Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
andern im Walde erschlagen / oder würde noch von ihnen ins Meer gestürzet. Herkuliskus antwortete: O du meine liebe und geträue Brela / du sihest ja / daß weinen und wünschen uns zu nichts helffen kan / sonst wolte ich auch noch wol Trähnen und Worte finden; sondern weil Gott uns in diese Noht hat fallen lassen / müssen wirs gedultig ertragen / und unsern Wiz gebrauchen /insonderheit unsern Willen zwingen / und annehme /was uns werden kan / wann wir nit haben mögen /was wir begehren; ich vor mein Häupt sehe trauen nicht / was an Alexandern zu tadeln währe / ohn daß ihn Unglük zum Seeräuber gemacht hat. Ach mein Fräulein / antwortete sie / ich bitte / mir gn. zuverzeihen / daß derselben ich meine Heimligkeit offenbahre; Es weiß ihre Gn. daß Ritter Neda / Herr Krokus Sohn sich eine zeitlang zu Prag am Königlichen Hofe /wider seine Gewohnheit hat finden lassen; mit demselben bin ich in vertrauliche Freundschafft gerahten /weil ich mich seiner strängen Anläuffe länger nicht erwehren mögen / und endlich / da meine Verwanten und seine Eltern es bewilligen würden / ich ihm eheliche Träue versprochen habe / welche ich nicht werde brechen können. Du hast recht getahn / antwortete sie / dz du dieses geträue Liebhabers Neigung hast erkennet / und ersetzen wollen / uñ bin ich selbst mit dieser Heyraht schon etliche Zeit umgangen; wann es dir nun frey stehet / ihm das verheissene zu halten / tuhstu recht und wol; aber / so viel ich merke / gedenkestu /du sitzest zu Prag in meinem Zimmer; weist du nicht /daß wir gefangene Leute sind? weistu nicht / wohin man uns führet? wird auch der Parther König nach Böhmen senden / und dir deinen Ritter Neda hohlen lassen? oder wird Neda mit zehnmahl hundert tausend Mann kommen / dich abzuhohlen? O nein / dieses ist vor dißmahl die Frage nicht / ob du lieber Ritter Neda als Alexander heyrahten wollest; sondern / ob du / da es dir so gut werden kan / lieber eines Griechischen reiche ådelmans eheliches Weib seyn / und mit ihm in Böhmen / oder wo es dir geliebet / ein freyes Leben führen; oder aber des Königes der Parthen Kebsweib /und da er deiner müde / der andern Magd seyn / ja auch wol gar einem unflätigen Stallbuben zum Mißbrauch dich verschenken lassen wollest. Brela antwortete: Ach ihr Götter! jezt sehe ich erst / in was unglük ich gerahten bin; und wolte Gott / dz ich unter diesem Baume mein Leben ende solte! O hätte ich doch so viel herzens / mir selbst den Tod anzutuhn! weil aber meiner schwacheit solches unmöglich ist /muß ich aus der Noht eine Tugend machen / und wil Euer Gn. alles heimstellen / nur daß ich mag Gelegenheit haben / mich in euren Diensten gebrauchen zulassen / und eure Freyheit und Erlösung zubefodern. Wolan / sagte das Fräulein / so ist uns schon mehr als halb gerahten; aber eines erinnere ich euch / dz ob wir schon allein beysammen seyn würde / ihr mit mir /auch in unser Sprache / nicht anders reden sollet / als mit einem Mannesbilde / und eures Vaters Bruder Sohne. Brela gelobete solches / und baht / daß wann Alexander sich zu ihr nahete / sie nicht weit von ihr seyn wolte / daß er nicht etwa Gewalt an sie legete /und nachgehends der Ehe vergässe. Davor lasset mich sorgen / sagete Herkuliskus; Er ist eines ehrliebenden freyen Gemühtes / und wird seine Begierden wol in den Schranke der billiche Zucht zu halten wissen. Die Seeräuber brachten zimlich lange in der Stad zu / da sie eine teil ihrer geraubete Waaren zu gelde machte /nöhtige Speisen uñ viel köstliche Weine einkauften /weil sie im Lande nit raube durften / demnach sie im verwahreten Hafen lagen. Nach verrichtung ihrer geschåfte ginge sie wied' zu Schiffe / und segelten gegen Osten nach Zypern zu / da sie auf halbe Wege eines Raub Schiffes gewahr wurden / auff welchem in die hundert wolbewehrte Griechen sich mit ihren Waffen sehen liessen. Die unsern machten sich alsbald gute Hoffnung zur Beute / stelleten sich anfangs furchtsam / als wolten sie die Flucht nehmen / die ihnen durch brechung des Steuers gehindert würde; liessen auch niemand oben auff dem Schiffe sehen / als etliche wenige in Kauffmans Kleidung. Den Griechen gefiel das starke grosse Schiff / merketen / daß es schwer geladen wahr / und eileten mit grosser Unsinnigkeit auff dasselbe zu / in meinung / es alsbald zu überwältigen / und die Beute ohn streit zuerhalten; schrihen ihnen demnach zu / sie solten sich ergeben / oder alle in das Meer gestürzet werden. Diese hingegen bahten üm Gnade
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