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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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wessen solte ein solches erzürnetes Weibsbilde verschonen / die mit ihr selber kein Mitleiden träget? Er wolte weiter fortfahren / sahe aber / daß sie mit thrähnenden Augen sich zum Fußfalle zubereitete / daher er ihr aus einem gelinderen Fasse einschenkete / und nachdem er sie bey der Hand gefasset hatte / zu ihr sagete: Nun ich trage dieses Vertrauen zu euch /ihr werdet meinem Begehren nach / mir eine äidmässige Verheissung tuhn / daß zeit eures Lebens ihr dessen euch nit mehr unternehme wollet / aber wo ich lebe / sollet ihr meiner Frl. Schwester gestochene Handwunde schwer gnug büssen. Sie kam hieselbst erst recht zur Erkäntnis ihres groben Irtuhms / gelobete träulich an sich solcher Untaht hernähst allerdinge zuenthalten / und empfing darauff völlige Vergebung; nach welchem Vergleich er zu dem Fräulein trat / küssete sie freundlich / und baht seines Gemahls wegen ümb Verzeihung / neben dem Versprechen / er wolte es dereins auff ihrem Beilager dergestalt zuerkennen wissen / daß seine Dankbarkeit daher solte gespüret werden. Fr. Sophia selbst fiel ihr üm den Halß / herzete und küssete sie / und schwuhr / diese ihre grosse und überschwesterliche Träue nun und nimmermehr aus jhrem Gedåchtnis kommen zulassen. Inzwischen fragete der Stathalter seinen Sohn / ob nicht Herr Kornelius auff sie gestossen währe; und vernam / daß sie denselben nicht angetroffen / weil sie nicht die Heerstrasse / sondern einen richtigern Nebenweg genommen hätten. Ich danke den Göttern / sagte der Vater weiter / daß eure Niderlage bloß ertichtet ist; aber wer mag doch lust haben / dergleichen schändliche Lügen auszusprengen? Ladisla antwortete; seines Erachtens wåhre es ein Irtuhm / und rührete daher / daß seine Frl. Schwester in Gestalt und Kleidung eines Jünglinges sich håtte lassen gefangen nehmen / welchen etliche vor Herkules möchten gehalten haben. Erst ward Fr. Sophia durch Frl. Helenen anzeige / der fremden Jungfer gewahr / und fragete Ladisla / wer sie währe. Er gab zur Antwort; Sie währe hohes Adels aus seinem Königreiche / und die Vornehmste des Frauenzimmers seiner Frl. Schwester / welche sie vorgestriges Tages aus etlicher Räuber Händen erlöset hätten. Darauff trat sie zu ihr hin / ümbfing sie freundlich /und hieß sie sehr wilkommen seyn / baht auch üm Verzeihung / daß man sie so lange unangeredet stehen lassen; dessen die ergangene Verwirrung Ursach währe. Diese bedankete sich untertåhnigst / wiewol mit etwas anderen Geberden und Leibesneigungen /als in Italien bräuchlich wahr / schätzete sich unfähig der hohen Ehre / die ihr einer unwirdigen angetahn wurde / sintemahl sie sich bloß vor ihrer Gn. Dienerin erkeñen müste; möchte aber von Herzen wünschen /daß ihr gnädigstes Frl. selber glüklich ankommen /und ihre geliebte Fr. Schwester und Schwägerin küssen und ümfangen mögen; baht hierauff / ümb Verzeihung ihrer ungeschikten Rede / weil sie die lateinische Sprache zureden ungeübet währe / und ihr weniges durch Unterrichtung ihrer gnädigsten Fräulein gefasset hätte. Fr. Sophia bezeugete mit ihren Tränen / wie herzlich leid ihr der Fräulein Verlust währe / hoffete doch zu den Göttern / sie würden sich ihrer gnädig annehmen / und sie vor Lebens- und ehren-Gefahr beschützen. Die Bömischen Gesanten wahren nicht allein wegen der Fräulein Verlust sehr betrubet / sondern weil ihnen auch die Zeitung von ihres Königes Tode zu Ohren kommen wahr / hielten sie sich nicht anderst als verzweiffelte Leute / und hatten sich kurz vor Ladisla Ankunfft ungessen und ungetrunken zur Ruhe gelegt. Der Stathalter aber lies ihnen andeuten /sie möchten ihren grossen Kummer mässigen / nach dem ihr König gesund und ohn alle zugestossene Gefahr wieder angelanget währe; Worauff Bugesla sagete: Ey Gott lob / so sind wir ja noch nicht gar zu Wäysen worden / weil unser König noch im Lebe ist. Die Verwirrung und Freude der Geselschafft war so groß / daß sie nach Herkules zufragen eine gute Zeit vergassen / biß Sibylla ahnete / wo sie ihn gelassen hätten; Und Fabius darauff anzeigete / er währe auff gut Glük mit einem gefangenen Räuber Häuptmann als ein neugeworbener Räuber Bursche von ihnen geschieden / das verlohrne Fräulein außzukundschaffen /und nachdem er vernommen / daß sie schon in ander Räuber Händen / und nach dem Meere auff ein Schiff gebracht währe / hätte er sich mit dem Räuber Häuptmann auch zu Schiffe gesetzet / ihr zu folgen. Alle Anwesende hatten

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