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Die Deutschen

Die Deutschen

Titel: Die Deutschen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Artur Müller
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Proletariats enden würden. 1895 schreibt Engels – Marx war bereits gestorben –, daß die Geschichte ihm und Marx und allen, die ähnlich dachten, im Jahre 1848 unrecht gegeben habe, da der Stand der ökonomischen Entwicklung in Europa damals bei weitem nicht reif gewesen sei für die Beseitigung der kapitalistischen Produktion. Außerdem erklärte Engels, der gemeinsam mit Marx aus den revolutionären Kämpfen der Pariser Kommune das strategische und taktische Rüstzeug für jede kommende Revolution geschöpft hatte:
    »Die Rebellion alten Stils, der Straßenkampf mit Barrikaden … war bedeutend veraltet.« Engels führt weiter aus, daß alle Bedingungen auf seiten der Insurgenten schlechter geworden seien. »Machen wir uns keine Illusionen«, sagt er wörtlich, »ein wirklicher Sieg des Aufstandes über das Militär im Straßenkampf gehört zu den größten Seltenheiten … Wo es sich um vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt … Damit aber die Massen verstehen, was zu tun ist, bedarf es langer, ausdauernder Arbeit, die wir jetzt betreiben, und das mit einem Erfolg, der die Gegner zur Verzweiflung bringt.« Engels versteht unter dieser »ausdauernden Arbeit« die Mobilisierung der Arbeiter für den Gebrauch des Stimmzettels, und den Erfolg sieht er im stetigen Anwachsen der Stimmen für die Sozialdemokratie. Damit, meint Engels, sei eine ganz neue Kampfweise des Proletariats wirksam geworden, die sich rasch weiterausbilde. Engels zog einen Vergleich dieser Entwicklung mit dem Kampf und Sieg des Christentums im übermächtigen römischen Weltreich. Nach Verfolgungen (sind sie mit dem Sozialistengesetz gleichzusetzen?) habe ein römischer Kaiser selbst das Christentum zur Staatsreligion proklamiert.
    Rosa Luxemburg zog auf dem Gründungsparteitag der kpd, Ende Dezember 1918, Friedrich Engels zur Rechenschaft. Sie erklärte: »Hier, Parteigenossen, legt Ihnen Engels dar mit aller Sachkenntnis, die er auch auf dem Gebiet der Militärwissenschaft hatte, daß es ein purer Wahnsinn ist zu glauben, das arbeitende Volk könne bei der heutigen Entwicklung des Militarismus, der Industrie und der Großstädte Straßenrevolutionen machen und dabei siegen.« Aber Rosa Luxemburg ist überzeugt, das spricht sie gleichzeitig aus, daß Engels, hätte er lange genug gelebt, gegen die »Versumpfung der Arbeiterbewegung durch den Nur-Parlamentarismus mit aller Kraft protestiert und den Karren zurückgerissen hätte«.
    Haben Marx und Engels den Ausbruch einer Revolution noch lediglich unter großen historischen Perspektiven analysiert beziehungsweise prophezeit, so geht Lenin einen wesentlichen Schritt weiter. Er diagnostiziert den Zeitpunkt für den Ausbruch einer Revolution geradezu auf die Minute. Die Bedingungen, unter denen eine konkrete revolutionäre Situation gegeben ist, bezeichnet Lenin folgendermaßen:
    »1. Für die herrschenden Klassen ist es unmöglich, ihre Herrschaft unverändert aufrechtzuerhalten … Damit es zur Revolution kommt, genügt es in der Regel nicht, daß die ›unteren Schichten‹ in der alten Weise ›nicht leben wollen‹, es ist außerdem erforderlich, daß die ›oberen Schichten‹ in der alten Weise ›nicht leben können‹.
    2. Die Not und das Elend der unterdrückten Klassen verschärfen sich über das gewohnte Maß hinaus.
    3. Infolge der erwähnten Ursachen steigert sich erheblich die Aktivität der Massen, die sich in der ›friedlichen‹ Epoche ruhig ausplündernlassen, in stürmischen Zeiten dagegen sowohl durch die ganze Krisensituation als auch durch die ›oberen Schichten‹ selbst zu selbständigem Handeln gedrängt werden.
    Ohne diese objektiven Veränderungen, die unabhängig sind vom Willen nicht nur einzelner Gruppen und Parteien, sondern auch einzelner Klassen, ist eine Revolution – in der Regel – unmöglich. Die Gesamtheit dieser objektiven Veränderungen wird denn auch revolutionäre Situation genannt.«
    Ohne diese konkrete objektive revolutionäre Situation gibt es, sagt Lenin, keine Revolution. Ist sie aber gegeben, wäre es ein Verbrechen, die Revolution nicht durchzuführen.
    Die großen marxistischen Theoretiker Marx, Engels und Lenin gingen in ihren Schriften und Reden über die Möglichkeiten der Revolution von zwei Vorstellungen aus: von der historischen Zwangsläufigkeit der Revolution auf Grund der fortschreitenden Widersprüche des

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