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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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Engel noch Dämonen sind ihnen bislang entkommen. Seither raunt der Wind der Toten über diesem Feld, als würde das Blut der Engel und Dämonen sich noch jenseits des Lebens in ewigem Zorn bekämpfen.«
    »Dann ist es wahr, was die Legenden erzählen«, sagte Noemi. »Die Ruine Aeresons ist verschwunden, weil die Bosheit in ihren Mauern mit dem Fall ihres Herrn zu Asche zerbrach und jeden Stein, jede Zinne der Festung mit sich riss.«
    Avartos lächelte dunkel. »Du weißt doch, was ich dich lehrte: Nichts verschwindet einfach. Aber es braucht besondere Augen, um ein Wunder wie dieses zu sehen.«
    Der Wind stob ihm ins Gesicht, als er die Hand ausstreckte und einen Zauber sprach. Leise knisternd zogen sich Eiskristalle über seine Finger und glitten dann über eine bis dahin unsichtbare Mauer, die das gesamte Feld umgab. Mit einem Dröhnen drang die Magie des Engels tiefer. Dann zerbrach die Mauer, und dahinter, lauernd wie ein hungriges Tier, lag eine pechschwarze Festung. Nadelspitze Zinnen ragten in den Himmel, der Stein glänzte wie polierter Marmor, doch es gab keine Fenster, keine Türen, noch nicht einmal feinste Fugen in dem riesigen Gebäude. Nichts als Finsternis war es, die über die glatten Mauern zog, und Nando spürte den Wind nicht mehr, der sich in seinem Haar verfangen hatte. Alles, was er wahrnahm, war die Stille, die in diesen Mauern hauste – eine reglose, glasklare Stille.
    »Aereson«, sagte Avartos. Seine Stimme klang rau und ehrfürchtig zugleich. »Die Feste des Lichts. Lange vor Askramars Krieg stand sie schon an diesem Ort, errichtet von den ersten Engeln dieser Welt, und selbst die Bosheit des Hexenmeisters konnte ihre Mauern nicht dauerhaft vernichten. Sie errichtete sich neu, Stein für Stein. Für kurze Zeit lebte der einstige Magistrat Nhor’ Kharadhins darin, doch es hielt ihn nicht lange in der Dunkelheit, und als er Aereson verließ, verschloss sie sich endgültig vor der Welt. Kein Engel Nhor’ Kharadhins hat sie seither mehr betreten – es sei denn, er wurde gerufen.«
    Noemi warf ihm einen Blick zu. »Gerufen von wem?«
    »Das weiß niemand«, entgegnete der Engel. »Von der Dunkelheit, sagen die einen. Vom Licht, behaupten die anderen. Und viele glauben, dass der Ruf von jenen erfolgt, die nun in dieser Festung leben und sie in ein Kloster verwandelt haben – die mächtigen, sagenumwobenen Brüder des Lichts.«
    Der Wind nahm zu, für einen Moment schien es, als würde er ein Lachen mit sich tragen, ein halb wahnsinniges, verfluchtes Lachen aus der Finsternis der Festung. Dann erstarb jeder Luftzug, und die Stille, die gerade noch im Inneren der Mauern gelauert hatte, kroch aus der Dunkelheit über das Feld.
    »Wie einladend«, murmelte Kaya und wich vor dem namenlosen Nichts zurück.
    Nando fühlte dessen Berührung, als wollte ein blinder Sterbender sein Gesicht erkunden. Er hatte von den Brüdern des Lichts gelesen, wusste, dass es kaum eine Waffe gab, die diesen mächtigen Engeln etwas anhaben konnte, und keinen Engel Nhor’ Kharadhins, der nicht beim Klang ihres Namens erschauderte. Die Brüder des Lichts empfingen nie jemanden, nur mitunter, das hatte er auch gehört, soll es vorgekommen sein, dass sie jemanden riefen – vielleicht in dessen Träumen. Doch an diesen Mauern verlor sich jede Spur.
    Noemi zog die Arme um den Körper, als wollte sie sich der Kraft dieses Ortes verschließen. Dunkler Trotz trat auf ihre Züge. »Ein mächtiger Zauber hält die Schatten fern. Ich kann den Wall spüren, den die Brüder des Lichts um ihre Mauern gezogen haben. Er ist stark genug, um den Schergen der Hölle starke Schmerzen zuzufügen.« Sie lächelte kaum merklich, als Kaya sie verständnislos ansah.
    »Du guckst aus der Wäsche, als wären das gute Neuigkeiten«, sagte die Dschinniya und schnaubte missmutig. »Dabei kann ich mir Schöneres vorstellen, als bei lebendigem Leib gebraten zu werden. Oder zerrissen. Oder was auch immer dieser Zauber mit einem anstellen kann.«
    Noemi verstärkte ihr Lächeln. »Er richtet sich nicht gegen Wesen wie uns. Und so gefährlich dieser Ort sein mag, eines zeigt er doch: etwas, das kein Engel jemals von den Brüdern des Lichts gedacht hätte.« Sie schwieg, bis Avartos sie ansah. »Sie schützen sich«, fuhr sie dann fort. »Also sind auch sie nicht ohne Furcht.«
    Für einen Moment wich die Kälte aus Avartos’ Augen. »Ich weiß nicht, was Hadros an diesem Ort suchte. Aber wir werden es herausfinden.«
    Dann wandte er sich ab und

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