Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
freundlich / er wolle sich belieben lassen /unsere Uneinigkeit durch einen Vernunfft-Machtspruch beyzulegen / weil mir nicht zweifelt / er darzu gnugsam gelehret sey. Mein Herr / antwortete er; hierzu befinde ich mich nicht geschikt genug / massen ich meine Jugend in dergleichen Sachen nicht angewendet / sondern / nachdem ich das XVIde Jahr erreichet /habe ich das Pferd beschritten und die Waffen angelegt / auch darinnen schon zimliche Püffe ausgehalten; jedoch währe mirs sehr leid gewesen / daß ich die
Bücher solte unter die Bank geworffen haben / ob mir gleich viel Hinderniß vorgefallen ist / dieselbe nach willen zugebrauchen; Wann nun meine Herren leiden können / daß ich als eine Gans unter den Schwanen /oder wie ein Sperling bey den Lerchen mit schnattere oder zwitzere / wil ich / umb die Zeit zuvertreiben /ihnen gerne zu willen seyn. Drey vorgebrachte Fragen habe ich / wo mir recht ist / angehöret; Vorerst / auff was weise die Engel sich mit der Himmelskugel geberden / wann sie dieselbe umzutreiben bemühet sind; Vors ander / ob der Mensch nur eine / oder mehr Seelen habe; schließlich / worinnen des Menschen höchstes Gut in diesem Leben eigentlich bestehe. Betreffend die erste Frage / habe ich mich ehmahls berichten lassen / wie mannicherley Meynungen bey den gelehrten Himmelskündigern hievon gefunden werden. Die so dem Pythagoras und Plato folgen / bilden ihnen einen sonderlichen sehr anmuhtige Klang ein / welche die unterschiedliche HimmelsRäder oder Kreisse durch ihre Bewägung anstimmen sollen; ob ihrer einer nun diese grosse Leir jemahls habe spielen hören /stelle ich dahin / und muß derselbe wol rechtschaffen dünne Ohren gehabe haben. Andere / diesem durchaus zuwider / haben vorgeben dürffen / der Himmel und die sämtliche Sternen bleiben unbewäglich stehen / uñ lauffe hingegen die Erde mit uns geschwinde herumb /wie man etwa einen Keusel umbdrehen möchte; deren Meynung mir gar ungereimet vorkömt. Aristoteles tichtet etwas zierlicher; Er sahe daß der Himmel oder vielmehr die Sternen in gleichlauffender Bewägung bleiben / und ohn unterlaß sich ringsumb drehen; da kunte er ihm nun nicht einbilde / daß eine solche Bewägung der Himmel von ihm selbst treiben solte; stellete daher demselben eine vernünfftige Krafft neben zu / welche durch GOttes Ordnung dieses verrichten müste. Aber O wir vermässene Menschen! warumb tichten wir etwas in Sachen / die unser Vernunfft gar zu hoch und entsessen sich? warumb leugnen wir /daß der Himmel sich selbst bewägen solte / als ob dem allmächtigen Gott unmöglich währe / ihm solche Kraft uñ Art einzugiessen? Muß darumb einer stehen und wälzen den Himmel umb / weil Aristoteles nicht glåuben kan / daß Gott durch ein einziges Wortsprechen ihm solches zugebieten hat? Aber ich möchte nur gerne wissen / warumb ein ander / und nicht Gott selbst den Himmel umtreibe? fürchtet man sich etwa /es gebe zu grosse Mühe? das sind elende kindische Gedanken; Oder stehet es der Göttlichen Hocheit besser an / daß er hierzu seine Diener halte? Ey dieses ganze Rund und alles was drinnen schwebet und lebet / dienet ihm ja. So müssen wir auch von Gott nicht solche nichtige Einbildungen fassen / als schlage er Hand an / und arbeite uns Menschen gleich; Nein O nein! sondern mit einem Winke kan er alles verrichten was er wil; Und trauet mir / meine Herren / wann Gott nur språche: Himel und Erden sollen einen zierlichen Tanz mit einander halten / und das Meer darzu auffspielen / müste solches alsbald geschehen / so gar muß alles der Allmacht Gottes gehorsam seyn. Warumb sol ich dann einen Engel tichten ohn Noht / da mir weder Gott / noch die Vernunfft / noch die Sinne denselben zeigen? Alles was mir nun Aristoteles hieselbst einwirft / kan ich mit schlechter Mühe auflösen / als lange er mir denselben nicht zeigen kan / welchen er dem Himmel als einen stäten Umtreiber durch eitele Spitzfindigkeiten angebannet hat. Fraget aber einer / woher Aristoteles der hochgelehrte Mann in dieser Vernunfftfrage so gröblich geirret; gebe ich ihm zur Antwort: Seines Irtuhms Ursach ist die Unwissenheit von Gott und dessen Wirkungen. Er gedachte; gleich wie ein König in seinem Reiche die mannicherley Geschåffte durch unterschiedliche Bedieneten verrichten muß / also auch Gott dort oben im Himmel. Aber hätte er sich nur besonnen / was Gottes Allmacht heisset und vermag / würde er solche Umtreib-Geister nicht vor eine Nohtwendigkeit erachtet haben; dann Gott vor sich
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