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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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im ewigen, eiskalten Licht der Engel.
    Das Keckern kam so plötzlich, dass er nicht mehr ausweichen konnte. Aus dem Meer der Menge sprang Ligur und grub seine Zähne in Nandos Arm. Der Schmerz ließ ihn aufschreien, und mit diesem Ton fuhren die Engel in der Nähe in seltsamer Mechanik herum und starrten ihn an. Doch ihre Gesichter zerfielen, und darunter lag das fressende, gierige Gesicht des Hungers. Entschlossen schlug Nando Ligur die Nägel in den Nacken, zerriss die Illusion und schleuderte ihn von sich. Der Dämon wurde von der Menge verschluckt, aber noch bevor Nando landen konnte, krampfte sich sein Magen in schrecklichen Schmerzen zusammen. Es war, als hätte er seit Wochen nichts gegessen, und je mehr er sich bemühte, die aufbrechende Gier in seinem Oreymon zu ersticken, desto schmerzhafter wurde sie. Er fiel auf die Knie, und da spürte er das dunkle Glühen, das in ihm selbst keimte und auch in jedem der Kämpfenden lag, nur darauf lauernd, von der richtigen Flamme entfacht zu werden.
    Der Lärm wurde dumpf, selbst der Schmerz erreichte Nando nur noch schwach, und er spürte den goldenen Schimmer auf seinem Gesicht, als jemand auf ihn zutrat. Mächtige Schwingen durchzogen die Luft, die Leiber der Kämpfenden wurden durchscheinend vor diesem Glanz, und der Hunger in Nandos Magen wandelte sich und wurde zu derselben Sehnsucht, die ihn schon einmal in die Schatten getrieben hatte. Mit aller Kraft riss er seinen Blick fort und stürzte sich in das flackernde Licht seines Oreymons. Eiskalt fing es ihn auf und ergoss sich lindernd in seine Adern.
    Mit einem Schrei kam er auf die Beine und stieß drei Maskenmänner zurück. Umgehend erhob er sich in die Luft, raste durch die Flammen Pherodos’, die donnernd zersprangen, als er sie berührte, und ignorierte die Kälte Kymbras, die ihm ebenso nachkroch wie Ligurs Zorn. Sie würden ihn nicht noch einmal in ihre Klauen bekommen, so viel war sicher. Rauschend setzte er sein Schwert in weißes Feuer und spürte, wie die Kälte der Engel ihn emporhob und mit der Erhabenheit des Weißen Kriegers verschmolz, der seine Truppen gegen die Kräfte der Finsternis führte. Die Narbe der Königin brannte über seinem Herzen, und es gab keinen Zweifel mehr für ihn: Er war ein Krieger des Lichts. Kurz nur sah er Noemi in der Menge, für einen Wimpernschlag trafen sich ihre Blicke. Er sah sich gespiegelt in ihrem Gesicht, strahlend und kalt raste er über das Schlachtfeld, inmitten der Engel, als wäre er einer von ihnen, nein, mehr noch: Als wäre er, der Sohn des Teufels, der mächtigste unter ihnen. Er lächelte Noemi zu, es war leicht, so leicht, inmitten des Lichts gegen die Schatten zu bestehen, und er erwartete all die Gefühle, die er sonst in solchen Momenten empfand – Nähe, Vertrautheit, Hingabe. Doch alles, was er spürte, als er Noemi ansah, war eine seltsame Leere. Sie erwiderte seinen Blick, als würde sie auf der anderen Seite einer mächtigen Schlucht stehen, und er – er war allein im Glanz der Engel.
    Der Pfeil grub sich tief in seine Schulter und lähmte seinen rechten Flügel. Krachend schlug er auf dem Boden auf, hörte, wie Raar über ihn hinwegflog und ihn packen wollte, und drehte sich im letzten Augenblick zur Seite. Keuchend rappelte er sich auf, überall um ihn herum erhoben sich die schemenhaften Maskenmänner, und die Hitze der Hölle schlug ihm entgegen. Schwer atmend riss er sein Schwert in die Luft und trieb Raar einige Schritte zurück, aber dessen Pfeil erschwerte seine Bewegungen und vergiftete sein Fleisch. Er schwankte, irgendwo brüllte Pherodos in der Menge, und als die schwarzen Flammen des Kriegers über dem Schlachtfeld in das Licht der Engel brachen und die Kräfte der Hölle die Oberhand gewannen, schoss ein Gedanke durch Nandos Kopf: Vielleicht würde es in diesem Kampf niemals einen Sieger geben. Vielleicht konnten Licht und Schatten nur existieren, wenn sie sich in ewigem Tanz vernichteten und neu erschufen, und jeder Tänzer, der in ihre Klauen geriet, konnte bei dem kleinsten Fehler in ihrem Spiel zerrissen werden.
    Nando , rief eine Stimme in seinen Gedanken, als er Raars Stab im letzten Moment auswich. Er fuhr herum. Noemi hielt sich nicht weit von ihm entfernt zwei der Schemen vom Leib, deren Macht wuchs, je heftiger Pherodos sein Feuer schürte. Wir müssen verschwinden!
    Ein Sichelschlag traf Raar an der Schulter und umgab ihn kurz mit hinderlichen Fesseln. Sofort trat Nando die Flucht an. Feuerklauen stoben vor ihm aus

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