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Die Eiserne Festung - 7

Die Eiserne Festung - 7

Titel: Die Eiserne Festung - 7 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Weber
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-, dass Prinzessin Ohlyvya ebenso angewidert ist wie Cayleb oder Sharleyan ob der Art und Weise, in der Clyntahn und Trynair die Autorität der Kirche und den Glauben eines jeden Safeholdianers ausnutzen und missbrauchen. Weiterhin weiß ich, dass Euer Abscheu angesichts der so offenkundigen Korruption und der Neigung zur Tyrannei der ›Vierer-Gruppe‹ ungleich größer ist, als Ihr eigentlich irgendjemanden wissen lassen wollt. Was nicht weiter verwunderlich ist ob dieses Rufes als zynischer, pragmatischer, skrupelloser Politiker, den Ihr so lange gezielt kultiviert habt, Euer Hoheit.« Er gestattete sich ein kleines Lächeln, als Nahrmahn ihn geringfügig beleidigt anblickte. Keine Spur dieser Belustigung jedoch schwang in seinem Tonfall mit, als er fortfuhr. »Aber was keiner von Ihnen beiden ahnt, ist, dass die ›Vierer-Gruppe‹ beileibe nicht die Ersten sind, die den Glauben aller Safeholdianer für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Tatsächlich folgen sie einer Tradition, die bereits vor dem Tag der Schöpfung begründet wurde.«
    Gleichzeitig richteten sich der Prinz und die Prinzessin auf. Beider Augen weiteten sich verwirrt, und nun war Merlins Lächeln viel, viel grimmiger.
    »Wisst Ihr, vor mehr als tausend Jahren ...«
    Als Merlin zwei Stunden später seine Erklärung geendet hatte, lag drückendes Schweigen über dem Speisesaal. Das schwache, eisige Seufzen des Winterwindes, der über Simse, Zinnen und Giebel strich und mit unsichtbaren Fingern gegen die geschlossenen Fensterläden klopfte, war deutlich zu hören.
    Nahrmahn und Ohlyvya Baytz saßen Seite an Seite. Seit Merlin zu seiner Erklärung angehoben hatte, hielten sie einander die Hand. Ohlyvyas Augen wirkten im Schein der Lampen wie riesige, dunkle Seen. Ihr Blick war fest auf den Kommunikator gerichtet, den kompakten Holo-Projektor und die nun ungeschützte Klinge des Wakizashi, die auf dem Tisch vor ihr lagen. Während Merlin sie anschaute, fragte er sich, welches der High-Tech-Beweisstücke, die er vorgebracht hatte, um seiner fantastischen Geschichte zumindest ein wenig Glaubwürdigkeit zu verleihen, sie wohl am überzeugendsten fand. Er vermutete, in mancherlei Hinsicht sei es wohl das Wakizashi. Der Kommunikator und der Projektor sahen schon fremdartig aus, vielleicht sogar nach Zauberwerk. Für das Wakizashi galt das nicht. Und doch hatte sie mit eigenen Augen gesehen, wie Merlin mit der unfassbar scharfen Klinge lange Metallstreifen vom Schürhaken des Kamins im Speisesaal geschnitten hatte. Dass das Wakizashi eben nicht fremdartig aussah, machte es ganz offenkundig nur noch umso ... beeindruckender.
    Und ich sollte auf jeden Fall darauf achten, dass niemand diesen Schürhaken zu Gesicht bekommt, nahm er sich vor. Lieber sollen die Dienstboten sich fragen, wo der nun wieder abgeblieben ist, als dass sie das Teil finden, zerschnippelt wie eine Weihnachtsgans.
    Kurz durchzuckte ihn Wehmut, als ihm bewusst wurde, welchen Vergleich er hier gewählt hatte, und fragte sich, ob es wohl die Zusammenfassung der wahren Geschichte der Menschheit gewesen war, die ihn auf derartige Gedanken gebracht hatte.
    Nahrmahns Miene war deutlich weniger vielsagend als die seiner Gemahlin. Ihre Verwunderung und ihr Blick, so fassungslos, als hätte sie einen Geist gesehen, waren unverkennbar. Nahrmahns Augen wirkten lediglich sehr nachdenklich. Die Lippen hatte er geschürzt, als denke er über ein ganz alltägliches Problem nach, nicht über eine gänzlich grundlegende Veränderung des gesamten Universums, das in Wahrheit überhaupt nicht so war, wie er sich das immer vorgestellt hatte.
    »Und?«, brach Cayleb schließlich leise das Schweigen.
    Ruckartig hob Ohlyvya den Kopf, ihr Blick zuckte zum Kaiser hinüber, fast so hektisch wie bei einem verschreckten Kaninchen. Nahrmahn richtete lediglich den Blick auf seinen Kaiser. Doch gleichzeitig legte der Fürst von Emerald auch noch die andere Hand auf den Handrücken seiner Frau. Sanft tätschelte er sie, dann schaute er zu Merlin.
    »Dann waren es doch nicht nur die Leibgarden Ihrer Majestät, die ihr das Leben gerettet haben, nicht wahr, Seijin Merlin?«, fragte er mit ruhiger Stimme. »Nicht nur.«
    »Nein, Euer Hoheit, nicht nur.« Merlin sprach leise, seine saphirblauen PICA-Augen wirkten dunkel. »Aber ohne sie wäre ich zu spät gekommen ... und es ist meine Schuld, dass so viele von ihnen das Leben verloren haben. An dem Tag habe ich wirklich alles andere als gute Arbeit geleistet.«
    Unruhig rutschte

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