Die 2ten Chroniken von Fitz dem Weitseher 04 - Der wahre Drache
Personen oder Orte zu reduzieren. Aber ich glaube, meine Sehnsucht konnte sie verstehen.
Nun gut. Zurück mit dir. Sei beim nächsten Mal vorsichtiger. Besser noch: Lass es kein nächstes Mal geben. Nicht, bevor du bereit bist zu bleiben.
Urplötzlich hatte ich wieder einen Körper. Mit dem Gesicht nach unten lag ich im Gras auf einem kalten Hang. Irgendwie hielt ich noch immer die beiden Säcke fest. Sie lagen auf mir. Ich schloss die Augen. Das Gras kitzelte mich im Gesicht, und Staub war mir in die Nase gedrungen. Ich atmete den Geruch der Erde ein, des Grases, der Schafe und ihres Dungs, und mein Staunen über das Netz, in dem sie miteinander verknüpft waren, raubte mir all meine Gedanken. Ich glaube, ich schlief ein.
Es dämmerte bereits, als ich wieder erwachte. Ich zitterte vor Kälte, trotz der Säcke, die auf meinem Rücken lagen. Ich war steif, und meine Haut war nass von Tau. Stöhnend setzte ich mich auf, und die Welt drehte sich langsam vor meinen Augen, bis ich mich wieder hinlegte. Das Schaf, das überrascht den Kopf hob, als ich mich rührte, trug dicke Wolle. Bedächtig rappelte ich mich wieder hoch und schaute mich um. Wie ein neugeborenes Fohlen versuchte ich, das Leben um mich herum zu erfassen. Ich atmete langsam und tief, fühlte mich aber nur wenig besser. Ich kam zu dem Schluss, dass Essen und ein Bett mir helfen würden, und genau das würde ich in der Burg finden.
Ich warf mir einen Sack über die Schulter und schleppte den anderen hinter mir her. Zumindest war das meine Absicht. Ich ging drei Schritte, und schon lag ich wieder. Ich fühlte mich noch schlechter als zu dem Zeitpunkt, da ich aus den Steinen getreten war. Prilkop hatte Recht gehabt, gestand ich mir widerwillig ein, und ich fragte mich nervös, wie lange es wohl dauern würde, bis ich den Rückweg wagen konnte. Aber nun hatte ich erst einmal dringendere Probleme zu lösen.
Ich griff mit meiner Gabe hinaus. Ich konnte mich kaum genug konzentrieren, um sie zu führen, und als ich schließlich Dicks Musik und dann ihn selbst fand, stand ich bereits in Kontakt zu Pflichtgetreu und Chade. Ich versuchte, zu ihnen durchzudringen, konnte es aber nicht. Ihre Gedanken rüttelten an meinen. Sie schienen mir jedoch keine Informationen zu übermitteln, sondern in irgendeine Art Gabenübung vertieft zu sein. Ich wurde mir Nessel bewusst; ihre Gegenwart war wie der Hauch eines Parfüms. Sie fand den Kreis der anderen, wäre fast dort verweilt, trieb dann aber weiter. In dem enttäuschten Schweigen, das ihrem gescheiterten Versuch folgte, fand ich eine kleine Stelle, wo ich durchkommen konnte.
Dick. Es geht mir nicht gut. Kannst du zu mir an die Zeugensteine kommen? Bring ein Pony mit oder vielleicht sogar einen Esel und einen Karren. Ich bin nicht sicher; ob ich
reiten kann. Ich habe zwei große Säcke mit Schriftrollen bei mir.
Ich fühlte eine wortlose Welle des Staunens von ihnen allen, gefolgt von einem Hagel von Fragen.
Wo bist du ?
Bist du verletzt? Hat dich jemand angegriffen?
Hat man dich gefangen gehalten ?
Ich bin gerade erst durch die Steine gekommen. Ich bin schwach. Krank. Prilkop hat gesagt, ich solle die Steine nicht zu oft benutzen.
Und dann brach ich die Verbindung ab. Ich fühlte mich hundeelend und stand kurz davor, mich zu übergeben. Ich legte mich auf die Seite. Der Morgen war kalt, und ich zog eine der Decken über mich, die als Sack dienten. Dennoch zitterte ich weiter.
Sie kamen alle. Ich hörte Geräusche, öffnete die Augen und blickte auf Nessels Schuhe und ihren Reitrock. Ein Heiler ärgerte mich, indem er meine geschundenen Knochen abtastete und mir immer wieder tief in die Augen blickte. Er fragte, ob ich angegriffen worden sei. Ich schüttelte den Kopf. Chade sagte: »Fragt ihn, wo er den vergangenen Monat gewesen ist. Wir haben diese Schriftrollen schon vor unserer Ankunft in Bocksburg erwartet.« Ich schloss die Augen und hielt meine Zunge im Zaum. Dann hoben der Heiler und sein Helfer mich auf einen Karren. Die Schriftrollenbündel wurden neben mich gelegt, und der Karren rumpelte den Hang hinunter. Chade und Pflichtgetreu ritten mit ernstem Blick neben mir her. Dick folgte ihnen auf einem stämmigen Pony und kam ganz gut zurecht. Nessel ritt eine Stute, offensichtlich eine aus Burrichs Zucht. Ihnen folgten mehrere berittene Gardisten mit dem angespannten Gesichtsausdruck von Männern, die zumindest mit ein paar Feinden gerechnet, nun aber jede Hoffnung auf ein Gefecht aufgegeben hatten. Ich
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