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Die Bestimmung - Toedliche Wahrheit - Band 2

Die Bestimmung - Toedliche Wahrheit - Band 2

Titel: Die Bestimmung - Toedliche Wahrheit - Band 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Veronica Roth
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ihre Vorliebe für ebenso selbstloses wie sich selbst gefährdendes Verhalten als auch ihre Fähigkeit, sämtlichen Simulationen zu trotzen. Was schließen wir daraus für die Entwicklung unseres neuen Simulationsserums?«
    » Es sollte einige, aber nicht sämtliche Aktivitäten des präfrontalen Cortex unterdrücken«, antwortet der Wissenschaftler mit den runden Brillengläsern.
    » Ganz genau«, sagt Jeanine. Als sie mich ansieht, blitzen ihre Augen zufrieden. » Dann wissen wir ja, was wir als Nächstes zu tun haben. Bist du jetzt zufrieden, da ich meinen Teil unserer Abmachung eingehalten habe, Miss Prior?«
    Mein Mund ist so trocken, dass ich kaum schlucken kann.
    Was, wenn sie tatsächlich die Aktivität in meinem präfrontalen Cortex ausschaltet– und ich dann nicht mehr in der Lage bin, eigene Entscheidungen zu treffen? Was, wenn dieses Serum bei mir anschlägt und mich zu einem Sklaven macht, wie schon so viele vor mir? Wenn die Wirklichkeit um mich herum völlig versinkt?
    Mir ist bisher nie klar gewesen, dass meine ganze Persönlichkeit, mein ganzes Wesen nur ein Nebenprodukt meiner Anatomie ist. Was, wenn ich tatsächlich nur jemand mit einem großen präfrontalen Cortex bin und sonst nichts?
    » Ja«, antworte ich. » Ich bin zufrieden.«
    Schweigend machen Peter und ich uns auf den Rückweg in meine Zelle. Als wir nach links biegen, sehe ich eine Gruppe von Leuten am anderen Ende des Gangs. Das hier ist der längste Gang, durch den wir gehen müssen, aber bei dem Anblick, der sich mir bietet, schrumpft die Entfernung schlagartig.
    Zwei abtrünnige Ferox halten ihn an den Armen fest. Auf seinen Hinterkopf ist eine Pistole gerichtet.
    Es ist Tobias. Blut rinnt ihm übers Gesicht und färbt sein weißes T-Shirt rot. Tobias, der genau wie ich ein Unbestimmter ist, steht hier, direkt vor dem Schlund der Hölle, in deren Feuer ich verbrennen werde.
    Peters Hände graben sich in meine Schultern, er hält mich zurück.
    » Tobias«, stoße ich hervor.
    Der abtrünnige Ferox mit der Waffe schiebt Tobias vor sich her, und auch Peter versucht, mich vorwärts zu schieben, aber meine Füße sind wie angewurzelt. Ich bin hergekommen, damit niemand mehr sterben muss. Ich bin hergekommen, um so viele Leute wie möglich zu schützen. Und Tobias liegt mir mehr am Herzen als jeder andere Mensch. Warum bin ich dann hier, wenn er auch da ist? Wo ist da die Logik?
    » Was hast du getan?«, murmle ich leise. Er ist nicht mehr weit von mir entfernt, aber noch nicht in Hörweite. Als er an mir vorbeikommt, streckt er den Arm aus, greift nach meiner Hand und drückt sie fest. Dann lässt er los. Seine Augen sind blutunterlaufen. Er ist blass.
    » Was hast du getan?« Diesmal bricht die Frage aus mir heraus, bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg aus meinem Inneren.
    Ich will mich auf Tobias werfen, mich von Peters Griff losreißen, aber dessen Hände krallen sich in meine Schultern.
    » Was hast du getan?«, schreie ich.
    » Wenn du stirbst, sterbe ich auch.« Tobias blickt über seine Schulter zurück zu mir. » Ich habe dich gebeten, es nicht zu tun. Du hast deine Entscheidung getroffen. Jetzt musst du auch mit den Folgen zurechtkommen.«
    Er verschwindet hinter einer Ecke. Das Letzte, was ich von ihm und den Ferox sehe, ist das Blitzen des Pistolenlaufs und das Blut hinter seinem Ohr, das von einer frischen Wunde stammt.
    Dann ist Tobias verschwunden und mich verlassen alle Lebensgeister. Ich höre auf, mich zu wehren, und lasse es zu, dass Peter mich zu meiner Zelle schleift. Drinnen sinke ich zu Boden, warte darauf, dass die Tür zufällt und Peter geht, aber er rührt sich nicht.
    » Wieso ist er hergekommen?«, fragt er.
    Ich blicke ihn an.
    » Weil er ein Idiot ist.«
    » Da hast du recht.«
    Ich lehne den Kopf gegen die Wand.
    » Er hat doch nicht etwa ernsthaft geglaubt, dass er dich retten kann?« Peter schnaubt verächtlich. » Typisch Stiff.«
    » Das hat er nicht«, antworte ich. Wenn Tobias vorgehabt hätte, mich zu retten, wäre er die Sache anders angegangen. Er hätte Pläne geschmiedet. Er hätte Verstärkung mitgebracht. Er wäre nicht einfach so alleine in das Hauptquartier der Ken geplatzt.
    Meine Augen füllen sich mit Tränen. Ich versuche gar nicht erst, sie wegzublinzeln, sondern blicke durch sie hindurch und sehe zu, wie meine Umgebung allmählich verschwimmt. Noch vor ein paar Tagen hätte ich niemals vor Peter geweint, aber jetzt ist es mir egal. Er ist der unwichtigste von allen meinen Feinden.
    » Ich

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