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Die Eiserne Festung - 7

Die Eiserne Festung - 7

Titel: Die Eiserne Festung - 7 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Weber
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keinen Moment daran, dass Nahrmahn an Eurer Stelle genau das Gleiche täte. Und«, sie blickte Sharleyan geradewegs in die Augen, »für mich gilt das ebenso. Also ist es wohl gut, um unser aller willen, dass Ihr das nicht werdet tun müssen.«
    »Nicht?«, fragte Cayleb leise, und Ohlyvya schüttelte den Kopf.
    »Euer Durchlaucht, wäre Nahrmahn geneigt gewesen, Euch als Ketzer und Dämonenanbeter zu denunzieren, hätte er das in dem Augenblick getan, als Ihr ihm sagtet, Seijin Merlin habe Visionen. Ihr hättet ihm gar nicht erst zu erzählen brauchen, dass der Seijin auch durch die Luft fliegen kann und nicht auf solche unbedeutenden Kleinigkeiten angewiesen ist wie, ach, sagen wir doch einfach: Atemluft. Schon ganz zu Anfang war meinem Mann bewusst, dass hier ungleich mehr vor sich geht, als die ›Vierer-Gruppe‹ auch nur erahnt. Von jenem Augenblick an wusste er, dass Merlin ein unnatürliches Wesen ist. Und ich bezweifle nicht, dass ihm die Warnung der Heiligen Schrift, derartige Wesen würden Shan-wei zu Diensten sein, durch den Kopf gegangen ist. Dieser Kopf ist ziemlich leistungsfähig, wisst Ihr?«
    Wieder lächelte sie und schüttelte in Nahrmahns Richtung den Kopf. Doch ihr gelang das Kunststück, gleichzeitig immer noch Cayleb anzublicken, während sie weitersprach.
    »Ich kennen meinen Mann«, sagte sie schlicht. »Und auch wenn ich nicht bezweifle, dass der Seijin ihn die ganze Zeit über beobachten konnte, weiß ich, dass es Nahrmahn gelungen wäre, Euch zu verraten, wenn er Euch und Merlin für Diener Shan-weis hielte. Vielleicht hätte er das letztendlich nicht überlebt. Aber es wäre ihm gelungen. Nun, da Ihr ihn selbst deutlich besser kennt als früher, werdet Ihr vermutlich auch erkennen, dass er es auch dann getan hätte, wenn ihm völlig bewusst gewesen wäre, dass er es nicht überleben würde. Wäre er überzeugt, Ihr wolltet die ganz Welt an die Dunkelheit verraten, hätte das für ihn keine Rolle gespielt.«
    Bemerkenswert, welchen interessanten Rot-Ton Nahrmahns Gesicht annehmen kann!, ging es Merlin durch den Kopf. Doch der rundliche Fürst verzog keine Miene.
    Und bei Gott, sie hat wirklich Recht, was ihn betrifft, setzte Merlin seinen Gedanken fort. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, da hätte ich das noch nicht für möglich gehalten, aber sie hat Recht. Wenn er das wirklich angenommen hätte, hätte er uns zu verraten gewusst.
    »Zufälligerweise«, fuhr Ohlyvya fort, »setze ich beachtliches Vertrauen in sein Urteilsvermögen. Nun, er ist nicht unfehlbar und hat auch schon reichlich Fehler gemacht. Aber es waren doch deutlich weniger Fehler als bei einer ganzen Menge anderer Fürsten, die ich aufzählen könnte. Und in diesem Falle deckt sich, so will mir scheinen, das Urteil, zu dem er gekommen ist, ganz mit dem meinen.«
    Sie blickte Staynair an.
    »Eure Eminenz, ich würde wirklich gern die Gelegenheit nutzen, mich mit einigen dieser anderen heiligen Schriften zu befassen, die Ihr erwähnt hattet. Ich werde gewiss, wenn das erst einmal geschehen ist, noch unzählige weitere Fragen haben. Aber ich war bereit, Euch zu vertrauen, als Ihr Euch gegen den Tempel gestellt habt. Ich bin Euch und Eurem Glauben gefolgt, als Ihr die Art und Weise zurückgewiesen habt, wie Mutter Kirche die Heilige Schrift auslegt - diese einzige Heilige Schrift, die ich kannte. Ich bin Euch aus meinem Glauben heraus gefolgt. Auch wenn Ihr jetzt vielleicht noch größeren Glauben meint von uns zu verlangen, bietet Ihr uns zugleich doch auch deutlich mehr Belege und Beweise.« Sie zuckte mit den Schultern. »Gewiss wird jemand wie Clyntahn alle möglichen Gründe finden, sämtliche dieser Belege und Beweise zurückzuweisen. Aber ich habe bereits begriffen, dass er nicht den gleichen Gott verehrt wie ich. Also habe ich damit überhaupt keine Schwierigkeiten.«
    Merlin entspannte sich, als er die Aufrichtigkeit ihrer Worte spürte. Er blickte sich am Tisch um und erkannte bei den anderen hier Versammelten, dass es ihnen ebenso ging, auch wenn sie es mehr oder weniger zu verbergen suchten - außer Nahrmahn.
    Der Fürst von Emerald blickte nicht Merlin Athrawes an, nicht seinen Kaiser und nicht seine Kaiserin. Sein Blick ruhte auf der Person, die ungleich wichtiger war als jede dieser erlauchten Persönlichkeiten.
    Er schaute seine Gemahlin an, und während er sie anblickte, verbarg er ausnahmsweise keine seiner Emotionen.

.VI.
    Prinz Nahrmahns Wohnzimmer, Kaiserlicher Palast, Stadt Cherayth, Königreich

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