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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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solches wolgefallen / und hoffete / es solte zu seiner Erlösung guten Vorschub tuhn; massen er gnugsam spürete /daß allein durch seine anordnung ihnen so viel gutes wiederfuhr. Als sie / wie obgemeldet / bey Kreta anlangeten / uñ er merkete / daß sie daselbst außsteigen würden / baht er Alexander umb Urlaub / mit an Land zutreten: er währe des Meeres ganz ungewohnet und befünde sich nicht allerdings wolauff; doch solte er nicht argwohnen / als suchete er Gelegenheit zur Flucht; dañ er wolte sich äidlich verbinden / nicht von ihnen zuweichen noch einige Ungelegenheit zuerwecken / sondern sich etwa ein Stündichen unter dem Schatten jener lustigen Bäume zuerquicken. Alexander wolte ihm solches nicht abschlagen / und warb es bey seiner Geselschafft auffs beste; welche es aber nicht vor rahtsam hielten / angesehen es sich leicht begeben möchte / daß einer seiner bekanten ihnen auffstiesse / worüber sie umb Gut und Leben kommen dürfften. Dieser antwortete; es wåhre diese Furcht vergeblich / massen die Gefangene dieses Orts ganz unbekant / und aus weit abgelegenen Westnordischen Ländern währen; würden auch nur unter den nåheste Bäumen sich ein wenig aufhalte / da man ihnen gnugsame Huht uñ Wache zu geben könte; man muste ihnen ein wenig Willen und Freyheit gönnen / und ihre zarten Leiber betrachten; wie leicht könte es geschehen / daß ihnen wegen Unmuhts und des Meers Ungewohnheit / einige Krankheiten / ja der Tod selber zustiesse; was ihnen alsdañ mit den todten Leichnamben würde gedienet seyn; hielte demnach vor rahtsam / ihnen dieses begehren einzuwilligen. Hiemit bewägete er sie / daß sie endlich zu frieden wahren /und sie mit sich auffs Land führeten; gaben ihnen doch zehn Hüter zu / und liessen sie an der Heerstrasse eine halbe Welsche Meile vom Meer / unter etlichen Nußbäumen ihre Ruhe halten. Herkuliskus sahe der Båume einen am Wege stehen / so noch jung wahr / ging hinzu / und schnitte mit einem kleinen Messer folgende Lateinische Worte mit Böhmischer Schrifft gar zierlich hinein: Valisca, nunc Herculiscus, in Parthiam ducta. Das ist: Valiska / iezt Herkuliskus genennet / ist nach Parthen geführet. Und ob man gleich diese Buchstaben nicht lesen kunte / zweiffelte sie doch nicht / daß sie in wenig Tagen sich öffnen und gnug außwachsen würden. Weil er nun mit Jungfer Brelen allein / und von den Hütern zimlich abgesondert wahr / daß sie ihr Gespräch nicht vernehmen kunten / welches sie ohn daß nit würden verstanden haben / wolte er diese Gelegenheit nicht lassen vorbey gehen / und sagete zu ihr: Herzliebes Kind / ich sehe aus Alexanders beginnen / daß er eine sonderliche Liebe zu euch träget / welches auch die einige Ursach ist / daß man uns so schön tuht; so haltet euch nun nicht unfreundlich oder störrisch gegen ihn / damit uns nicht ärgers wiederfahre. Er hat mir seinen Stand zuwissen gemacht / und ist von gutem Adel; dafern nun seine Liebe gegen euch auff Ehre und Treue gegründer wåhre / wie ich nicht zweiffele / und ihr mit ihm köntet friedlich seyn / würde solches zu unserm besten erspriessen. Ihr habt vernommen / wie man willens ist / uns dem Parther Könige zuzuführen /welches trauen auff Ehre nicht kan angesehen seyn; dann die groben Morgenvölker sind vor anderen der Unkeuscheit ergeben; offenbahret mir derwegen euer Herz und Willen / daß ich wisse / wie ich auff allen Fal mich gegen Alexander zu verhalten habe. Brela wahr eines vornehmen Bömischen Herren Tochter /wiewol Elterlos / und von Jugend auff im Königlichen Frauenzimmer erzogen / hatte nunmehr das XIIXde Jahr erreichet / und wahr eine sitsame schöne Jungfer. Als sie das Fräulein also reden hörete / lachete sie anfangs darüber / und zeigete an; allem muhtmassen nach würden ihre Gn. sich in diesen Gedanken irren /und fürchtete sie gar sehr / Alexander hätte ihre Verstellung etwa gemerket / und in sie selbst sich verliebet / welches daher zuschliessen / daß er sich ungleich mehr ihrer Gn. als ihrer geringfügigkeit nahete. Herkuliskus bedachte sich hierauff ein wenig / uñ bald sagete er zu ihr; Nein mein Kind / du bist ganz unrecht dran / und erinnere ich mich anjezt etlicher Reden / so ich von ihm gehöret / und daraus versichert bin / daß er sein ganzes Absehen allein auff dich hat. Die Jungfer solches hörend / fing an inniglich zu weinen / und gab zur Antwort: Solte diesem also seyn / wolte ich wünschen / ich währe entweder von den ersten Räubern im Flecke / oder von den

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