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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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War er so tief in die Schatten gefallen, dass er einer von ihnen geworden war? Entschlossen drängte er den Gedanken beiseite, doch sein Zögern blieb nicht ohne Folgen.
    Krachend traf ihn der Zauber zweier Mönche und warf ihn zu Boden. Sein Kopf wurde in den Nacken gerissen, er meinte schon, das Messer im Fleisch zu spüren, doch da ging ein heftiger Schwingenschlag durch den Raum und traf den Engel, der ihm am nächsten stand. Avartos atmete heftig ein, so kalt war die Klaue gewesen, die eben noch seine Kehle umfasst hatte, und er sah die Gestalt, die plötzlich vor ihm stand – hoch aufgerichtet in einem wehenden Umhang, die Fäuste zum Kampf erhoben. Zischend rasten die Zauber der Engel auf sie zu, doch sie erwischte drei von ihnen mit einem Wirbelschlag und warf dann den Umhang zurück. Ein Amulett funkelte auf ihrer Brust, sein Glanz flammte in rotem Schein auf und traf die Engel, die ehrfürchtig zurückwichen. Die Gestalt ließ die Fäuste sinken, und noch ehe sie sich die Kapuze vom Kopf zog, wusste Avartos, wen er vor sich hatte.
    Carmenya.
    Ihre Augen glommen auf, als sie auf ihn zutrat, und in einem irrsinnigen Moment glaubte er, dass sie die Faust heben und ihn mit einem tückischen Zauber erschlagen würde. Doch sie lächelte nur, spöttisch und mit diesem Glühen weit hinten in ihren Pupillen, das mehr war als Abwehr und Zorn. Eine stille Verzweiflung und Einsamkeit lag darin, ein Ruf, der nie gehört worden war, und auch wenn Avartos diesen Ausdruck nicht deuten konnte, fühlte er plötzlich etwas wie Verbundenheit mit der Kriegerin, die vor ihm stand.
    Mit einer Handbewegung löste sie die Fesseln um Nandos und Noemis Körper und wandte sich zu den Mönchen um.
    »Kerem’ Yon«, raunte sie in der Alten Engelsprache, und Avartos schauderte wie ein Menschenkind, als er die Worte hörte. Nur wenige Engel verwendeten diese Sprache der Ersten Zeit, und er konnte sich nicht gegen die Ehrfurcht wehren, die ihn bei ihrem Klang ergriff. Kein Wort , bedeuteten sie, und Avartos wusste, was Carmenya den Brüdern des Lichts damit sagen wollte: Kein Wort darüber, was hier geschah, wird diese Mauern jemals verlassen. Zustimmend, beinahe demütig neigten die Mönche die Köpfe, ehe Carmenyas Blick sich wieder auf Avartos richtete.
    »Er wird entscheiden«, sagte sie mehr zu sich selbst als zu den Engeln.
    Dann wandte sie sich ab. Avartos half Noemi auf die Beine. Sie war unverletzt, ebenso wie Nando, der schnell von seinem Podest sprang und den Bannzauber von der Geige löste. Mit zerzaustem Fell schoss Kaya daraus hervor und ballte die Fäuste, als wollte sie sich ohne Rücksicht auf Verluste auf den nächstbesten Engel stürzen. Die Mönche jedoch standen völlig regungslos, und obwohl Avartos ihre Blicke feindselig auf seiner Haut spürte, richteten sie keinen Zauber gegen ihn. Carmenya schritt an ihnen vorüber zu einer der Nischen und blieb davor stehen. Dann hob sie die Hand und entfachte rotes Feuer, das den Aufgang einer Wendeltreppe offenbarte. Halb wandte sie den Blick zurück.
    »Folgt mir«, sagte sie, ohne einen von ihnen anzusehen. »Folgt mir zu dem, den ihr sucht.«

18
    Die Stille der Katakomben umschloss Nando wie ein Kokon. Noch immer erfüllte ihn die Kälte des Lichts, die er in sich geschürt hatte, um sich von den verfluchten Fesseln zu befreien, und die Wärme des Feuers, das Carmenya vor sich trug, drang nur langsam zu ihm durch. Sogar der Schmerz in seinen Gliedern war dumpf, als gehörte er nicht zu ihm, und selbst als er den Blick in die Schatten richtete, die leise flüsternd in den Nischen der Grabkammern lagen, konnte er den Gedanken an die schwarzen Augenhöhlen der Mönche und den leeren Schrein aus Licht nicht zurückdrängen.
    Kaya schlang fröstelnd die Arme um den Körper, obwohl sie so dicht neben dem Feuer schwebte, dass ihr Fell sich im Strom der Flammen bewegte. Der Bann der Mönche machte ihr noch zu schaffen, und sicher hätte sie sich angesichts der finsteren Gänge lieber in die Geige zurückgezogen. Aber größer als ihre Furcht war ihre Sorge um Nando und der feste Wille, ihm beizustehen. Er lächelte unmerklich. Es gab nur wenige Dinge, die stärker waren als der Wille einer Dschinniya. Auch Noemi schien zu frieren, immer wieder zog sie die Schultern an, als würde der Einfluss der Mönche nur langsam aus ihrem Körper weichen. Avartos hielt sich in ihrer Nähe, und wiederholt kam es Nando so vor, als wollte er das Wort an sie richten, nur um im letzten Moment

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