Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
Bericht einzunehmen.
Die Böhmischen Gesanten / als sie desselben Morgens mit ihrem Könige viel und mannicherley geredet hatten / hielten untertähnigst umb Abfertigung an /mit Bitte / ihre Gn. gegen ihre Fr. Mutter sich schrifftlich erklären möchte / wie es mit des Reichs Beherschung ferner solte gehalten werden. Ladisla willigte in ihren Abzug / und berichtete die Königin im Briefe auffs glimpflichste / wz gestalt seine Frl. Schwester durch etliche Räuber entführet währe / denen aber Herkules schon gefolget / sie zu retten; und daß solches um so viel gewisser geschehen möchte / währe er willens / mit einer ansehnlichen Manschafft auch fortzugehen / weil sie gewisse Kundschafft hätten / daß sie nicht allein annoch im Lebe / sond'n auch als ein verstelleter Jüngling ausser Gefahr ihrer Ehren währe. Endlich meldete er / daß bey Zeigern Ihren Gesanten er 600000 Kronen überschickete / wovon 400000 Kronen denen / welche aus gutem Herzen die zu seiner Reise verordneten Gelder zusamen geschossen /solten ausgeteilet werden / so daß ein jeder den vierden Pfennig überschuß zugeniessen hätte; dz übrige würde sie zur Besserung der Festungen anzuwenden wissen. Ehe er den Brieff endigte / gaben die Gesanten sich bey ihm an / und brachten vor / was gestalt vor weniger Zeit der junge Königliche Großfürst der Franken und Sikambern in Gallie / umb Frl. Valisken Heyraht sehr inständige Anwerbung getahn / worin sie aber durchaus nicht einwilligen / noch einige Geschenke von dem Gesanten annehmen wollen / alles unter dem Vorschutz / sie håtte ihrem Herr Bruder äidliche Verheissung getahn / ohn sein Vorwissen und ausdrükliche Bewilligung sich weder zuverheyrahten noch zuverloben / dz demnach der Gesanter mit solcher Antwort hätte müssen abzihe / welcher ohn zweiffel sich bald wieder einstellen würde / umb bessere Erklärung zu hohlen. Ladisla verwunderte sich über dieser Erzählung / und weil das Fräulein solche Verheissung nicht getahn / er sie auch von ihr nie begehret hatte / muhtmassete er daher gänzlich / sie würde mit Herkules in heimlicher Liebe stehen / und sich zu ihm versehen / daß er sie demselben am liebsten göñete; sagete demnach zu den Gesanten: Meine Frl. Schwester hat löblich gehandelt / daß sie ihres mir teurgeleisteten åides eingedenk gewesen / und solcher Heyraht sich noch zur Zeit entbroche hat; solte nun deswegen in ihrer Abwesenheit weitere Anwerbung erfolgen / müste er mit lauter zweifelhafftiger Antwort abgespeiset werden / biß auff seine und der Fräulein Gegenwart zu Prage / massen er gleicher gestalt seiner Frl. Schwester beteurlich verheissen hätte / sie an niemand wider ihren Willen zuverheyrahten. Und daß solches nicht aus der acht gelassen würde /taht er dessen in seinem Briefe an die Königin / Erwähnung. Wahr sonst aus hofnung künfftiger Heyraht zwischen ihr und Herkules so vergnüget / daß er aller Traurigkeit vergaß. Nach Schliessung des Schreibens führete er die Gesanten mit sich zu Tische / uñ da sie im EsseSaal versamlet wahren / sahe Libussa ihrer Fråulein annoch verschlossene Wetscher stehen / und fragete / ob sie nicht währen besichtiget worden. Fr. Sophia antwortete / sie währen zeit wehrender angst wegen der Fräulein Verlust herauff getragen / und hätte sider dem kein Mensch weiter dran gedacht / wie sich dann ohn das nicht gebührete / anderer Leute verschlossene Sachen zuöffnen. Ladisla hieß sie auff Libussen anhalten auffmachen / auch das Seiden Gewand / welches den Räubern wieder abgenommen wahr / herbey bringen / und sunden sie allerhand köstliche Kleinot / damit er beydes sich und sein Gemahl ausschmücken solte. Die güldene und silberne Tücher zur Kleidung wahren gar fremder Art / mit allerhand schönen Blumwerk / auch Bildern mancherley Tihren durchwirket / welches alles er seiner Liebsten mit betrübtem Herzen einreichete / wünschend / dz solches alles nebest den in der Räuber Höhle gefundenen Schätzen in Abgrund des Meers möchte versenket /und hingegen nur das Fräulein gerettet seyn. Fr. Sophia nam es mit weinenden Augen an / und sagete: Ach wer weiß / in was wilder Fluht das allerliebste Herzchen jetzo unter den SeeRäubern daher fähret? Sie fehlete auch hieran gar nicht; dann so bald die Räuber mit ihr zu Schiffe gangen wahren / seumeten sie sich nicht / sondern gebraucheten sich des guten Windes / und segelten Tag und Nacht auff dem Adriatischen Meer Sudost werz / strichen an Griechenland her / und legten
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