Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
geduldig seyn; aber wie habt ihrs doch mit mir im Sinne? ruhe ich durch Ohmacht (dann anders weiß ich nicht zu ruhen) so rüttelt /schüttelt und begiesset ihr mich so lange / daß ich wieder unruhig werden muß / und also sol ich wider mein Vermögen / und eure Bemühung ruhig seyn; so gönnet mir nun die Ruhe / die meinem elenden Zustande gleichmässig ist / so lasset mich (in der Unruhe / welche ich weder einzwingen noch verjagen kan) wolte sie sagen / aber Ladisla mit seiner Geselschafft trat gleich zur Saal Tühre hinein / gegen welche Fr. Sophia gerade uber saß / daß sie seiner alsbald gewahr wurde / und mit lauter Stimme rief: O mein Ladisla komt daher! fiel auch vor grosser Freude auff den Tisch mit dem Häupt / und blieb unbewäglich liegen. Die andern stunden alle auff / da Fr. Ursul ihrem Fabius / die Stathalter in ihrem SchwiegerSohn umb den Hals fiel / das Fräulein aber zu Frau Sophien nahete / und ihr einen grossen Becher vol kühles Weins in den Busem schüttete. Ladisla lieff zu ihr hin / und fragete die Anwesenden / warumb sein Gemahl über seiner Ankunft sich dergestalt bewägete / daß ihr alle lebendige Geister entgingen; sie aber erhohlete sich bald / umfing ihn mit beyden Armen / und sagte: O mein trauten Schatz / haben euch die Götter mir vor dißmahl noch wieder gönnen wollen? O ich erkenne meinen grossen Fehler / welche ich begangen / indem ich umb ein Haar durch die Wunde meiner Kehle euch nidergestoche hätte. Ladisla verstund diese Rede nicht / biß Fr. Ursul ihn des ergangenen berichtete / uñ das Frl. Sibylla ihr das Leben erhalten / aber auch darüber eine zimliche Wunde bekomen håtte. Ladisla hatte biß daher seinem liebe Gemahl noch nie hart zugeredet / aber dißmal kunte er sich nicht enthalten / jhr einen zimlichen Filz zu lesen; es stünde trauen zumahl verwågen / daß ein vernünftiger Mensch wegen zufallenden Unglüks jhm selber gewaltsame Hand anzulegen fertig währe / gestaltsam dieses einen frechen Mutwillen wieder die Götter und ihre Versehung anzeigete; dann niemand könte dieses anders auslegen /als suchete man hiedurch / an den Göttern Rache zu üben / uñ wo möglich / sie selbst zuermorden / weil es aus blosser Wiederspenstigkeit gegen jhre Verhängnis vorgenommen würde. Sie hingegen sahe jhn mit etwas Schamhaftigkeit an / mehr willens / ihre untertähnigkeit blicken zu lassen / als weitläuftige Entschuldigung einzuführen; bekennete demnach / daß sie gesündiget / und jhren heftigen Bewägungen die Herschaft über die Vernunfft gegönnet hätte; weil es aber aus Liebe gegen jhn geschehe währe / hoffete sie desto leichtere Verzeihung; welche er jhr aber so leicht zu geben nicht willens wahr / damit sie auff einandermahl von dergleichen vornehmen abgeschrecket würde / daher antwortete er ihr: Ob sie dieses so schlecht von der Hand schlagen könte? Sie möchte nur bedenken / was vor eine Wunde sie zumachen vorgehabt / wodurch jhre und seine / vielleicht auch wol jhrer lieben Eltern Seele zugleich ausgangen wäre; er vor sein Häupt hielte es nicht vor eine Liebeswirkung / sondern vor eine verzweifelte Raserey /welches jhre Seele dermassen unwert und abscheuhlich würde gemacht haben / daß die seine in jener Welt sich nimmer zu ihr genahet hätte. Das verliebete Herz empfand diese Züchtigung fast todes masse; gefiel aber den Eltern sehr wol / insonderheit /daß / wie sie sich zu jhm nahete / ihn zu ümfangen /er sich dessen ausdrüklich wegerte / dafern sie jhm nicht an äidesstat versprechen würde / solcher unmenschlichen Gedanken forthin allerdinge müssig zugehen / ob gleich sein ertödteter Leib vor jhren Füssen läge; dann / sagte er / ich bin kein Gott / daß ihr euch mir zum Opfer darstellen woltet; über das seyd jhr mir Tråue und Beywohnung schuldig (wie ich euch im gleichen); aber im Tode sollet ihr mir trauen keine Geselschafft leisten / biß so lange es den Göttern gefält; Und möget ihr wol den Göttern und dieser eurer heutigen Schuz Göttin (auf Frl. Sibyllen zeigend) danken / die ein so grobes Laster uñ unverantwortliche übeltaht von euch abgekehret habe. Ists nicht überal leichtsinnig / fuhr er fort / daß man auff ein blosses Geschrey / da kaum ichtwas nichtigers in der Welt seyn kan / man ihm selbst den Todesweg mit dem Messer öfnen wil? In der warheit / wann euch dieser Sinn währe vor dem Kopf geschrieben gewesen / würde es kräftig genug gewesen seyn / mich von eurer Liebe abzuschrecken; dañ / könte mannicher gedenken /
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