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chris Carter
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für die Story, und jetzt hat sich auch noch das Fernsehen an die Sache drangehängt.«
    Â»Ich nehme mal an, Sie haben schon Robert Hunter kennengelernt? Richtig kennengelernt, meine ich?«
    Claire nickte. »Er hat mich abblitzen lassen.«
    Pasquier stieß ein lautes, bellendes Lachen aus. »Sie haben versucht, ihn ins Bett zu kriegen? Ach, Claire! Robert hat Sie garantiert zehn Meilen gegen den Wind gerochen. Auf so was fällt jemand wie er nicht rein.«
    Â»Die Information kommt ein wenig zu spät«, gab sie säuerlich zurück und sah sich in der Redaktion um. Alle waren beschäftigt, starrten angestrengt auf Computerbildschirme oder telefonierten lautstark.
    Â»Ich sage Ihnen was«, meinte Pasquier, rollte seinen Stuhl zurück und stand auf. Er warf einen verächtlichen Blick in die Runde. »Wir ziehen Leine und unterhalten uns woanders. Bei dem Laden hier kriege ich die Krätze. Überall diese studierten Würstchen, die so viel Ahnung vom Journalismus haben wie der Papst vom Puffbesuch.«
    Â»He.« Claire sah ihn in gespielter Entrüstung an. »Ich bin auch ein studiertes Würstchen.«
    Â»Ja, aber ein heißes.« Er zwinkerte ihr spitzbübisch zu.
    Die Cafeteria lag im Zwischengeschoss des Gebäudes. Das Essen dort war, gelinde gesagt, ungenießbar – kantinentypischer Schlangenfraß, der unter Wärmelampen vor sich hin dörrte. Zum Glück gab es mehrere Automaten, die alles boten, was das Herz eines hungrigen Reporters begehrte: Äpfel und leicht braunfleckige Bananen, Kuchen, Joghurt, Salate, Schokoriegel und – natürlich – die obligatorischen dreieckigen Sandwiches.
    Â»Kann ich Ihnen was spendieren?«, bot Pasqier an und deutete mit einem Nicken auf die Automaten.
    Â»Ich nehme bloß einen Kaffee.«
    Pasquier zog sich ein Sandwich mit Pastrami und Käse und bestellte danach am Tresen zwei Kaffee. Das Essen war so schlecht, dass die Cafeteria fast leer war und sie keinerlei Mühe hatten, sich einen der beigefarbenen Resopaltische zu erobern. Pasquier schlug die Zähne in sein Sandwich und wischte sich, während er kaute, mit einer Papierserviette einen Klecks Mayonnaise vom Kinn.
    Â»Was haben Sie denn?«, fragte er.
    Claire nippte an ihrem Kaffee und sah Pasquier in die Augen. »Niemand sagt irgendwas, aber ich weiß genau, dass es ein Serienmörder ist, möglicherweise ein Ritualmörder. Brutaler als alles, was wir bisher erlebt haben. Der Kerl spielt in einer ganz anderen Liga.«
    Â»Wenn niemand was sagt, woher wissen Sie es dann?« Pasquier ließ vier Stück Zucker in seinen Kaffee fallen.
    Â»Keine Ahnung.« Sie schüttelte den Kopf und sah zur Seite. »Intuition vielleicht. Bauchgefühl.«
    Â»Verstehe.« Er nahm einen weiteren Bissen von seinem Sandwich und sprach mit vollem Mund weiter. »Sie haben gesagt, dieser Täter ist anders – was heißt das, anders?«
    Â»Man muss sich doch bloß die Fakten ansehen. Was für ein Killer enthauptet einen Priester in dessen eigener Kirche und spießt der Leiche dann einen Hundekopf auf? Was für ein Killer lässt sich fast zwei Tage Zeit, um sein Opfer vor einem Kamin bei lebendigem Leibe zu rösten?« Claire strich sich mit beiden Händen die Haare hinter die Ohren. Pasquier mochte es, wenn sie das tat. Es wirkte so süß und unschuldig. »Sie halten die Leichen unter Verschluss, es ist absolut unmöglich, an ein Foto zu kommen, aber ich habe gehört, dass der Killer Amanda Reillys Gesicht weggeschmolzen hat.«
    Pasquier sah sie fragend an.
    Â»Amanda Reilly war das zweite Opfer.« Eine senkrechte Falte erschien auf ihrer Stirn. »Lesen Sie überhaupt unsere Zeitung?«
    Â»In letzter Zeit nicht. Gibt ja keine anständigen Reporter mehr.«
    Â»Sehr witzig.«
    Â»Wissen Sie, was der Unterschied zwischen Ihnen und diesen Binnenseglern oben in der Redaktion ist? Dass Sie eben noch die Intuition haben, von der Sie gerade gesprochen haben. Das Bauchgefühl .« Er grinste breit, und Claire wies ihn darauf hin, dass ihm ein Stück Salat zwischen den Zähnen steckte. Er kratzte es mit dem Nagel seines kleinen Fingers weg. »Wahrscheinlich liegt das daran, dass Sie ein nettes, unschuldiges Landei sind. Keine Großstadtpflanze, die den Arsch nicht vollkriegt und möglichst oft beim Bullshit-Bingo gewinnen will.« Mit einem Mal wurde er

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