Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
grundgütige GOtt verzeihe euch ja diese schwere Gotteslästerung / weil sie verhoffentlich nicht aus Boßheit / sondern blosser Unwissenheit entspringet; Aber was muß doch vor ein abgeseimeter Bube seyn / der solche Abscheuhligkeiten von den unschuldigen Christen aussprengen darff / da keine heiligere noch keuschere Gesetzte / als eben der Christen / können gefunden werden / nachdem dieselben nicht allein äusserliche Unreinigkeit sondern auch die innerliche unzimliche Gedanken und Bewägungen vor Sünde halten / und davon abmahnen. Baldrich antwortete hierauf: Wird mein erzähletes von den Christen mit Unwarheit ausgegeben / so müssen alle unsere Pfaffen die gottlosesten Schelmen unter der Sonne seyn; dann ein solches bilden sie täglich grossen und kleinen / hohen und nidrigen ein / und erwecken dadurch einen solchen unversöhnlichen Haß in aller Menschen Herzen / daß wann einziger sich in meinem Vaterlande solte finden lassen / der sich vor einen Christen angäbe / oder nur ihren Glauben / wañ dessen gedacht wird / ungeschändet liesse / würde er ohn einige Gnade unsern Göttern / als das angenehmeste Opffer abgeschlachtet. So gebet ihr nun / Durchl. Fürst / selber zuverstehen /sagte sie / was grosse Gefahr Euer Liebe auff meiner Heiraht stehen würde / und er daher meiner auffrichtigen Träue sich wol versichern kan / weil ich ihn von diesem Vorsatze so herzlich abrahte / massen eine lautere Unmögligkeit ist / daß umb seinet / oder einiges Menschen willen / wer der immer seyn mag / ich meinen Glauben verlassen / und einem andern zugefallen zum Teuffel fahren wolte / sondern vielmehr willig und bereit bin / umb meines Gottes willen mein zeitliches Leben herzlich gerne einzubüssen / wans von mir solte gefodert werden / worzu auch ein jeder rechtschaffener Christ sich gefasset hält und halte muß; Und ob zwar zwischen Heyden und Christen die Heiraht zugelassen ist / wie dann Euer Liebe ich vertraulich offenbahre / daß die Frau Stathalterin meine Fr. Wase / den Christliche Glauben mit ihres Gemahls Zulassung stets bekennet hat / so habe ich doch in meinem Herzen es meinem Gott äidlich angelobet /daß nimmermehr kein UnChrist mein Bräutigam oder Gemahls seyn sol; Wolle demnach mein Fürst und Ritter erkennen und erwägen / daß unsere Ehe durch seine gar zu grosse Gefahr und durch meine lautere Unmögligkeit gehindert wird / massen ich gar nicht zweifele / er werde dieses bey ihm gelten lassen / daß ich schuldig bin / mehr meinen Gott / als einigen Menschen zulieben. Ach mein außerwähltes Fräulein /antwortete er / ich bitte sie durch ihren Gott / dem sie so fest anhanget / sie wolle ihre Liebe mir nicht so gar vor der Faust abschlagen / und mir diese Frage beantworten; daß wann ich ihrem Gott mich auch ergeben /und denselben unter die meinen auffnehmen würde /ob dann nicht die Unmögligkeit an ihrer seiten zerginge. Nein / Durchl. Fürst / antwortete sie; eine solche Beschaffenheit hat es gar nicht mit unserm Glauben /daß man zugleich unsern Gott / welcher der einige wahre Gott ist / bekennen / und nebest demselben andere Götter / die alle übern hauffen falsch und ertichtet sind / verehren könte; sondern der allererste Grund unser Christlicher Lehre ist dieser / daß wir allein allein unsern einige wahren GOtt / als einen Gott fürchten / lieben / ehren / und alle andere falsche / betriegliche / ohmächtige und nichtige Götter verachten /verwerffen / und aus unserm Herzen verbannen müssen; und weil wir krafft unser Lehre / und bey Verlust der ewigen Seligkeit / nicht anders können / so ist diß die vornehmste Ursach / daß die Heyden uns so hart verfolgen / und mit grossen Hauffen tödten. Es ist ein hartes / sagte Baldrich / daß in diesem stük euer Gott von euch erfodert. Ach nein / sagte das Fräulein lächelnd / es ist nichts als die höchste Billigkeit; dann sehet / mein Fürst / wann jemand von euch erfodern wolte / ihr soltet nicht allein die Tapfferkeit / sondern auch die Furchtsamkeit; nicht allein die Gerechtigkeit / sondern auch die Ungerchtigkeit; nicht allein die Keuscheit / sondern auch die Unzucht und Ehebruch; nicht allein die Warheit / sondern auch die Lügen vor herliche Tugenden und vor gut halten; woltet ihr ihm auch folge leisten? So währe ich nicht wert / daß mich der Erdbodem trüge / antwortete er / wañ ich nicht lieber tausend Tödte über mich nähme / als dieses einwilligte. Und so müste ich / sagte das Fräulein / lieber tausendmahl tausend Töde über mich
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