Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
Vom Netzwerk:
umfasste Pherodos Nando mit seinem Blick. Während die anderen Reiter voller Abscheu in das Gold der Engel schauten, brach sich in den Augen dieses Kriegers mehr als Ekel. Nando schien es, als müsste er sich mit aller Kraft davon abhalten, in dieses strahlende Licht seiner Feinde zu starren, doch nicht aus Hass oder Zorn. Etwas Schmerzvolles lag auf Pherodos’ Zügen, fast so etwas wie … Sehnsucht. Aber der Moment währte nur kurz. Schon trat Pherodos auf Nando zu, das Schwert glühte in seiner Hand. Nando wich zurück. Seine Schwingen waren gelähmt vom Gift der Scherben, stolpernd folgte er Noemi über gefallene Engel hinweg, während Pherodos von Ligur und Kymbra flankiert immer näher kam. Schon grinste der Krieger voller Triumph, als ein Engel in gleißender Rüstung über die Dächer heranjagte, die Faust mit dem Schwert erhoben – einem Schwert aus rotem Frost.
    Kolkrinor war es, der die besten Ritter der Garde aufs Schlachtfeld führte, und als er mit mächtigem Schwingenschlag grelles Licht in sein Schwert schickte, flutete dieser Schein für einen Moment den gesamten Platz. Licht schlug gegen Schatten, Kälte gegen Höllenglut. Nando spürte die Druckwelle, als der Weiße Krieger das Schwert auf den Schutzwall niedersausen ließ. Blitze und Funken stoben durch die Luft, doch kaum dass die letzten Scherben des Walls um sie niederfielen, verwandelte Raar sie zu lebendigen Schemen, die ihm wie Spiegelbilder glichen: Auf den Dächern ringsum, zwischen den Scharen der Engel, über den Köpfen der Fliehenden – überall richteten sich gesichtslose Maskenmänner auf und rissen ihre Stäbe in die Höhe. Rasend schnell stürzten sie sich auf die Engel, und Nando sah mit Entsetzen, wie deren Körper nach einer einzigen Berührung zu verfaulen begannen.
    »Schnell!« Noemi zog ihn mit sich. Ihre Magie rannte gegen das Gift in ihren Adern an und verhalf ihnen zu einigen Schwingenschlägen, aber schon ging eine Hitzewelle über sie hinweg, die sich dicht vor ihnen zu rauschendem Feuer entfachte. Dunkles Gelächter zerriss die Luft, als es sich auf die Engel stürzte und ihnen den Weg abschnitt, und Nando erkannte Pherodos darin, der mit loderndem Blick zusah, wie die Sklaven des Lichts in seiner Glut verbrannten. Doch auch die Engel, die den Flammen entkamen, veränderten sich. Eine schwarze Gier trat in ihren Blick, und wie von einem fremden Willen getrieben, stürzten sie sich auf ihre einstigen Gefährten. Pherodos stand inmitten seines Feuers, bewegte die Hände wie ein Dirigent, und schon drehten sich mehrere Engel mit demselben grausamen Blick zu Nando um.
    Noemi trat vor, wilde Entschlossenheit flammte in ihrem Blick. »Zum Ersten Strom«, rief sie Nando zu und zog ihre Messer. »Sie wollen dich, du musst fliehen!«
    Nando stieß die Luft aus. »Du solltest mich besser kennen«, erwiderte er nur. Er konnte gerade noch seine Fäuste in rote Flammen setzen, als die ersten willenlosen Engel sie erreichten. Donnernd schleuderte er die vordere Reihe zurück, Noemi schlug ihnen ihre Messer mit einem mächtigen Sturmzauber entgegen, während mehrere Krieger der Garde über sie hinwegjagten und sie mit Bannzaubern außer Gefecht setzten. Nando spürte den Schimmer ihrer Rüstungen auf seinem Gesicht, und ein erhabenes Gefühl breitete sich in ihm aus, als ihm bewusst wurde, dass er Seite an Seite mit den Kriegern des Lichts gegen die Schatten kämpfte. Doch gerade als er zwei Angreifer mitten in Pherodos’ Feuer warf, umfasste ihn eine Fessel und riss ihn weit in die Menge zurück. Hart schlug er auf dem Boden auf, nur wenige Schritte von Kymbra entfernt.
    Ihre Haare wehten im Sturm, und während sie die Arme in geschmeidigen Bewegungen in die Luft hob, wallte ihr Gewand auf und stob unter ihrem dunklen Gesang wie Nebelfetzen in die Menge. Geisterhaft verschwanden die Schleier, nur um sich gleich darauf um die Kehlen der Engel zu legen und sie in Eis zu verwandeln. Nando zog sein Schwert und zerschlug den Schleier, der nach ihm greifen wollte, mit gleißendem Licht. Die Funken warf er Kymbra ins Gesicht, sie wich vor ihnen zurück wie vor tödlichen Geschossen, und er selbst erhob sich in die Luft, hinein in die Flammen der Engelszauber, die den Himmel golden färbten. Erst jetzt nahm er die Kälte wahr, die von ihm ausging und jeden Schleier Kymbras von ihm abgleiten ließ. Er jagte an der Seite der Ritter über ihre Feinde hin, als wäre er kein Kind der Schatten, sondern als wäre er im Licht geboren worden –

Weitere Kostenlose Bücher