Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Augen

Die Augen

Titel: Die Augen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hooper
Vom Netzwerk:
dass es um etwas anderes gehen könnte, dachte Andy. In der letzten Zeit waren sie alle besessen von diesem Fall.
    »Tja, tatsächlich.«
    »Also? Lass hören.«
    Scott war noch nicht so lange Detective, dass er großes Vertrauen in seine Eingebungen gehabt hätte. Unter Andys Blick errötete er leicht. »Tja, ich weiß, wir haben den Computer auf der Suche nach ähnlichen Verbrechen mit allen Informationen gefüttert, die wir über diesen Vergewaltiger haben. Aber Jenn und ich haben heute darüber gesprochen, und wir haben uns gefragt, was mit den alten Akten ist. Einige von denen sind fünfzig Jahre alt oder älter, und von der Info ist nichts im Computer.«
    Geduldig sagte Andy: »Ich bezweifle, dass unser Vergewaltiger schon vor fünfzig Jahren Frauen überfallen hat, Scott. Dann wäre er jetzt – wie alt? Fünfundsiebzig oder achtzig? Nicht mal ‘ne kleine blaue Pille könnte so einem Opa helfen, ihn noch mal hochzukriegen.«
    »Nein, das haben wir nicht gemeint. Die Psychotante hat gestern bei der Besprechung etwas gesagt. Sie meinte, ihr scheint, als würde der Vergewaltiger bereits fest etablierte Rituale befolgen, als würde er das schon viel länger als nur die sechs Monate treiben, die er jetzt unseres Wissens aktiv ist. Also dachten wir, vielleicht hat er sich ja Rituale gesucht, die schon fix und fertig waren, indem er eine viel ältere Verbrechensserie kopiert.«
    »Und die entsprechende Info hat er dann direkt hier aus unseren alten Akten?«
    »Nicht unbedingt. Jenn hat das gecheckt. Einiges ist im Lauf der Jahre in Büchern behandelt worden, besonders die ungelösten Verbrechen. Das ist ein beliebtes Thema, Andy, das weißt du doch. Und es besteht zumindest die Möglichkeit, dass unser Typ hier nach dem Drehbuch von jemand anders vorgeht, oder?«
    »Alles ist möglich.« Mit geschürzten Lippen erwog Andy die Idee. »Nicht schlecht, Scott. Aus diesem Blickwinkel haben wir es noch gar nicht betrachtet. Schon was gefunden?«
    »Wir sind uns nicht sicher.«
    »Was Interessantes?«
    »Was Seltsames. Oder zumindest finden wir das. Vielleicht siehst du das ja anders.« Er öffnete die Akte und zog ein vergilbtes Blatt Papier hervor, das er über den Schreibtisch reichte. »Aus Jux und Dollerei haben wir gleich mit den richtig alten Akten angefangen, mit denen, die mehr als fünfzig Jahre alt sind. Besonders die von 1934. Jenn hat das hier in einer davon gefunden, zwischen den Aktennotizen zu einer Mordermittlung.«
    Andy starrte auf die Skizze und erfuhr ein ihm völlig neues Gefühl – als krieche ihm ein kalter Finger langsam die Wirbelsäule hinauf. Das herzförmige Gesicht und die zarten Gesichtszüge, das lange schwarze Haar … »Wer ist das? Ich meine – wer war sie damals?«
    »Sie war das Opfer, Andy. Eine junge Lehrerin, in einer Gasse erstochen. Sie war wohl ziemlich brutal zusammengeschlagen worden, so schlimm, dass sie einen Zeichner baten, eine Skizze von ihr zu machen, so wie sie glaubten, dass sie unversehrt ausgesehen hatte, damit sie was hatten, was sie herumzeigen konnten, um sie zu identifizieren. Sie haben dann auch herausgefunden, wer sie war, aber … man hat den Fall nie gelöst.«
    »Das muss Zufall sein«, murmelte Andy. »Der Zeichner hat sie falsch gezeichnet, hat sich in ihrem Aussehen geirrt. Oder da sind irgendwelche familiären Verbindungen. Wie hieß sie?«
    Scott schlug erneut die Akte auf. »Sie hieß … Pamela Hall. Unverheiratet, zweiundzwanzig. Keine Angehörigen in Seattle, zumindest konnte die Polizei keine ermitteln.«
    »Wurde sie vergewaltigt?«
    »Ja, wurde sie. Damals wurden Vergewaltigungen allerdings kaum jemals gemeldet, und wenn, dann ging man ihnen nicht nach, zumindest soweit ich weiß. Es wurde nur vom Arzt in seinem Obduktionsbericht erwähnt. Die Cops haben es als Mord behandelt, schlicht und einfach. Sie haben nicht nach einem Sexualtäter gesucht.«
    Jennifer Seaton gesellte sich gerade rechtzeitig zu ihnen, um das hören. Sie sagte: »Ich glaube nicht mal, dass es damals schon diesen Begriff gab.« Sie schüttelte den Kopf, eher müde denn wütend. »Sie glaubten, Vergewaltigung sei einfach ein etwas heftigerer Geschlechtsakt – mehr nicht.«
    »Habt ihr andere Überfälle aus dieser Zeit gefunden?«, fragte Andy.
    Erneut schüttelte Jennifer den Kopf. »Noch nicht. Aber dieser hier geschah sehr früh im Jahr, und es gibt noch mehr Akten, die wir durchsuchen können. Wir dachten nur, wir sollten mit dir Rücksprache halten, bevor wir

Weitere Kostenlose Bücher