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Die Eiserne Festung - 7

Die Eiserne Festung - 7

Titel: Die Eiserne Festung - 7 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Weber
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Interesse an all den Angeboten gezeigt, die man ihm im Laufe der Jahre unterbreitet hatte. Cahnyr hoffte, ja glaubte, das liege daran, dass Gorjah gern für ihn arbeitete. In jedem Fall wusste er die Dienste des Unterpriesters zu schätzen, auch wenn es recht selbstsüchtig von ihm war, den Burschen nicht zur Annahme eines der Konkurrenzangebote zu drängen. Ein Erzbischof mit deutlich einflussreicheren Verbündeten wäre Gorjah gewiss dabei behilflich, die Karriereleiter ungleich schneller zu erklimmen. Mittlerweile wäre er sicher schon Oberpriester.
    Die Treue des Sekretärs fußte gewiss auch auf der Tatsache, dass Gorjah hier in Gletscherherz geboren und aufgewachsen war. Sein Vater und seine älteren Brüder, kaum alt genug dafür, waren Bergleute. Der Jüngste aber, so war es beschlossen, sollte höher hinaus, und seine ganze Familie hatte die Opfer gebracht, die dafür erforderlich gewesen waren.
    Die Kirche bot jedem Kind Gottes eine fünfjährige kostenlose Schulausbildung - so wie es gefälligst auch sein sollte, ging es Cahnyr durch den Kopf, angesichts der gewaltigen Summen, die sie jährlich dem Volk als Zehntem abpressen! Aber kaum eine Familie in Gletscherherz konnte es sich leisten, auf die Arbeitskraft eines Kindes so lange zu verzichten. Daher konnten die meisten Kinder in Gletscherherz gerade einmal lesen und schreiben - und auch das häufig genug nur leidlich. Gharths Eltern waren entschlossen gewesen, dergleichen ihrem Kind nicht anzutun. Irgendwie hatten sie es geschafft, dass er nicht ebenfalls unter Tage gelandet war, sondern weiter zur Schule gehen konnte. Auch der Dorfpriester und die Lehrer hatten erkannt, dass der Junge wirklich etwas Besonderes war, dass dieser kleine, untersetzte Bergmannssohn über einen außerordentlich wachen Verstand verfügte.
    Von da an war der weitere Weg des Jungen praktisch schon vorherbestimmt gewesen. Mutter Kirche hatte stets Bedarf an jungen Talenten. Schon sehr früh war erkennbar geworden, dass Gharth wirklich und wahrhaftig berufen war. Deswegen war Cahnyrs Vorgänger in Gletscherherz auf den Burschen aufmerksam geworden, und dank der Förderung des Erzbischofs hatte er das Priesterseminar besuchen können - sogar in Zion! Cahnyrs Vorgänger hatte beschlossen, den jungen Seminaristen in seinen Stab aufzunehmen. Als Cahnyr dann diesem Erzbischof nach dessen unerwartetem Tod ins Amt folgte, hatte er den frisch geweihten Pater Gharth sofort ins Herz geschlossen.
    Das erklärt vielleicht auch, warum dieser Jungspund meint, mir jetzt einen Blick zuwerfen zu dürfen, als wäre ich sein geistig leicht vernebelter Onkel, ging es dem Erzbischof durch den Kopf.
    »Was meinen Sie? Ob ich mir sicher bin, dass das wirklich eine gute Idee ist?«, begann er seine Antwort. »Aber ja doch! Oder ob ich mir sicher bin, dass das wirklich die beste Zeit des Jahres für Tage der inneren Einkehr ist: Dann ist die Antwort Nein. Oder meinen Sie Folgendes: Ob ich die Anweisungen, die ich Ihnen gerade erteilt habe, auch wirklich meine? Hier lautet die Antwort wieder Ja.«
    Nachdenklich kratzte er sich am Kinn und warf dem jungen Mann einen finsteren Blick zu. Es war ein richtig finsterer Blick, majestätisch, machtvoll ... nur ein bisschen ruiniert durch das belustigte Funkeln in seinen Augen.
    »Alles in allem scheint Ja hier wohl die Oberhand zu haben, nicht wahr?«
    »Selbstverständlich, Eure Eminenz!« Gorjah errötete sogar ein wenig. Zugleich schüttelte er mit dem typischen Gletscherherz-Starrsinn den Kopf. »Nur, dass es, wie Ihr selbst schon gesagt habt, wirklich nicht die beste Zeit des Jahres für Einkehrtage ist. Vor allem nicht im Gipfelhaus. Ich weiß noch nicht einmal, in welchem Zustand sich das Haus derzeit befindet. Es ist sehr gut möglich, dass wir ohne allzu viel Vorwarnung von einem Schneesturm überrascht werden. Wenn Ihr dort oben seid und nur Fraidmyn ist da, um sich um Euch zu kümmern, und wenn dann das Wetter so richtig schlecht wird ...«
    Er beendete den Satz nicht. Cahnyr lächelte den jungen Unterpriester freundlich an.
    »Ich weiß Ihre Besorgnis wirklich zu schätzen, Gharth - doch, wirklich! Aber ich bin recht zuversichtlich, dass selbst zwei so alte Tattergreise wie Fraidmyn und ich ein paar Tage der Abgeschiedenheit ertragen werden. Das Gipfelhaus steht schon seit über hundert Jahren auf seiner Felsspitze. Deswegen bezweifle ich, dass irgendein Sturm es über unseren Köpfen wird zusammenbrechen lassen. Und zu guter Letzt: Sollten die

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