Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
währe; nicht destoweniger tähte es ihm nicht geringen Schaden / und wolte fast niemand bey ihm einkehren. Herr Wirt / sagte Gallus / ich halte euch vor einen Bidermann / und hoffe / da ich euch etwas vertraue / werdet ihr mich nicht in Unglük bringen; mag euch also nicht bergen / daß ich heut diesen Morgen angehöret / wie derselbe Wirt mit seinem Knechte anlegte / meinen Herren diese Nacht zuermorden; vernam auch so viel / daß sie noch eine erschlagene Frau im Keller liegen håtten; wollet deßwegen redliche Leute vor dieser Herberge warnen helffen. Der Wirt erschrak dessen höchlich / und erinnerte ihn / ob er irgend aus alter Feindschafft ihm solches nachredete; Und als er vernam / daß er vor diesem ihn niemahls gesehen noch ichtwas von ihm gehöret hätte / baht er ihn / solches niemand mehr zuvertrauen; suchte auch Gelegenheit von ihm zu gehen / weil solche Taht zu verschweigen wieder sein Gewissen lieff /nachdem er ein Rahtsverwanter wahr; machte sich demnach / ungeachtet es schon gegen den Abend ging / nach dem Rahtsmeister / ihm anzeigend / was er gehöret hatte. Derselbe sendete als bald etliche seines Mittels zu dem träulosen Wirte / mit begehren / er möchte dem Raht seinen Keller auff wenige Zeit verheuren / sie wolten etliche Weine dahin legen / welche in kurzer frist solten weiter fortgeschiffet werden. Dieser wegerte sich / den Keller zu öffnen / weil er ihn / seinem vorgeben nach / schon an etliche Kauffleute vermietet / und Gelder darauff empfangen hätte. Nachdem aber diese der Gemeinen Stad vorzug ihm vorhielten / kunte er sich länger nicht wegern / und baht sie / nur ein wenig zuverzihen / biß er ihn durch seinen Haußknecht hätte außräumen lassen; Und weil diese Außflucht auch nicht helffen wolte / ging er nach dem Hintergebäu / vorgebend / den Schlüssel zu hohlen; da ihm zween gleich auff dem Fusse nachfolgeten / und inzwischen der dritte einen Schlösser gleich gegen über wohnend herein rieff / den Keller zu öffnen; ging mit seinem Gefärten hinein / und funden eines nacket außgezogenen Weibes Leichnam / traten bald wieder heraus / und liessen die Bewehrete / so haussen auffwarteten herein ruffen / folgeten dem Wirt / der in nachsuchung der unverlohrnen Schlüssel noch bemühet wahr / und sageten; es wåhre ihnen eilig / und weil die Schlüssel verlegt / möchte er seinem Haußknecht ruffen / daß derselbe ihnen in der Nachbarschafft einen andern Keller verhörete. Dieser ward dessen froh / ließ seinen Kallias bald kommen /und erzeigete sich frölich; aber die Gewapneten traten zu ihm / und redete der Vornehmste von den Abgeordenten ihn also an: Akusilaus / ihr müsset euch samt eurem Knecht der Obrigkeit stellen / nachdem man mit euch etlicher Sachen halber zu reden hat / die sehr wichtig sind. Dieser fühlete sein nagendes Gewissen /stellete sich doch geherzt / nur daß er zuwissen begehrete / was man mit ihm so spät und eilig wolte /und was solche Gewapnete Schaar zu bedeuten hätte; warum man ihm nicht nach Stad Gebrauch einen Rahtsdiener geschikt / und ihn als einen Burger / welcher allemahl sich gehorsam bezeiget / aufffodern lassen? Dieser beantwortete es mit wenigem; er würde dessen alles vor dem gemeinen Raht gnugsame Ursachen zuvernehmen haben; worauff er ganz vewågen mit ging / und sich nicht dran kehrete / daß sein Knecht gefangen geführet / und in den Turm geleget ward. So bald er vor den Raht trat / grüssete er sie nicht sonderlich / stund und schwieg stille / umb zuvernehmen was man ihm vortragen würde; da der Rahtsmeister ihn freundlich anredete / sich über so spåter Vorfoderung nicht zu verwundern / und nur ein kurzes zu beiten / biß noch ein oder ander sich einstellen würde / so der Beredung mit beywohnen müste; worauff er zur Antwort gab; es nehme ihn höchst wunder / daß man ihm das Verwundern über solcher ungewöhnlichen gewaltsamen Vorfoderung noch verbieten wolte; ja daß man überdaß noch seinen Knecht gefänglich hinweg schleppete / ehe man ihm als dessen Herren einige Ursach anzeigete; doch müste er solches dahin lassen gestellet seyn / könte auch noch zur Zeit nichts dawieder vornehmen / als daß er sich durch nohtwendige Bedingung aufs allerbeste verwahrete. Bald ward das ermordete Weib mit Tüchern bedecket / ihm vor die Füsse gelegt / welche der Rahtsmeister zuentblössen befahl / und zu Akusilaus sagete; Guter Freund / ihr habt euch nicht so hoch zu beschweren / noch wieder eurer Obrigkeit Vornehmen euch groß zubedingen /
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