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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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allein ist genug darzu / daß Himmel / Erde / Meer und alles in seinem Wesen /Bewägung / und Eigenschafften erhalten werde / und bedarff darzu ganz keines Gehülffen. So sage ich nun; Die Sonne / der Monde / die Sternen alle mit einander halten ihren Lauff in gewisser masse und unfehlbarem Schritte / weil es Gott also haben wil / und derselbe ihnen dieses eingepflantzet hat / gleich wie die Bäume von sich selbst müssen zu ihrer Zeit grünen / blühen /und Früchte bringen. Aber ich halte mich in dieser Frage gar zu lange auff / und berühre mit wenigen /was des Menschen Seele sey; ist sie schlecht oder dreyfach? Zwar die unterschiedlichen Wirkungen zeigen überflüssig an / daß ihre Kräffte mannicherley sind; dann eine andere Krafft ist / wodurch ich lebe und wachse; eine andere / wodurch ich fühle / sehe uñ höre; eine andere / wodurch ich verstehe / uñ von eine dinge Urtel abfassen kan. Dieses wird mir nit bald einer leugne; Ob aber dieses drey unterschiedliche Seele / od' drey unterschiedliche kråfte einer einige Seele in mir wirken / warum zanken wir darüber so eiferig? lasset uns vielmehr zusehen und fleiß anwenden / dz wir diese Kräfte recht / nemlich zu Gottes Lob uñ Ehren / auch zu unsers Näheste Besserung uñ unser selbst eigenen Erbauung gebrauchen / dann haben wir die rechte Weißheit schon ergriffen. Zwar ich kan wol leiden / daß ein und ander davon so lange katzebalget als er wil; wann er aber sich so müde geplaudert hat / daß ihm der Odem stehen bleibet / was hat er mehr davon / er wird nicht umb ein Haar besser dadurch. Die lezte Frage gefält mir noch am besten /dann deren Erkäntniß lehret mich / was Tugend oder Schande / gut oder böse / erbar oder lasterhafft ist. Nun habe ich eines jedweden Meynung vielleicht nicht recht eingenommen / und deßwegen mir keine Urtel darüber anmasse; jedoch meine Gedanken davon zu eröffnen / spreche ich / daß freilich die ehrliche Seelenwollust ein treffliches Gut sey / als welche nirgends seyn kan / wo nicht die Tugend die Herschafft führet; aber sie dünket mich mehr der Glükseligkeit Begleiterin / als die Glükseligkeit selber seyn; massen ein Tugendhaffter ihm die Wollust nicht zum Ziel stecket / sondern ein tugendhafftes Leben und Wandel / welches diese Wollust ohn das schon geben wird / als die Gott zu dem ende der Glükseligkeit zugeordnet hat / daß sie uns reizen sol / dem guten desto hitziger nachzustreben. Sehet; die Messung der Speisen / ist wegen des LeibesErhaltung / und hat unser Gott solcher Niessung deswegen eine angenehme Wollust beygefüget / daß wir dadurch gereitzet werden / unsere Leiber durch Speisen zuerhalten; nicht /dz wir umb dieser Wollust zugeniessen / essen oder trincken solten. Daß aber die blosse Besitzung der Tugend / da nemlich einer weiß uñ gelernet hat gutes zu tuhn / noch die grösseste glükseligkeit nit sey /möchte ein Kind urteilen; massen auch der Schlaffende solches bey ihm hat / aber im Schlaffe der wahre Glükseligkeit nit geniesse mag. Bleibet demnach eins vor alles / dz die zeitliche oder weltliche Glükseligkeit in der übung und gebrauch der Tugend bestehe /uñ niemand seliger möge geschätzet werden / als wann er von den Lastern abgesondert / sich der herliche Tugend befleissiget / und nach derselben sein Leben anstellet. Hier håtte ich nun wol von einer weitbesseren Glükseligkeit zu reden / welche einem Menschen in dieser Welt kan zu teile werden / und durch welche er zu der künftigen ewigen und himlischen Glükseligkeit befodert wird; weil aber ich damit meinen Herren und lieben Freunden nur möchte verdrißlich seyn / und ohn daß anlezt keine gute einfälle habe / meinen Reden eine Zierligkeit anzubringen / bitte ich sehr / so wol ins gemein / als einen jede insonderheit / mir meine Kühnheit uñ grobe Einfalt freundlich zuverzeihen. Die ganze Geselschafft zeigete an / sein Gespräch währe ihnen sehr angenehm gewesen / mochten wünschen / daß sie Gelegenheit hätten / von dergleichen Fragen sich offt mit ihm zu bereden / weil sie gar eine andere Art der Auflösung und Beantwortung bey ihm merketen / als in ihren Schuelen üblich währe. Nach endigung dieses / machete Gallus draussen mit dem Wirt bessere Kundschaft /bezeichnete ihm ihre vorige Herberge und fragete nach desselben wirts Gelegenheit. Dieser antwortete ihm; es währe vor wenig Jahren daß vornemste Wirtshauß gewesen / aber eine Zeit her hätte man dem guten Manne etwas nachgeredet / dessen er verhoffentlich unschuldig

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