Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
Herkules Liebe gegen das Fräulein aus seinen damahligen Geberden zur Gnüge verspüret / ob sie gleich dessen sich nicht merken liessen. Und als der Stathalter hörete / daß er allein der geraubeten nachgezogen währe / sagete er: es gibt dieser Held gnugsam an den Tag / wie hoch er dieses Fräulein schätze; und weil er in allen stücken so gar volkommen ist / auch nichts unvolkommenes hoch achtet /muß ausser zweiffel dieselbe über viel andere mit treflichen Gaben des günstigen Himmels gezieret seyn. Libussa / aus getrieb übermässiger Liebe gegen ihr Fräulein / kunte nicht umbhin / derselben Ruhm zusprechen / und gab dem Stathalter diese Antwort: Ja Gnädiger Herr; mein gnädigstes Königliches Fräulein / Frl. Valißka / mag ich wol mit höchstem Fuge die treflichste Zucht der Welt nennen / welchen Ehren-Nahmen ihr kein bekanter Mensch mißgönnen wird; dann ihre Tugend / Verstand und Schönheit übersteiget die gemeine Art sehr hoch; ihre Fertigkeit im schiessen hat noch keiner übertroffen; ihr Herz ist so gar ohn Furcht / daß sie lieber stürbe / als dessen einiges Zeichen blicken liesse / da sie doch vor weniger Zeit das funffzehnde Jahr erst hinter sich geleget hat. Mein Herr Fabius wird zeugen / daß sie sieben streitbahre Räuber / teils mit Pfeilen / teils mit dem Schwert erleget hat / uñ jhren ganzen Hauffen getrotzet / als ob sie jhre Gebieterin währe. Mein gnädigster König weiß selber / das Verhalten ihrer kindlichen Jugend / welches nicht kindisch wahr / da sie einen grimmigen Ochsen mit ihrem Brotmesserchen bestanden uñ ertödtet hat; wil aniezt geschweigen / was vor unaussprechliche Gefahr sie neulicher Zeit nach der Herrn Gesanten Abzug ausgestande / und sich aus den Händen vieler Räuber nicht ohn grosses Blutvergiessen und erschrekliche Wassersgefahr loßgearbeitet hat. Das Vornehmste aber / welches alle so sie kennen / am höchsten an ihr lieben und loben /ist jhre überaus demühtige Freundligkeit und keusche Zucht / wodurch sie aller Menschen Herz dermassen an sich zeuhet / daß jederman ihr biß in den Tod muß gewogen seyn; daher auch der Durchl. Fürst Herr Herkules / als ein nähester Blutfreund bewogen ist /sie bruderlich zulieben / wiewol ihre Kundschaft sehr geringe / sie auch in langer Zeit eines von dem andern nichts gewust noch erfahren haben. Allen Anwesenden kamen die lezten Worte fremde vor. Der junge Fabius antwortete darauff: Ich hoffe zu den Göttern /das Glük der Kundschafft dieser Konigl. Fråulein zuerlangen / die ohn allen zweifel ganz unvergleichlich seyn muß; und ist mir schon dieses Glük zugestossen / daß ich ein gedoppeltes Gedechtnis von ihr habe. Zohe damit seinen Anteil Haar hervor / wickelte sie von ander / und im hinreichen sagte er zu seiner Schwester; sihe da / diß allerschönste Haar / desgleichen ich nie gesehen / ist auff dieser Fråulein Häupte gewachsen / welches sie ihr selber abgeschnitten /damit sie vor ein Mannesbilde moge angesehen werden; und ist dieses kaum der vierde Teil. Ladisla gab ihr seines darzu / welches sie alle mit Verwunderung besahen / Fr. Sophia es auch küssete / und diesen Wunsch hinzu taht; O ihr Götter / seyd gnädig diesem euren treflichen Geschöpf / und gönnet mir diese Vergnügung / daß ich meine höchstwirdige Frl. Schwester ehist ümfahen / und an ihrer lieben Gegenwart mich ergetzen möge. Sie sassen fast biß an den Morgen beyeinander / liessen ihnen kalte Kuche auftragen / und legten sich darauff zur Ruhe / da Frl. Sibylla Jungfer Libussen zur Schlaffgesellin wählete / welche solches gerne bewilligte. Des folgenden Tages lies der Stathalter die Urtel wider den räuberischen Wirt ergehen / daß er erstlich mit Ruhten solte gestrichen / hernach ans Kreuz gehenket werden; doch ehe solches volzogen ward / trat der alte Fabius mit seinem Schwieger Sohn und Sohn zusammen / umb zubetrachten / wie man in der Fräulein Nachsuchung Herkules am besten beyspringen könte. Ladisla war willens / eine zimliche Schifffart auszurüsten; aber der Stathalter gab sein bedenken / es währe sehr gut /wann man Nachricht haben könte / an was ort uñ enden sie zusuchen währe / dann biß dahin würde alles vergeblich seyn / wie fleissig man auch das Meer durchstriche; zugeschweigen / daß die Räuber nicht seumen würden / sie in Sicherheit zubringen; wüste man nun / sagte er / aus was Landschafft sie währen /als dann hätte man vorerst sich zuerklären / was vor Hafen zubesuchen seyn würden. Ladisla antwortete: Ja wann
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