Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
genennet / weil sie den Sohn von Ewigkeit her aus ihrem göttlichen Wesen gezeuget hat; und weil die andere also ohn Anfang und ohn Ende gezeuget wird / heisset sie der Sohn. Der Heilige Geist aber / die dritte Person / hat den Namen daher / daß sie von alle Ewigkeit her vom Vater und Sohn als ein ausgeblasener Geist / wesentlich ausgehet. Und ob eure Vernunft hieselbst viel nachsuchens machen wolte / was vor eigentliche Beschaffenheit es hiemit håtte / so wehret ihr ja / und heisset sie ruhen / weil solches nicht allein alles vergeblich / sondern auch wider Gottes Willen ist / welcher dieses von uns nur schlechter dinge wil gegläubet haben. Nach Fest-legung dieses ersten Hauptgrundes der Christlichen Lehre / erzählete sie vor dißmahl nur Inhaltsweise /was gestalt Gott der Sohn sich des zur Hellen-Straffe verurteileten menschlichen Geschlechtes aus sonderlicher Barmherzigkeit und Liebe angenommen / in der fülle der Zeit Mensch worden / und durch seine gnugtuhung / Leiden und Sterben vor unsere Sünde gebüsset / wodurch er den Zorn Gottes und die hellischen Straffen von uns abgewendet / und die Seligkeit uns wieder verdienet und zuwegen bracht / welche uns auch dermahleins nach diesem Leben wirklich würde zugelegt werde / wañ wir mit festem Glauben uns auff solches Verdienst unsers Heylandes verlassen / uns von aller Boßheit enthalten / und die Werke der Christlichen Liebe und wahren Gottseligkeit nach Erheischung der Heiligen zehn Gebohten ernstlich fortsetzen. Nachgehends sagte sie ihnen den algemeinen Christlichen Glauben vor / und erklärete ihnen denselben nach allen nöhtigen Umständen gar einfältig /welches alles sie anderthalb Stunde lang in höchster Andacht anhörete / und sich über der holdseligen Rede verwunderten / die aus ihrem Munde ging / dann sie wahr als verzukt anzusehen / die Augen stunden ihr gen Himmel / und erschien eine solche Freudigkeit in ihrem Angesichte / als währe sie ein Engel Gottes gewesen. Auff ihre geendigte Reden aber fing Baldrich also an: Hocherleuchtete und in göttlicher Weißheit wolerfahrne Groß Fürstin; billich halte ich diesen Tag vor meinen Geburts Tag / an dem mir so über hohe Gnade und Barmherzigkeit wiederfahren ist /daß davor dem gütigen Gott und Euer Liebe ich nimmermehr gnug danken kan. Mein Herz ist durch ihre Unterrichtung erleuchtet / meine Seele getröstet / mein Muht gestärket / mein Geist wider die Teuflischen Gespenster / die mich gestern verunruheten / gewapnet / und mein Wille unterwiesen / daß er nunmehr tugendhafft und gottselig fahren kan / weil mir der Verstand geöffnet ist / und ich / Gott Lob / nunmehr weiß / woran ich mich in Anfechtung halten / und wohin ich in meinem anliegen mich wenden sol; unmöglich aber ist mirs / meine iñigliche Vergnügung auszusprechen. Die Teufelin Freia / der Teufel Krodo und Irmen Seul / und wie sie sonst Nahmen haben mögen / sollen mich durch Gottes gnade nicht mehr schrecken /weil ich den wahren ewigen und einigen Gott / ihm sey Lob / erkenne und im Herzen habe; derselbe Gott / der mich erschaffen und erlöset hat / wolle seine gnade in mir vermehren / daß ich ohn wanken mich an ihm steifhalte / und durch keine Wiederwertigkeit von ihm getrennet werde. Siegward gab gleichmässige Erklärung von sich / welches die Groß Fürstin mit sonderlicher Freude vernam / sie zur Dankbarkeit gegen Gott vermahnete / und mit ihnen niderkniend folgendes Gebeht sprach: O du grundgütiger Gott / wir danken dir von herzen / daß du uns nach deiner väterlichen Güte aus dem verdamlichen Unglauben hervor gerissen / und zur heilsamen Erkäntniß deines lieben Sohns / auch zur Erbschafft des ewigen Lebens gebracht hast; Wir bitten dich herzlich / erhalte uns in solcher Gnade / stärke unser neuen annoch schwachen Glauben / vermehre in uns die Hoffnung und Liebe /und setze uns fest in Christlichen guten Werken und heiligem Wandel / daß wir dir O Gott gefallen / und nach dieser Sterbligkeit mit dir ewig leben mögen /Amen.
Hierauff behtete sie mit ihnen abermahl den Christlichen Glauben und das Vater Unser so offt / biß sie es ohn Anstoß nachsagen kunten / erklärete es auch gar einfältig / und erinnerte sie / daß sie etliche Tage aneinander früh morgens sich bey ihr einstellen / und den nöhtige Unterricht so offt mit ihr wiederhohlen solten / biß sie denselben zur gnüge würden gefasset haben. Solte sich aber / sagte sie / der Teuffel noch weiters wollen gelüsten lassen / euch bey Nachtzeiten (wie er dann
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