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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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vorsichtig. »Ich meine … «
    Ein Lächeln spielte in ihren Mundwinkeln, als sie seinen Blick erwiderte. »Du willst wissen, wer ich bin, und ich sage es dir. Ich bin seine Tochter.«
    Avartos sah sie so abrupt an, dass Nando beinahe lachen musste. Doch dann erinnerte er sich daran, was er über die höchsten Krieger der Königin wusste. Niemals, hatte er gelesen, gründeten sie eine Familie. Ihr Lebensinhalt war der Kampf für das Licht, es gab keinen Platz für etwas anderes neben ihm.
    Carmenya schaute in die Schatten, als würde sie darin lesen. »Für euch ist er der strahlende Krieger des Lichts, der Held aller Engel, der den Teufel verwundete und als mächtiger Jäger zahlreiche Dämonen vernichtete. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich eine andere Seite von ihm kenne, dass er für mich ein Vater war. Aber das kann ich nicht. Hadros ist immer der aufrechte Krieger gewesen, den alle Engel kannten, auch und gerade für mich.« Sie hielt kurz inne, ein weicher Zug ging über ihr Gesicht wie eine Erinnerung, die zugleich tröstlich und schmerzhaft war. »Meine Mutter hingegen kannte ihn besser.«
    Sie strich mit den Fingern durch die Flammen, die zärtlich über ihre Haut leckten. »Sie lebte in den Armeon Rhay«, fuhr sie fort, und während sie sprach, formte sich das Feuer zu fruchtbaren Hängen mit urwüchsigen Pflanzen und zerklüfteten Felsen. Wilde Tiere brachen durch das Unterholz des Dschungels, und Vogelschwärme durchzogen den Himmel, der sich über dem weiten Land erstreckte. Nando hatte von den Armeon Rhay gelesen – den Landen der Farben, die einst zu den schönsten Gegenden der Schattenwelt gehörten und mit den Kriegen nach und nach zur Wüste des Lichts wurden, die Nhor’ Kharadhin weithin umschloss. Noemi schaute ebenso wie Kaya mit sichtlicher Hingabe auf die ungebändigte Natur, und etwas Schattenhaftes hatte sich in Avartos’ Blick verfangen – etwas, das Nando nie zuvor an ihm bemerkt hatte. Doch kaum dass der Engel seinen Blick bemerkte, verschränkte er die Arme vor der Brust und verbarg jede Regung hinter seiner Maske aus Eis.
    »Ihr Name war Ranja Mhayar Orenthos«, fuhr Carmenya fort. »Sie war in den Hängen Thorrens aufgewachsen und später am See Yriahrs heimisch geworden – eine jener Gegenden, die sich länger als manch andere erfolgreich gegen die wachsende Wüste zur Wehr setzten. Es heißt, dass die Wellen dort, wenn es dämmerte, das Licht der Sterne fingen und das Wasser glühen ließen, als hätte es aus blauem Feuer bestanden.«
    Nando sah Ranjas Gestalt so deutlich vor sich, als würde er neben ihr am Ufer des Sees stehen. Ihr dunkles Haar glich dem ihrer Tochter, und ihr Lächeln war warm wie das Licht ihrer Augen.
    »Sie war allein«, sagte Carmenya. »Doch sie war niemals einsam, und als eines Tages ein Krieger der Königin zu ihr kam, der auf dem Weg nach Norden bei ihr rasten wollte, hätte sie ihn am liebsten wieder fortgeschickt. Er war ein mächtiger Ritter der Garde, gefeiert von seinem Volk, gefürchtet von seinen Feinden, und sie hatte schon viele Geschichten über seine Taten gehört. Dennoch zeigte sie sich unbeeindruckt, denn ihr Herz war nicht mit dem Schwert zu erobern und auch nicht mit der rastlosen Kälte in seinem Blick. So trat sie ihm gegenüber, als er mit der Arroganz der Königlichen Krieger um ein Nachtquartier ersuchte, und bot ihm ein Lager auf dem Boden ihrer Hütte – unerschütterlich in der Überzeugung, dass er sich niemals dazu herablassen würde, ein so schäbiges Bett zu wählen und stattdessen lieber weiterziehen würde in die nahe gelegene Stadt Rhuust.«
    Nando sah den stolzen Engelskrieger vor sich, der hoch zu Ross auf Ranja niederschaute. Irgendetwas lag in ihren Augen, das ihn an Noemi erinnerte und ihn selbst jetzt, da er noch immer so stark die Kälte seines Oreymons in sich fühlte, mit glühender Schärfe traf.
    »Doch er blieb«, fuhr Carmenya fort.
    Ranja wich keinen Schritt zurück, als der Krieger sich von seinem Pferd schwang, und öffnete ihm wortlos die Tür. Das Licht ihres Hauses fiel warm in die Nacht.
    »Irgendetwas, so sagte meine Mutter, rührte an ihr, als der Krieger in jener ersten Nacht bei ihr schlief. Er hatte sein Lager auf dem Boden bereitet, doch er schreckte hoch in tiefster Finsternis, erwacht aus Träumen, die so entsetzlich waren, dass sein Schrei meine Mutter aus dem Schlaf riss. Instinktiv eilte sie zu ihm, und obwohl er sie abwehrte, schaute sie ihm in die Augen. In diesem Moment, so

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