Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
/ wolten ihnen alles gutwillig einliefern / wann jhnen nur Leben und Freyheit übrig bleiben möchte; worffen auch ihre Anker aus / und legten das Schiff feste. Bald wahren die Griechen fertig / hefteten die Schiffe zusammen / legten das Gewehr nider / und wolten das andere besteigen; diese aber / da ihnen Zeit dauchte / drungen wolgewapnet hervor / fielen mit aller Macht in das Griechsche Schiff / und weil sie an Manschafft uñ guter Ordnung ihnen viel überlegen wahren / erhielten sie den Sieg mit leichter Mühe in kurzer Zeit / erschlugen alles was lebendig wahr / und funden so überaus grosse Schätze an ädlen Steinen / Gold / Silber / und köstlichen Kauffmans Waaren / daß sie einen ganzen Tag gnug hatten auszuladen; dann es wahren diese Griechen lange Zeit ausgewesen / und hatten in den reichen Indischen Morgenlåndern allerhand köstliche Sachen / teils durch Handelung / teils durch Raub an sich gebracht. Als das Schiff ganz ausgeleeret wahr / senketen sie es in den Grund / überschlugen den Reichtuhm / und funden / daß er etliche viel Tonnen Goldes austrug /und ihr Geiz völlig ersättiget ward; wolten demnach auff Zypern nicht fahren / daher sie sonst noch den lezten Raub zuhohlen willens wahren / sondern gingen in das Syrische Meer / und lendeten zu Tyrus an /woselbst sie ihr Schiff und Waaren zu Gelde macheten / ihren Knechten doppelten Sold zahleten / und auff Gelegenheit warteten / daß sie in Sicherheit biß an den Eufrat kommen möchten.
Der verliebete Valikules wahr / wie oberwähnet /mit Gallus zu Schiffe getreten / ümb sein verlohrnes Fräulein zusuchen / wuste doch nicht eigentlich /wohin die SeeRåuber ihren Lauff genommen hatten; nur daß er seinem Got vertrauete / welcher ihn leiten /und sein Vornehmen beglükseligen würde. Ihr Schiff ländete in unterschiedliche Hafen Griechenlandes an /aber niemand wuste ihnen von den SeeRäubern einige Nachricht zugeben. Als sie nun nicht weit von Peloponnesus schiffeten / vernam Valikules / daß sie willens wåhren vorüber zusegeln / und den Lauff gerade nach Zypern zunehme / trat zu dem Schiffherrn und fragete / ob ihm nicht gefallen könte / ihn in dem nåhesten Hafen bey Korinth auszusetzen / wovor er ihm gerecht seyn wolte. Der Schiffherr gedachte / er könte daselbst vielleicht Handelung antreffen / ließ sich bereden / und gegen Zahlung XX Kronen wahr er ihm zuwillen. Er wahr dessen froh / massen er wuste / daß die Christliche Lehre daselbst von den Bohten Gottes Paulus fest gepflanzet / und eine herliche Gemeine Gottes anzutreffen währe; stieg in dem nähesten Hafen aus / uñ begab sich mit Gallus in die Stad. Sie kehreten bey einem Wirte ein / welcher sich gar freundlich bezeigete / und ihnen allen guten Willen anboht / fragete auch fleissig nach woher sie kähmen /ob sie hieselbst bekant wåhren / und was vor Geselschafft sie mit sich gebracht håtten. Valikules trauete ihm viel / blieb des ersten Tages zu Hause / und ruhete von der Schiffart ungelegenheit aus. Des andern Morgens zohe er in des Wirts gegenwart ein Kleinot auff 1500 Kronen wert hervor / und gab es Gallus zuverkauffen / welcher bald wieder kam / und die baaren Gelder auff ihre Kammer niedersetzte. Bald vernam er ein Getümmel auff der Steige / trat der Tühr näher /und hörete den Wirt zu seinem Haußknecht sagen; biß lustig / Kallias / der Braten wird hinte statlich trüpfen / wann jhm nur das Feur recht geschüret wird; ich habe diesen Morgen gut Schmehr bey ihm gesehen / welches mir zwar entflossen ist / er aber dessen ohn zweifel mehr bey sich haben muß; erzählete hiemit /was vor ein köstlich Kleinot er heut früh aus seinen Kleidern hervor gezogen håtte. Der Knecht antwortete ihm: Herr es währe immer und ewig schade / daß ein so schöner junger Mensch solte ermordet werde. Was schade / was schade / sagte er; was haben wir von der Schönheit! Das Weib im Keller wahr auch nicht heßlich / und hat doch herhalten müssen. Biß du nur fertig; ümb Mitternacht soltu gute Beute haben / als vor nie. Gallus entsetzete sich über diesen mörderischer Anschlag / und hatte nicht lange nachzudenken / auff wen er eigentlich gerichtet wåhre / ließ sich doch nichts merken / sondern nach des Wirts abtrit machte er sich zu seinem Herrn / und vermeldete ihm / was er gehöret hatte / welcher nicht wenig erschrak / nachgehends sagete: So muß ich des gemeinen Sprichworts gültigkeit gar zeitig erfahren / daß Griechische Träue nicht weit reichet; wir wollen uns aber nichts merken
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