Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
Vom Netzwerk:
glänzte ein Messer.
    »Verfluchte Sklaven des Lichts!« Nandos Stimme zerbrach die Stille. Er hatte die Fäuste geballt, die eisige Glut der Fesseln brannte sich in sein Fleisch, doch er schien es nicht zu bemerken. »Wir sind nicht gekommen, um euren Frieden zu stören, wir wollten euren Glauben nicht anzweifeln! Wir sind auf der Suche nach … «
    Der Zauber des Mönchs traf ihn so heftig, dass er augenblicklich verstummte. Blau glühend umfasste er Nandos Kehle und erstickte jedes Geräusch. Keuchend stieß der Junge die Luft aus, Avartos konnte fühlen, wie sich sein Herz im Griff der Kälte zusammenzog.
    »Narr«, zischte der Mönch, der nun mit erhobenem Messer auf den Sohn des Teufels zutrat. »Niemand setzt einen Fuß in diese Hallen, wenn er nicht gerufen wurde. Niemand, Höllenkind! Kein Engel, kein Mensch, kein Dämon, kein Teufelssohn! Hier enden die Schatten, hier beginnt das Licht! Auch du wirst brennen in seinem Glanz, und dann gibt es keine Rückkehr mehr für dich! Dann wirst auch du in ewigem Feuer stehen – wie wir alle!«
    Avartos sah, wie er das Messer über Nandos Wange zog und ein blutiges Rinnsal hinterließ. Doch der Mönch schnitt nicht tief. Kurz nur hielt er inne, als er das rote Rinnsal über die Haut des Nephilim fließen sah. Dann kehrte er ohne ein weiteres Wort zu Noemi zurück. Avartos riss den Blick von Nando los. Er durfte diesen Engeln nicht begegnen wie damals in den Katakomben der Stadt. Mit aller Kraft drängte er seinen Zorn zurück und stieß ihn hinab in die Kälte seines Inneren, die ihn umgehend ruhiger atmen ließ.
    Seine Fesseln waren stark, gewebt aus den Funken, die den Schatten trotzten. Doch auch er selbst war ein Geschöpf des Lichts. Er hatte die Schlange von Bagdad mit bloßen Händen zerrissen und die Ghule der Wälder im Norden gelehrt, was Furcht bedeutet. Er war in die Ruinen unter Moskau hinabgestiegen, um den Lindwurm zu jagen, und er hatte den Kopf des letzten Basilisken der lichten Welt mit einem einzigen Hieb von dessen Leib getrennt. Für sein Volk hatte er das getan, und das alles nur aus einem einzigen Grund: weil er ein Krieger und ein Jäger war. Und er hatte ein Ziel.
    Lautlos kam der Zauber über seine Lippen. Er spürte seine Kraft wie Dolche aus Eis durch seine Adern rasen. Entschlossen ballte er die Fäuste, er würde nicht dulden, dass diese Fesseln ihn an einen Felsen ketteten wie einen gefallenen Gott der Menschen! Sein Zauber entlud sich in die metallenen Streben, ein ohrenbetäubendes Donnern ging durch den Raum, und für einen Moment meinte Avartos, frei zu sein. Er riss die Arme empor, schnell sprang er von dem Podest, doch ehe er auch nur die Faust für einen Angriff heben konnte, schlossen sich die Fesseln erneut um seine Glieder und rissen ihn zurück.
    »Kein Zauber bezwingt dieses Licht«, grollten die Stimmen der Engel durch den Raum, und im selben Moment senkten sich winzige metallene Klammern auf Noemis Augen und öffneten gewaltsam ihre Lider. Ein Ton drang aus ihrer Kehle, kaum mehr als ein Hauch war es, aber Avartos spürte ihn wie einen Stich, und ebendiese Berührung war es, die etwas in ihm aufriss. Tosende Glut durchstieß seinen Frost und trieb durch seinen Leib. Das Messer des Engels senkte sich auf Noemi nieder, Avartos fühlte seine Kälte wie einen stechenden Hieb.
    Nein , schoss es ihm durch den Kopf. Er würde nicht dulden, dass sie diesem Licht geopfert wurde – nicht, solange er ihren Herzschlag an seinen Fingern fühlte! Übermächtig ließ er dieses Pulsen durch seinen Körper fließen, und dann, mit einem gewaltigen Schrei, entließ er die Glut in seinem Inneren und riss die Arme empor.
    Klirrend zerbrachen die Fesseln, fielen von ihm ab wie verbrennendes Papier, und als die Engel herumfuhren, wich er ihren Zaubern aus, als wären sie nicht mehr als Kinderstreiche. Rasend schnell jagte er durch die Luft, zwei von ihnen schlug er zu Boden, ehe sie ihn mit ihren Blicken umfassten, und als ein weiterer ihn packte, verbrannte dieser sich die Hand – verbrannte sich an ihm, als hätte er in verfluchtes Feuer gefasst! Avartos starrte auf die verkohlten Finger des Engels, er erinnerte sich gut daran, wie oft er solche Verbrennungen gesehen hatte, damals, als er noch auf der anderen Seite gestanden hatte, damals, als er den Dämonen noch als Feind begegnet war. Das Licht konnte vieles ertragen, aber nicht diese Art der Glut. Er hatte sie nie verstanden, und nun, da sie ihn durchpulste, erschrak er für einen Moment.

Weitere Kostenlose Bücher