Die Eiserne Festung - 7
erwähnt! Aber ich habe Owl angewiesen, sämtlichen Usern im System dabei behilflich zu sein, eigenständig Datensuche zu betreiben. Und so wie ich Euch kenne, werdet Ihr sämtliche Querverweise darauf ohnehin schon bald entdeckt haben.«
»Ihr wisst doch wohl, dass Ihr mich nur umso neugieriger macht, oder?«, fragte Nahrmahn.
»Ja, schon.« Merlin trat ans Fenster heran und blickte auf die winterliche Landschaft hinab. »Wisst Ihr, endlich habe ich jemanden, mit dem ich überhaupt über diese Dinge sprechen kann«, gestand er langsam. »Das ist fast ... fast, als gäbe es die Menschheit auf Terra und ihre Geschichte noch. Mir war überhaupt nicht bewusst, wie sehr ich Gespräche darüber vermisst habe, bis ich endlich andere Menschen gefunden habe, mit denen ich das tatsächlich zu teilen wagen darf.«
Nahrmahns Gesichtszüge bekamen etwas Sanftes. Er legte dem Seijin eine Hand auf die Schulter.
»Es gibt da ein Sprichwort«, begann er leise. »Wahrscheinlich gab es auf Terra ein ähnliches. Es lautet ›Vereinsamt ist das Haupt, das eine Krone drückt‹.« Er stellte sich neben Merlin und blickte ebenfalls aus dem Fenster. »Schon vor Jahren ist mir bewusst geworden, wie wahr das ist. Aber ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, es könnte jemanden geben, der so einsam ist, wie Ihr es gewesen sein müsst, als Ihr in dieser Höhle erwacht seid.«
Merlin wandte den Kopf zur Seite und betrachtete schweigend einen Moment lang den untersetzten Emeraldianer. Dann nickte er.
»Wisst Ihr, Euer Hoheit«, sagte er in bewusst ungezwungenem Tonfall, »es ist mir tagtäglich ein steter Quell der Freude, dass es uns gelungen ist, die Unstimmigkeiten zwischen Charis und Emerald beizulegen, ohne dass jemand noch etwa einen Fuß kürzer gemacht werden musste, als er von Natur aus sowieso schon ist.«
»Genau, das gilt insbesondere für diejenigen unter uns, die nur wenig Zoll zu entbehren hatten«, stimmte Nahrmahn mit einem schiefen Grinsen zu und blickte zu dem hochgewachsenen Seijin auf.
»Ganz gewiss.« Merlin lächelte. Dann riss er sich zusammen. »Aber ich denke, wir sollten uns wieder dem Grund zuwenden, aus dem ich Euch eigentlich an diesem Morgen aufgesucht habe«, sagte er forsch.
»Ich bitte darum«, forderte Nahrmahn ihn auf.
»Die Sache ist die: ich werde nach Maikelberg aufbrechen, sobald Ihr und ich diese kleine Unterredung hier beendet haben«, setzte er an. »Ich muss dort für Ihre Majestäten etwas erledigen - etwas, das tatsächlich sogar ein wenig mit unserem derzeitigen Gesprächsthema zu tun hat. Und weil ich fortmuss, kann ich Euch und Prinzessin Ohlyvya nicht in der Weise mit dem Gebrauch Eurer Koms vertraut machen, wie ich das sonst hätte tun können. Aber Cayleb und Sharleyan können das gut für mich übernehmen. Sie werden Euch - und Erzbischof Maikel - gewiss heute Abend wieder zum Essen einladen, sodass sich das gleich erledigen lässt.«
Er schwieg einen Moment und hob fragend die Augenbrauen, bis Nahrmahn verständnisvoll genickt hatte.
Dann fuhr er fort: »Zuerst werden wir Euch auf den neuesten Stand bringen. Wenn Ihr mit Owls Interface gut zurechtkommt, werden wir Euch bitten, uns ein wenig zu entlasten, was die Auswertung der eingehenden Informationen betrifft. Cayleb und Sharleyan haben bereits ihren Teil von Owls Aufklärungsmaterial, den sie täglich auswerten. Das Schwierige wird sein, Euch nicht gleich völlig zu überlasten. Denn meines Erachtens, Euer Hoheit, seid Ihr der Beste auf diesem Gebiet, den wir haben. Ihr seid darin in jedem Fall besser als ich, wahrscheinlich sogar besser als Wave Thunder. Also müssen wir genau abwägen, wie viele Rohdaten Ihr erhaltet und wie viele von einem weniger guten Auswerter als Euch vorausgewählte Daten.«
»Ja, ich verstehe«, meinte Nahrmahn. Falls Merlins Lob ihn beschämte, verbarg er das gut. Merlin verkniff sich ein Lächeln.
»Es gibt einiges, von dem es uns wichtig ist, dass Ihr Euch als Erster damit befasst«, fuhr er dann fort. »Und damit kommen wir zu meiner Reise nach Maikelberg.«
»Inwiefern das?«, fragte Nahrmahn nach, als Merlin nicht weitersprach.
Der Seijin wählte seine Worte mit äußerstem Bedacht. »Gewisse Personen reden entweder mit Leuten, mit denen sie besser nicht reden sollten, oder sie halten nach Leuten Ausschau, mit denen sie nicht reden sollten. Einige von diesen Personen sind recht einflussreich.«
»Das überrascht mich nicht«, gab Nahrmahn säuerlich zurück. »Wahrscheinlich wäre ich
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