Die 2ten Chroniken von Fitz dem Weitseher 04 - Der wahre Drache
Schwarzen Mann noch von sonst irgendwas, sondern nur von dir. Offensichtlich hatte er erwartet, dich hier zu finden. Das hat mir Angst gemacht.«
Ich stellte das leere Glas wieder auf den Tisch. Ohne zu fragen, schenkte Chade mir nach. »Als ich ihm sagte, wir hätten dich nicht gesehen, wirkte er entsetzt. Ich habe ihm erzählt, wie grundlich wir nach dir gesucht haben und dass ich eigentlich vermutet hatte, du seiest mit ihm fortgegangen. Er gab mir den Namen einer Taverne, wo er eine Woche bleiben wollte, und bat mich, sofort einen Kurier zu ihm zu schicken, falls wir etwas von dir hören sollten. Am Ende der Woche kam er wieder zu mir. Er sagte, er müsse nun gehen, wolle mir aber etwas für dich dalassen. Beide waren wir uns nicht sicher, ob du wieder zurückkehren würdest, um es dir zu holen.«
Ich musste nicht danach fragen. Chade legte eine versiegelte Schriftrolle auf den Tisch, nicht größer als eine Kinderfaust, und daneben einen kleinen Beutel aus dem Stoff der Uralten. Ich erkannte den Stoff. Er stammte von der Robe. Ich schaute beides an, machte aber keinerlei Anstalten, es zu berühren. Chade beobachtete mich. »Hat er irgendetwas gesagt? Als Botschaft für mich, meine ich.«
»Ich glaube, das sind diese Sachen hier.«
Ich nickte.
»Harm hat dich auch im Hospital besucht. Hast du das gewusst?«
»Nein. Woher wusste er, dass ich da war?«
»Ich glaube, er verbringt heutzutage viel Zeit in dieser Bardentaverne. Als wir nach dir gesucht haben, haben wir das natürlich auch über die Barden verbreiten lassen. Wir haben verzweifelt nach Gerüchten über dich gesucht. So hat er dann erfahren, dass wir Tom Dachsenbless in der Burg erwarteten, er aber nicht gekommen war. Als wir dich dann gefunden haben, haben die Barden unweigerlich auch davon erfahren und damit auch er. Du solltest ihn möglichst bald besuchen gehen und ihn beruhigen.«
»Und er ist oft in der Bardentaverne?«
»Das habe ich zumindest gehört.«
Ich fragte ihn nicht, von wem oder warum sich der oberste Ratgeber der Königin über einen Tischlerlehrling auf dem Laufenden hielt. Ich sagte schlicht: »Danke, dass du ein Auge auf ihn gehabt hast.«
»Ich habe dir doch gesagt, dass ich das tun würde. Nicht, dass mir das sonderlich gut gelungen wäre. Fitz, es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen. Ich kenne die Einzelheiten nicht, aber wie ich gehört habe, hat er Schwierigkeiten in der Stadt bekommen und seine Lehrstelle verloren. Seitdem ist er bei den Barden.«
Traurig schüttelte ich den Kopf. Ich hätte es bei ihm besser machen müssen. Es war definitiv an der Zeit, den jungen Mann an die Hand zu nehmen. Ich beschloss, Merle aufzusuchen und sie zu fragen, wo ich meinen Jungen finden konnte. Ich fühlte mich schuldig, weil ich ihn bis jetzt noch nicht aufgesucht hatte.
»Sonst noch irgendetwas, was ich wissen müsste?«
»Prinzessin Philia hat mir einen kräftigen Schlag mit ihrem Fächer verpasst, als sie herausgefunden hat, dass du schon seit Tagen im Hospital lagst und niemand sie informiert hat.«
Ich musste einfach lachen. »In der Öffentlichkeit?«
»Nein. Im Alter hat sie offenbar ein wenig Diskretion gelernt. Sie hat mich in ihre Gemächer gerufen. Litzel hat dort auf mich gewartet. Ich bin hineingegangen, Litzel hat mir eine Tasse Tee angeboten, und dann kam Philia herein und zog mir ihren Fächer über den Kopf.« Er rieb sich das Ohr und fügte reumütig hinzu: »Du hättest mir ruhig sagen können, dass sie weiß, dass du lebst und dich als Gardist verdingst - was sie, nebenbei bemerkt, übrigens als ausgesprochen beleidigend empfindet.«
»Ich hatte keine Gelegenheit dazu. Und? Ist sie wütend auf mich?«
»Natürlich. Aber nicht so wütend wie auf mich. Sie hat mich eine >alte Spinne< genannt und mir gedroht, mich auszupeitschen, wenn ich nicht aufhören würde, mich weiter in das Leben ihres Sohnes zu mischen. Wie hat sie eigentlich eine Verbindung zwischen dir und mir herstellen können?«
Langsam schüttelte ich den Kopf. »Sie hat schon immer mehr gewusst, als sie sich anmerken ließ.«
»In der Tat. Das war sogar schon der Fall, als dein Vater noch gelebt hat.«
»Ich werde auch Philia aufsuchen. Nun, wie es aussieht, ist mein Leben noch genauso kompliziert wie eh und je. Und wie steht es mit den größeren Angelegenheiten in Bocksburg?«
»Dein Plan hat recht gut funktioniert. Jene Herzöge, die nicht mit uns gefahren sind, sind froh, eigene Handelsabkommen mit den angereisten Kaempra schließen
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