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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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dem Boden, doch gerade als sie ihn packen wollten, ging ein Knistern durch sie hindurch. Nando sah Pherodos’ Gesicht in ihnen auftauchen, es war schmerzverzerrt, und da spürte er ihn auch: den Frost, der plötzlich durch die Flammen der Hölle strich und den Krieger daraus vertrieb. Im nächsten Augenblick hörte er Noemi schreien. Atemlos eilte Nando vorwärts. Er spürte die Macht, die durch die Engelstadt floss und die Dämonen angriff wie unsichtbares Gift. Sie war greller als jedes Licht, das er bislang gefühlt hatte, und er musste an Okaryn denken, das Auge der Dämmerung. Im selben Moment begann der Boden in silberner Kälte zu glühen, und ein Engel landete nur wenige Schritte von Nando entfernt.
    Kolkrinor war es, der nun die Fäuste in die Luft riss und die herbeiströmende Magie in sich bündelte. Sofort schoss das Silberlicht über seine Beine in seinen Leib, Nando fühlte die Kraft des Zaubers um ein Vielfaches zunehmen. Übermächtig zog sie in seine Glieder, seine Muskeln wurden zum Zerreißen gespannt, doch der Pfeil in seiner Schulter zerfiel zu Asche, und jede Lähmung wich aus seinen Gliedern. In heftigen Impulsen brandete der Zauber von Kolkrinor ausgehend durch den Boden, und während die Engel gestärkt auf die Beine kamen und jeder Fluch der Hölle von ihnen wich, griff der Zauber nach den Dämonen. Kymbra schoss aus der Menge in die Luft, die Schleier ihres Gewandes erstarrten, als der Frost ihren Körper umfasste, und mit einem entsetzlichen Geräusch zerbrach sie in tausend Scherben. Die Splitter zerfetzten Raars Leib, sodass nichts als sein Umhang zurückblieb, und Ligur verbrannte auf dem gleißenden Boden zu Asche. Allein Pherodos widersetzte sich der Magie der Engel. Brüllend riss er die Arme in die Luft, nur noch schwach züngelten die Flammen über seinen Leib, und als das kalte Gold der Engel an seinen Beinen emporraste und sich in eisigen Haken in sein Fleisch grub, geriet er ins Taumeln. Der entflammte Himmel brach sich in seinen Augen, und wieder erkannte Nando diesen Schimmer der Sehnsucht in seinem Blick. Dann ging ein Ruck durch die Haken in seinem Fleisch, und mit lautem Donnern rissen sie Pherodos auseinander. Sein Blut verwandelte sich noch im Fallen zu Asche, und Nando jagte mitten hindurch, ehe er bei Noemi landete.
    Eilig zog er sie mit sich in die Luft. Sie war gestürzt und hatte sich die Hände an dem glühenden Boden verbrannt, und Nando konnte fühlen, wie sie mit jedem Schritt schwächer wurde. Der rätselhafte Zauber hatte ihr Dämonenblut längst gefunden und griff auch sie mit aller Macht an. Noch tosten die erlöschenden Schemen Raars um sie herum, noch waren sie unbemerkt geblieben, aber schon hob Kolkrinor die Hand und verstärkte den Zauber noch einmal. Noemi schrie auf, mit aller Kraft hielt Nando sie fest, aber es war, als würde die Kälte der Engel sie hinabziehen. Dieser Zauber wollte sie auslöschen wie jede Höllenkraft zuvor, die es gewagt hatte, ihren Fuß in diese gläserne Stadt zu setzen. Hilflos schaute Nando zum Weißen Krieger zurück. Kolkrinors Augen flammten in dem kältesten Gold, das Nando je gesehen hatte, und etwas wie Ehrfurcht ergriff ihn, selbst jetzt noch, da der nächste Fingerzeig dieses Engels Noemis Tod bedeuten konnte. Mit aller Kraft drängte er diesen Gedanken fort und ballte die Faust für einen Zauber. Ein Angriff auf Kolkrinor würde sie unweigerlich enttarnen, das wusste er, doch er hatte keine Wahl. Er musste den Weißen Krieger aufhalten, er durfte nicht zulassen, dass er Noemi tötete!
    Da schoss ein Schemen Raars auf Kolkrinor zu. Mit rascher Geste traf er ihn vor die Brust, ein tiefer Schnitt klaffte im Fleisch des Engels und schwächte den Zauber, der um ihn herum heftig zu flackern begann. Nando sah kaum noch etwas in dem plötzlichen Wirrwarr aus Asche und Lichtfunken, aber er konnte sich nicht abwenden von dem Punkt, den er gerade noch fixiert hatte. Wie all die anderen Schemen hatte der Angreifer ausgesehen, der nun durch den wirbelnden Rauch der zerbrechenden Maskenmänner auf Nando zustob, aber es war keiner von ihnen.
    Die Verkleidung glitt von Avartos’ Körper ab, als er Nando erreichte. Er ergriff Noemi, und Nando folgte ihm so schnell wie möglich über die Dächer. Avartos warf keinen Blick zurück, aber Nando schien es, als würde er nicht nur Noemi vor der Kälte seines Volkes und dem Zorn des Lichts in Sicherheit bringen, der alles, was kein Engel war, aus Nhor’ Kharadhin vertrieb. Weit hinten

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