Die 2ten Chroniken von Fitz dem Weitseher 04 - Der wahre Drache
er bei seiner Ankunft erhalten hat. Mehr denn je hat er das Alte Blut gedrängt, sich zu erkennen zu geben und respektabel zu werden. In vielerlei Hinsicht war das Blutvergießen ein Rückschlag für ihn. Ironischerweise hat er vorgeschlagen, ein Stadtviertel für die vom Alten Blut einzurichten, wo sie ihren Fleiß und ihren Anstand unter Beweis stellen können. Was sie einst aus Angst vor Pogromen gefürchtet haben, schlagen sie nun vor, um ihre Harmlosigkeit zu demonstrieren - wenn man sie nicht provoziert. Die Königin denkt darüber nach. Die Lage dieses Viertels hätte eine Reihe von Verhandlungen zur Folge. Viele fürchten die Alte Macht heutzutage mehr denn je.«
»Nun, es kann nicht alles glatt laufen, nehme ich an. Immerhin ist das Problem öffentlich geworden.« Ich saß einen Augenblick lang einfach nur da und dachte nach. Zelerita von Bearns, zwiehaft? Das glaubte ich nicht. Aber zurückblickend konnte ich mir nicht sicher sein.
»Und Lord FitzChivalric Weitseher? Wird er auch ins Licht treten?«
»Wie? Nur Lord? Ich dachte, ich sollte König werden?« Und dann lachte ich, denn ich hatte Chade noch nie so verblüfft gesehen. »Nein«, sagte ich. »Nein, ich denke, ich werde Lord FitzChivalric Weitseher in Frieden ruhen lassen. Jene, die mir wichtig sind, wissen es ohnehin. Mehr kümmert mich nicht.«
Chade nickte nachdenklich. »Ich würde mir das glückliche Ende eines Bardenliedes für dich wünschen, >viel Liebe und viele Kinder<, aber das sehe ich noch nicht.«
»Für dich ist das auch nie wahr geworden.«
Er schaute mich an und wandte sich dann ab. »Ich hatte dich«, sagte er. »Wärst du nicht gewesen, wäre ich vermutlich wirklich als >alte Spinne< in den Wänden gestorben. Hast du je darüber nachgedacht?«
»Nein.«
»Ich habe noch einiges zu tun«, sagte er plötzlich. Dann stand er auf und legte mir die Hand auf die Schulter. »Wirst du in Ordnung kommen?«
»So weit, wie man erwarten kann«, antwortete ich.
»Dann werde ich dich jetzt allein lassen.« Er schaute zu Boden und fügte hinzu: »Wirst du dich denn wenigstens bemühen, vorsichtiger zu sein? Die Tage, als du vermisst wurdest, waren nicht leicht für mich. Ich dachte, du wärst vor den Pflichten deines Bluts aus Bocksburg geflohen, und als der Narr gekommen ist, habe ich geglaubt, du seist irgendwo gestorben. Wieder einmal.«
»Ich werde genauso gut auf mich Acht geben, wie du auf dich Acht gibst«, versprach ich ihm. Er hob die Augenbraue und nickte dann.
Eine Zeit lang blieb ich noch sitzen, nachdem er gegangen war, und blickte auf das Päckchen und die Schriftrolle. Als ich das Siegel schließlich brach, war ich ein wenig enttäuscht. Es war kein Brief, sondern ein Gedicht. Ich las es zweimal, doch alles, was es sagte, war Lebewohl.
Das Päckchen war recht schwer. Als ich den Stoff aufband, rollte ein Stück Erinnerungsstein auf den Tisch. Die Gabenfinger des Narren hatten ihn bearbeitet, dessen war ich sicher. Vorsichtig stieß ich ihn an, fühlte aber nur Stein. Ich hob ihn hoch, um ihn mir genauer anzusehen. Er zeigte drei Gesichter; jedes ging in ein anderes über. Nachtauge war da und ich und der Narr. Erst als ich den Stein mit der Hand umschloss, erwachte er für mich zum Leben. Er zeigte drei schlichte Bilder, je nachdem, wie ich ihn in der Hand hielt. Wenn meine Finger den Wolf und mich umschlossen, dann sah ich Nachtauge und mich zusammengerollt in meinem Bett in der Hütte schlafen. Berührte ich den Narren und den Wolf, lag Nachtauge zusammengerollt auf dem Kamin des Narren in den Bergen. Das letzte Bild war zunächst verwirrend für mich. Meine Finger lagen auf dem Narren und mir. Ich blinzelte ob der Erinnerung, die mir präsentiert wurde. Ich starrte sie eine Zeit lang an, bevor ich sie als eine weitere Erinnerung des Narren erkannte. So sah ich aus, wenn er seine Stirn an meine drückte und mir in die Augen schaute. Ich legte den Stein auf den Tisch, und das Gesicht des Narren lächelte mich spöttisch an. Ich erwiderte sein Lächeln und legte ihm instinktiv den Finger an die Stirn. Da hörte ich seine Stimme, fast als würde er neben mir stehen. »Ich war nie der Klügste.« Ich schüttelte den Kopf. Seine letzte Botschaft an mich, und wieder sprach er in Rätseln.
Ich nahm meine Schätze, kroch hinter den Kamin und schob die Geheimtür zu. Ich ging in mein Arbeitszimmer und verbarg die Sachen dort. Gilly tauchte auf und bombardierte mich mit Fragen über das Fehlen von Wurst. Ich versprach ihm,
Weitere Kostenlose Bücher