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Der weiße Stern: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Der weiße Stern: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Der weiße Stern: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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Daher wandte er sich zweifelnd an seine Frau.
    »Was meinst du, Gisela? Schaffst du es allein?«
    »Aber natürlich!«, antwortete sie lächelnd. »Es geht mir schon viel besser als in den letzten Tagen. Die schweren Arbeiten kann Pepe für mich erledigen, und bei allen anderen hilft mir Nizhoni.«
    »Dann ist alles in Ordnung«, erklärte Diego Jemelin und begann, von seinem Aufenthalt in San Felipe de Guzmán zu berichten.
    Als er seiner Frau erklärte, er habe mehrere schöne Stücke Stoff für ein neues Kleid gekauft, wäre Rosita am liebsten sofort aufgebrochen, um sie sich anzusehen. Damit aber war ihr Mann nicht einverstanden.
    »Es ist schon zu spät. Wir müssten in die Nacht hineinreiten, und das ist zu gefährlich.«

6.
    W ährend die drei Frauen im Haus schliefen, zogen Walther und Jemelin sich mit Pepe in den Anbau zurück und schlugen dort ihr Lager auf. Am nächsten Morgen brachen sie nach einem raschen Frühstück auf. Da Rosita mit ihnen ritt, mussten sie die Pferde den größten Teil der Strecke im Schritt gehen lassen und erreichten Jemelins Hacienda erst am Nachmittag.
    Die Kinder hatten hinter dem Haus gespielt. Als sie ihre Mutter sahen, eilten sie zu ihr hin und schmiegten sich an sie, kaum dass sie abgestiegen war. Mit einem versonnenen Lächeln ließ Walther dieses Bild auf sich wirken und dachte, dass er es in einigen Jahren bei Gisela wohl ähnlich erleben würde.
    »Wollen Sie nicht lieber bei uns übernachten?«, fragte Jemelin Walther nach einem prüfenden Blick zur Sonne.
    Die Bemerkung riss Walther aus seinen Gedanken, und er schüttelte den Kopf. »So leid es mir tut, aber ich kann heute noch ein paar Stunden reiten. Ich möchte so rasch wie möglich in San Felipe de Guzmán eintreffen, um Don Ramón de Gamuzana nicht warten zu lassen.«
    »Und um wieder nach Hause zu Ihrer Frau und Ihrem Sohn zu kommen, nicht wahr, Señor Waltero?« Jemelin zwinkerte Walther grinsend zu und ging dann ins Haus, um die versprochene Flinte zu holen.
    Als Walther diese in der Hand hielt, fühlte er sich an Quiques Großvaterpistole erinnert. Die Waffe wies ein ehrwürdiges Alter auf, und der Kolben war an ein paar Stellen zerschrammt, doch an Lauf und Schloss war kein Rost zu sehen. Walther lud die Waffe und feuerte einen Probeschuss auf einen etwa einhundert Schritt entfernten Baum ab. Mit dem Ergebnis war er zufrieden. Zwar zog die Flinte ein wenig nach rechts, aber einen Mann hätte er damit getroffen.
    Er lud sie erneut, steckte das Pulverhorn und die Munition ein, die Jemelin ihm ebenfalls gegeben hatte, und verabschiedete sich von seinen Gastgebern. »
Adiós,
Señora, Señor. Auf ein baldiges Wiedersehen!«
    »Reiten Sie mit Gott, Señor Waltero«, rief Jemelin gut gelaunt.
    Er war froh, dass er die Aufgabe, die Siedler aus San Felipe de Guzmán hierherzubegleiten, an jemand anders hatte übergeben können. Dauerte der Ritt dorthin bereits etliche Tage, so waren sie mit den Ochsenkarren und den zu Fuß gehenden Neusiedlern mehrere Wochen unterwegs. Jemelin hatte den Weg schon mehrmals zurücklegen müssen und wollte nun die Zeit nutzen, auf seiner eigenen Hacienda zu arbeiten.
    Er sah Walther nach, der auf dem Mustang nach Süden ritt, und schlang dabei einen Arm um Rosita. »Ich bin froh, dass ich wieder bei dir bin, meine Gute. Es war doch etwas einsam ohne dich.«
    »Darum habe ich auch nichts gesagt, als du gestern meintest, ich solle mit nach Hause kommen. Gisela wird gewiss auch ohne mich zurechtkommen. Außerdem hat sie nicht so viel Arbeit am Hals wie ich.«
    Rosita lehnte sich einen Augenblick an ihren Mann und sah ihn strahlend an. Früher war er weiter im Süden ein Vaquero auf der großen Hacienda von Ramón de Gamuzana gewesen und sie die Köchin. Nun aber waren sie angesehene Leute und würden ihren Kindern einen ansehnlichen Besitz vererben können.
    »Das Leben ist wirklich schön«, fuhr sie fort, erinnerte sich dann an den Kleiderstoff und eilte ins Haus, um ihn zu begutachten.

7.
    D ie Arbeit ging Gisela nicht so leicht von der Hand, wie sie gehofft hatte. Obwohl bereits einige Tage seit ihrer Niederkunft vergangen waren, fühlte sie sich noch sehr schwach, und ihr wurde immer wieder schwindlig. Dazu kam der Ärger mit Pepe, der es aus Angst, Nizhoni könnte ein Messer nehmen und ihn ermorden, kaum wagte, der Indianerin den Rücken zuzukehren.
    »Nimm dich zusammen!«, fuhr Gisela ihn an, als er wieder einmal behauptete, der Indiofrau sei nicht zu trauen. »Nizhoni ist ein

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