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Der Wanderchirurg

Der Wanderchirurg

Titel: Der Wanderchirurg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Serno Wolf
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das Alkohol-und Fleischverbot hielt, aber er stellte nach zehn Tagen erstmals fest, dass die Wunde sich zu schließen begann. Kaum merklich zwar, aber für den, der genau hinsah, konnte kein Zweifel bestehen. Zudem hatten die Wundränder ihre blaurote Farbe verloren; die Haut sah nahezu wieder normal aus. »Du machst Fortschritte, Nunu«, lobte Vitus. »Dein Hinken ist auch schon besser geworden.«
    »'s is mir auch schon aufgefallen, un die Schritte tun nich mehr weh, jedenfalls nich viel.« Der Koloss strahlte wie ein Vollmond.
    »Die Säfte scheinen langsam wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Ich wette, dass du in ein paar Tagen nicht mehr hinkst. Wirst einen stattlichen Anblick abgeben, wenn du dann aufrecht über die Plaza schreitest.« Beim letzten Satz krümmte sich Vitus' Zunge, aber er hatte ihn ganz bewusst gesagt.
    »Meinst du?« Der Kerkermeister fühlte sich geschmeichelt. Doch dann verdüsterte sich seine Miene, er reagierte wie beabsichtigt. »Aber die Weiber, ich weiß nich, bin nur scharf auf Elvira. Das is 'ne Stute, wenn ich die mal reiten könnt ...« Er blickte Vitus treuherzig an:
    »Haste nich irgend'n Mittel, das se willig macht? Bitte, Ketzerdokter!«
    »Vielleicht.« Vitus gab sich weiterhin zugeknöpft.
    »Du hast es! Du hast es!«, rief der Koloss aufgeregt.
    »Und wenn es so wäre, was wäre dir das wert?«
    »Ahhh, so läuft der Hase.« Nunus Gesichtsausdruck wurde von einer Sekunde zur anderen misstrauisch. »Was willste haben, Ketzerdokter?«
    Vitus holte tief Luft. »Ich möchte, dass der Magister in meine Zelle verlegt wird.«
    »Das geht nich!« Die Antwort kam so schnell wie die Kugel aus dem Lauf.
    »Überleg es dir. Du musst dich ja nicht jetzt entscheiden.«
    »Das geht nich! Selbst wenn ich's wollt, 's würd mir 'ne Menge Ärger bringen.«
    »Von wem?«
    »Tja, äh ...«
    »Hochwürden Ignacio ist fort«, setzte Vitus nach, »und Pater Alegrio auch. Ein neuer Inquisitor ist nicht in Sicht, und der Alcalde will am liebsten mit Ketzerprozessen nichts zu tun haben. Keiner ist an mir interessiert. Und an dem Magister auch nicht. Mit wem also solltest du Ärger kriegen? Hier im Gefängnis kann dir sowieso keiner was sagen. Hier bist du der Kerkermeister, oder etwa nicht?«
    »Du redst süßer als 'ne Engelszunge, Ketzerdokter.«
    »Ich sage nur, wie es ist. Überleg es dir.«

    »Da bin ich!«, rief der Magister. Er stürmte in die Zelle hinein und umarmte Vitus. »Lass dich angucken! Gut siehst du aus!«
    Er hielt Vitus auf Armlänge von sich und blinzelte heftig. »Nunu scheint dich zu mästen!«
    Der Riese schob sich dazwischen. »Quatsch nich so'n Mist, Magister. Ketzerdokter, was is'n nu mit'm Mittel für Elvira?«
    »Wir brauchen noch ein Bett für den Magister und einen zweiten Stuhl, dann sehen wir weiter.«
    »Ich will's Mittel für Elvira! Jetzt!«
    »Jetzt geht es nicht. Es gibt drei oder vier Medikamente, die in Frage kommen, ich muss mir noch überlegen, welches bei deinem Problem am stärksten wirkt. So lange musst du noch warten.«
    »Hm. 's wusst ich nich. Aber mach hin!« Notgedrungen zog sich der Koloss zurück.
    »Nunu?«
    »Was is nu noch, Ketzerdokter?«
    »Bring uns was zu essen mit.«
    »Du scheinst den Koloss gut im Griff zu haben«, freute sich der Magister, als der Kerkermeister den Raum verlassen hatte.
    »Hat das mit dem Mittel für Elvira, die Hure, zu tun?«
    »So ist es.« Vitus erzählte die Hintergründe.
    Der kleine Gelehrte lachte. »Ich verdanke mein Hiersein also den Liebessehnsüchten eines Monsters! Nun, dir wird dazu schon das rechte Kraut einfallen! Aber nun lass erst einmal sehen, was die Inquisition dir angetan hat.«
    Vitus zeigte seine Verletzungen. »Hier, die Stichstellen am Hintern und an den Oberschenkeln sind vom Stachelstuhl, genau wie die an den Unterarmen.«
    Der Magister nickte sachverständig. »Der Stachelstuhl löst grausame Schmerzen aus, allerdings wird er nur im Stadium der so genannten »Gelinden Frage« eingesetzt. Bei der »Schweren Frage« werden die Foltermethoden erst richtig infam. Der Trockene Zug und die Spanischen Stiefel gehören dazu. Ich nehme an, dass man dir die Werkzeuge bis ins Kleinste erklärt hat?«
    »Das hat man. Nunu versuchte alles, mich das Fürchten zu lehren. Ich hatte auch Angst, aber nicht so viel, dass ich dem Inquisitor nicht kräftig Contra gegeben hätte. Ich glaube, ich bin keine Antwort schuldig geblieben.«
    »Das Ergebnis kann man an deinem Körper ablesen.«
    Der Magister runzelte die

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