Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
zween Gläubiger finden / die ohn zweifel die Schuldfoderung nicht auffs höchste treiben werden / deßwegen nehme Frl. Lukrezie die Schuld mit auff sich / nebest der Erklärung /daß sie Selb-schuldige wolle mit seyn / alsdann wil ich vernehmen / ob nicht einer von diesen Fürsten ja so gerne auff sie / als auff Frl. Sibyllen sehen wolle. Der müste gerne in Schulden stecken / antwortete sie /der sich selbst eines höheren verpflichtete / als sein Vermögen sich erstrecket. Fürst Siegward gab sich mit ins Gespräch / baht anfangs umb verzeihung / daß neben seinen Freund und Gesellen / er in des Durchleuchtigen Frauenzimers Erlösung / sich so faul und nachlässig erzeiget / und nicht bald der ersten Stunde ihrer Ankunfft sie der Angst benommen hätte / daher ihnen mehr die Züchtigung und Straffe / als einige Vergeltung nachstünde; hielt hernach bey der GroßFürstin an / sie möchte ihren Unvolkommenheiten zu hülffe kommen / und bey diesen vortreflichen Fräulein ihnen diese Gunst erwerben / daß sie ihre begierigen Dienste nicht nach dem Vermögen / sondern Willen urteilen wollen. Worauff die GroßFürstin zur Antwort gab: Als viel ich merke / währe dieser Streit bald geschlichtet / weil meine Durchll. Oheimbe nur alles vor eine unverdienete Gunst rechnen wollen was von meinen Frll. Schwestern ihnen etwa gutes begegnen möchte. So erklären nun dieselbe sich ohnbeschweret / ob sie diese Bedingung eingehen können / alsdann werden sie ihre Schuld völlig bezahlen / und dannoch vor solche gehalten werden die zubezahlen nicht schuldig sind. Die Fräulein merketen wol / wohin dieser Vortrag zielete / tahten doch nicht deßgleichen /stunden unterdeß und sahen eine die andere an / weil keine gerne hierauff antworten wolte; biß endlich Frl. Sibylla anfing: Durchleuchtigste GroßFürstin / ob gleich dieser Durchll. Fürsten Höfligkeit so groß ist /daß sie ihre mir erzeigete Woltahten so geringe schätzen / muß doch ich so vergessen nicht seyn / dieselbe in den Wind zuschlagen / es währe dann / daß ich etwas über meine Ehre liebete / welche nähest Gott Ihren Durchll. ich einig zudanken habe; erkenne mich deßwegen schuldig / alles mein ehrenwilliges Vermögen / in Erzeigung der höchstschuldigen Dankbarkeit gerne anzuwenden / nicht zweifelnd / weil dieser Last ich nicht allein bestand bin / meine herzgeliebete Frl. Schwester werde einen Teil auff sich nehmen / welches in allen Begebenheiten zuerkennen / ich mich willig erbiete; daß sie aber dieser Durchll. Fürsten Anfoderung hierzu erwarten wil / ist nichts als eine stilschweigende Wegerung; massen sie höret und vernimt / daß unsere Rechnung so weit vonander stimmet / daß dieselben meine Schuld nicht eins wissen noch erkennen wollen. Geliebte Frl. Schwester / sagte Frl. Lukrezie / du legest es über in die länge oder quere /muß ich doch zuvor wissen / ob ich gnugsam bin / dir deine Last tragen zuhelffen / damit mirs nicht gehe wie jenem stolzen Rehe / welches dem Hengste die Bürde ab- und über sich zunehmen wagen durffte /und unter solcher Last erdrücket ward. Du wilt gar zu vorsichtig spielen / antwortete Sibylla / welches allemahl eben so hoch nicht zu loben ist; versprich mir nur auff den fall der gnugsamen Düchtigkeit deinen Beystand / so wird sich das übrige algemach schicken. Du spannest die Pferde hinter den Wagen / antwortete jene; ich muß ja nicht ehe versprechen etwas zuleisten / sondern vorher mich prüfen / obs in meinem Vermögen sey oder nicht; und höre doch deines Anschlages Ungültigkeit aus einer gleichen Anfoderung: versprich mir nur / daß du mich wollest zur Königin in Parthen machen / so wird sich das übrige algemach fein schicke. Du bist eine Verdreherin meiner Reden / sagte Frl. Sibylla / und reimet sich dein Einwurff gleich als eine Bradwurst auff dein Näheküssen. Sie wolte weiter reden / aber Fr. Sophia / welche ihrem Gespräch eine zeitlang von ferne zugesehen hatte / und nicht wissen kunte / was dessen Ursach oder Inhalt wahr / trat gleich hin zu ihnen / und ward dieselbe von der GroßFürstin also angeredet: Herzen Fr. Schwester / Eure Liebe / bitte ich sehr / helffen mir den streit dieser beyden allerliebsten Fräulein glüklich beyzulegen / welcher daher entstanden ist /daß Frl. Sibylla an ihrer Frl. Schwester begehret / in Abtragung der Dankbarkeit / womit sie diesen bey den Durchll. Fürsten sich meynet verschuldet seyn /ihr möglichen Beystand zu leisten / dessen sie sich zugleich erbeut und wegert. Daran
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