Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
trinken wolte / dann er hatte seinen Herrn noch nie kämpften gesehen; welcher ihm geboht / er solte schaffen / daß sein Harnisch auff bestimmete Zeit zum Kampffe fertig währe; erzeigete sich sonst den ganzen Tag durch immerzu frölich / als wüste er nichts von dem morgenden Kampffe; und wann die Geselschafft dessen Erwähnung taht / und wegen der künfftigen Gefahr sich leidig bezeigete /baht er sie / nicht daran zugedenken / wanns ihnen sonst einige Bekümmerniß machete: ja er vermahnete sie / gutes muhts zu seyn / und sagete: Man müste nicht allein von der Tugend reden und sinreiche Gespräch führen / sondern sich auch befleissigen / sie Zeit der Noht in rechtschaffene übung zu bringen /und der wirklichen Glükseligkeit beyzeiten einen Anfang zu machen; so hätte ers biß daher gehalten / und wie jung er währe / schon mannichen harten Streit mit angesehen / auch wol gute Stösse mit nach Hause getragen. Einer von der Geselschafft antwortete darauff; es währe zwar alles sehr wol und weißlich geredet; jedoch müste man die Herzhaftigkeit allemal der Vernunfft zur Einzäum- und Beherschung unterwerffen /und nichts über Vermögen oder Alters Kräffte vornehmen / damit dieselbe nicht über die Schnuhr hiebe / die Tugend-art verlöhre / und in eine verwägene Kühnheit verwandelt würde / welches er doch auff ihn nit wolte geredet haben. Mein Freund Urteilet recht und wol / antwortete er; und ist freilich dieses die rechte Klugheit und Vernunfft / daß unsere Handelungen in der Mittelwage bleiben / so daß sie weder nach der Linken / nach dem Mangel; noch nach der Rechten / das ist / nach der übermasse außschlagen; nicht desto weniger aber muß unser ehrlicher Nahme und guter Leumut uns lieber als das Leben seyn / und wird niemand die Schranken der Tugendhafften Kühn- und Herzhafftigkeit überschreiten / wann er sein Blut zur verteidigung seiner Redligkeit vorsichtig anwendet /da er dann eben nicht seinen Leibeskräfften oder seiner Erfahrenheit / sondern vielmehr seiner guten Sache / am meisten aber dem gerechten Gott vertrauen muß / welcher die Stolzen und Gewalttähter stürzet /und dagegen die Demühtigen und Nohtleidenden kräfftiget und erhält. Mein Herr / gab ihm ein ander zur Antwort; es müssen die gütigen Götter demselben Menschen höchst gewogen seyn / welchen sie so frühzeitig in diese Tugendschuele schicken / in welcher mein Herr aufferzogen und unterrichtet ist / wo selbst er nicht allein die Erkäntnis / sondern zugleich die Erfahrung uñ fertigkeit tugendhaft zu handeln bekomen hat. Meine Erfahrung / sagte Valikules ist viel geringer / als daß sie einiges Lobes wert währe / aber damit ich die Erfahrung mir durch mañiche Ubung zuwege bringen möge / muß ich deren keine verseume /welche ich ohn verletzung meiner Ehre nicht unterlassen kan; aber auch fleissig zusehen / daß ich nicht Ursach zum Streit und Kampff suche / weil solchen Blutgierigen und Zanksüchtigen der Almächtige Gott seinen Beystand enttzeuhet / und sie anlauffen lässet /daß sie fallen müssen ehe sie recht stehen. Sie brachten diesen Tag mit solchen Gesprächen zu / daß diese Jünglinge außdrüklich bekenneten / aller ihrer Lehrmeister Unterweisung zur Tugend / währe lauter Wasser gegen dieses jungen Ritters köstlichsten Wein /von welchem sie stärckere anreizungen zum guten anhöreten / als ihre Lehrer selbst noch nicht begriffen hätten. Des folgenden Tages wapnete sich Valikules nach seinem Willen / sahe selber zu dz sein Hengst recht gesattelt ward / und ritte in begleitung aller Jünglinge hinauß / da Gallus instendig bey ihm anhielt / er möchte ihm den Kampff wieder diese starke hochmuhtige Ritter gönnen; er ihm aber anzeigete /daß / weil seiner eigenen Bekäntnis nach / er in solchen Streiten ungeübt währe / könte er ihn nicht so leicht in die Schänze schlagen. Als er auff den Kampffplaz kam / traff er keinen von seinen Wiedersachern an / erwartete ihrer aber ganz freudig mit auffgeschlagenem Helme. Die ganze Stad hatte in erfahrung bracht / daß ein frischer Jüngling mit zween starken Rittern umb Leib und Leben kämpffen würde / lieffen demnach groß und klein hinaus / dem Streite zuzusehen. Der Raht hatte eine Schaubühne auffschlagen lassen / darauff sie stiegen / und nachdem die beyden Ritter gebrüdere auff grossen Pferden erschienen / teileten die Richter des Kampffes ihnen Wind und Sonne gleich / und gaben ihnen die Macht zu treffen / weil sie sahen / daß Valikules nicht nachlassen
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