Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
habhafft werden möchte. Zwar ich habe davon gar kein Wesen machen wolle /sondern es Gott befohlen / bin auch deswege nach geschehener übrigen Bezahlung in ein ander Wirtshaus eingekehret. Ich vernehme aber mit höchster Verwunderung / daß ein und ander sich sol finden lassen /und mir als Uhrhebern einen begangenen Mord zumässen dürfen. Nun könte ich diese schändliche Lüge und ehrendiebische Verleumdung mit unbewåglichen Gründen gar leicht hintertreiben / uñ solche mutwillige Lästerer schamroht mache; nachgehends bey der Obrigkeit es treiben / daß sie mit eben der Straffe beleget werden müsten / welche sie mir zuzurichten bedacht und bemühet sind; weil ich aber vernehme / daß dieselben so stark auf jhr Faustrecht pochen / und ihres Seiten Gewehrs sich getrösten / bin ich bereit /meine Unschuld nach Ritters-art zuverfechten / und des gerechten Gottes seiner Urtel gerne zuerwarten. Der ganze Raht sahe ihn starre an / kunten sich seiner Schöne / Höfligkeit und unerschrockenen Herzens nicht gnung verwundern / und befahlen den beyden Klägern / ihre zuvor angebrachte Beschuldigung in des Beklagten gegenwart zuwiederhohlen / uñ mit gebührlichem rechtmässigem Beweißtuhm sich gefasset zuhalten; wie sie dessen sich anerbohten hätten. Der erste Ritter aber gab mit hochmühtigen Geberden zur Antwort: Weil dieser Knabe (so nennete er Valikules) die Klage albereit wüste währe die Wiederhohlung unnöhtig / vielweniger ein wortreicher Beweißtuhm nachdem sich dieser ohn das lieber dem Ritter- als Henker-Schwerte zur Straffe untergeben wolte / welches ein unhintertreiblicher Beweißtuhm währe / daß er öffentlich gestünde / den Tod verdienet zu haben; nur währe ihm sehr leid / und fast schimpflich / daß ers / so zu rechnen mit einem Kinde solte zuthun haben / und währe wol zu frieden / daß er seinen Diener zu Hülffe nähme / der ihm den Schild vorwerffen könte / dafern er so beherzt währe / morgen früh auff dem Platze zuerscheinen / da das Gericht solte gehalten werden / woselbst sich bald ausfündig machen würde wer die Warheit oder Lügen geredet hätte. Der versamlete Raht wolte sich darzwischen legen / uñ Valikules vom Kampffe abmahnen / weil sie nit zweifelten / er würde ohn das seine Unschuld mit gnugsamen Gründen behäupten können; Er aber antwortete: Er währe ein Ritter / und könte diese ehrenrührige Beschuldigung des Mords nicht auff sich ersitzen lassen; langwieriges Rechten gäbe seiner Reise Eilfertigkeit auch nicht zu; und daß er vor ein Kind / und vor einen Knaben von diesem hochmuhtigen Verleumder und Ehren Diebe gehalten würde / müste er dahin lassen gestellet seyn / wolte nicht desto weniger lieber mit ihnen beyden zugleich den Kampf antreten / als vor einen Mörder sich ausruffen lassen; bähte daher instendig / ein Hochweiser Raht wolte ohn fernere weigerung ihnen des Kampfes Freyheit gönnen / welches ihm als einem Römischen Bürger und Freyen Ritter ohn das nicht könte gehindert werden; Dieses alles brachte er mit so ernstlicher Rede vor / daß alle anwesende es wunder nam; wiewol es den beyden Klägern mächtig verdroß / daß er sie so verächtlich hielt / und so kühnlich ausschalt; daher sagete der ältere / Nahmens Demetrius mit einem Gelächter: es meynete dieser Knabe etwa / man würde mit Stecken oder Bradwürsten fechten / welche zuverschlucken er vielleicht möchte gelehret seyn; Aber er antwortete ohn Bewägung: man müste unbendigen Zungen übersehen / biß es Zeit währe sie zu hemmen / dann er hätte in dieser seiner Jugend schon die Erfahrung / daß eine ruhmrätige Zunge allemahl von einem feigen Herzen angetrieben würde; Worüber diese beyde sich dergestalt entrüsteten / daß sie auff der Rahtstuben sich schier an ihm vergriffen hätten / da ihnen solches nicht bey Leibesstraffe währe verbohten worden. Der Rahtsmeister suchte nochmahls / unsern Valikules von dem Kampffe abzumahnen / aber als er merkete /daß alles vergebens und umsonst wahr / gönneten sie ihm endlich seine Freyheit / welches er mit höflichem Dank annam / und seine Kläger erinnerte / sich gegen Morgen früh zum tähtlichen Beweißtuhm ihrer Schandlügen gefasset zu halten; Welches sie vor Eifer nicht beantworten kunten / sich auch nicht anders als wahnwitze Untihre bezeigeten / daß ihnen der Geifer zum Maule ausfloß. Amyntas und alle seine Gäste waren sehr leidig wegen der getahnen Ausfoderung; auch Gallus selbst bekümmerte sich dermassen / daß er weder essen noch
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