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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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jetzt hörte Nando ihn auch, diesen hohen Ton magisch aufgeladenen Metalls.
    Carmenya nickte düster. »Diese Gänge sind voll davon.« Ohne ein weiteres Wort ging sie in die Knie. Sie betastete den Boden, presste beide Hände auf einen abgenutzten Stein, murmelte etwas – und ließ die Fäden zischend in den Wänden verschwinden.
    Avartos holte tief Atem. »Es wäre sehr freundlich, wenn Ihr Euer Wissen über diese Gänge mit uns teilen würdet. Dann könnten wir … «
    Er hatte gerade einen Schritt in den Gang hineingesetzt, als ein Beben hindurchging, so heftig, dass Nando beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Im letzten Moment wich er den Klingen aus, die plötzlich von beiden Seiten aus den Wänden schossen. Magie loderte in ihnen, mächtig genug, um bei bloßer Berührung tief zu verletzen. Nando rollte sich über den Boden, spürte den Luftzug der Waffen dicht an seinem Nacken und sprang eilig auf die Beine. Aus dem Augenwinkel sah er, wie auch Avartos und Noemi den metallenen Klingen auswichen und Carmenya erneut nach einem Stein im Boden griff. Kaya hatte sich rasend schnell in die Geige verzogen, und Nando drehte sich um sich selbst, um einer Klinge zu entgehen. Er sah das Blitzen des Metalls, meinte schon, es an seiner Haut zu spüren – und da ging ein Knirschen durch den Gang, und die Waffen verharrten in der Luft.
    »Verflucht, was … «, begann Avartos, aber ehe er seinen Satz beenden konnte, warf Carmenya ihm einen zornigen Blick zu.
    »Ihr kennt diesen Ort nicht«, zischte sie und kam so schnell auf die Beine, dass er vor ihr zurückwich. »Es gibt keine Worte für das, was hier lauert! Bleibt hinter mir, Engel des Lichts, wenn Euch das Leben lieb ist!«
    Nando rechnete damit, dass Avartos dem Zorn in seinem Blick Ausdruck verleihen würde, doch stattdessen stieß der Engel nur die Luft aus und schwieg. So vorsichtig wie möglich gingen sie weiter.
    Immer wieder blieb Carmenya stehen und schickte Zauber voraus, und nicht nur einmal hörte Nando das mechanische Einrasten tödlicher Fallen. Schließlich blieb Carmenya stehen und fuhr mit flammender Hand über den rauen Stein der Wand. Sofort verkohlte er wie trockenes Laub, und darunter lag eine dunkle, glänzende Substanz – ein Netz geheimnisvoller Zeichen, das sich unter der Haut der Katakomben verbarg. Flüsternd drangen fremdartige Worte über Carmenyas Lippen, und Nando sah zu, wie verkrustete Adern unter ihren Fingern zum Leben erwachten. Schwarzes Blut brach in ihnen auf, verfärbte sich rot und erhellte knisternd den Gang, der vor ihnen lag. In ausgetretenen Stufen führte er abwärts bis zu einem Rollstein, der aufleuchtete und zischend zerbrach. Dahinter lag tiefste Finsternis, aber eine Kälte zog aus der Schwärze zu ihnen heraus, dass sich die Wände des Ganges mit Eisblumen überzogen.
    Selbst Carmenyas Anspannung war greifbar, als sie durch den Schlund traten. Nando rechnete damit, dass das Licht des Ganges die Dunkelheit auf der anderen Seite durchbrechen würde, doch stattdessen wurde jeder Funke von der Schwärze erstickt. Wie erblindet starrte er in diese Nacht, als ein Knistern ihn zusammenfahren ließ. Funkelnd bildete sich der Stein hinter ihnen neu. Noch einmal glomm er auf und riss das Feuer aus Carmenyas Hand. Dann erlosch er wie erkaltete Asche und ließ nichts als Dunkelheit zurück.
    Kurz war es totenstill. Drohend schloss sich die Finsternis um Nandos Kehle, er meinte, entstellte Fratzen in ihr erkennen zu können, doch da begann Carmenyas Amulett zu leuchten. Zärtlich glitt der Schein über ihr Gesicht, sie lächelte, als hätte eine sanfte Berührung sie gestreift. Dann wurde das Licht gleißend hell. Nando kniff die Augen zusammen, als es wie ein Sturm hervorbrach und ihn einhüllte, und er hörte das Kreischen der Schatten, die in seinem Glanz zerrissen wurden. Jede Finsternis wurde von dem Zauber verschlungen, und als der Sturm nachließ und Nando auf die Knie sank, blieb ein Dämmerlicht zurück, das aus einigen Zeichen im Boden brach. In filigranen Mustern liefen sie durch den Raum, umkreisten die Säulen, die die Decke hielten, und erreichten schließlich einen mächtigen Thron. Und darauf, regungslos wie aus Stein, saß ein Engel.
    Er hielt den Kopf so tief geneigt, dass Nando seine Augen nicht sehen konnte. Langes dunkles Haar fiel ihm in die Stirn, Narben zierten seine Arme, und auf seiner Brust prangte das Zeichen eines fliegenden Falken. Gläserne Tanks mit Laskantin standen hinter ihm, unzählige

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