Die Eiserne Festung - 7
Bedingungen dort ein wenig rau sein, so ist das für Tage innerer Einkehr doch wohl kaum von Nachteil, oder?«
»Nein, Eure Eminenz. Natürlich nicht. Nur ...«
»Nur, dass Sie mich nicht aus den Augen lassen möchten, damit ich ja nicht in Schwierigkeiten gerate?«, beendete Cahnyr trocken den Satz des Unterpriesters und wölbte fragend eine Augenbraue.
Wieder errötete Gorjah, dann lachte er auf.
»Ich bekenne mich schuldig, Eure Eminenz - schuldig!«, gestand er lächelnd. Dann, wieder ernst, blickte er seinen Vorgesetzten eingehend an.
Ruhig begegnete Cahnyr dem Blick. Doch die wortlos gestellten Fragen beantwortete er nicht. Schon vor langer Zeit war er zu dem Schluss gekommen: Je weniger der junge Gharth über die etwas ... riskanteren Aktivitäten seines Erzbischofs wusste, desto besser. Es war nicht einfach gewesen, den Unterpriester so aus seinem Leben herauszuhalten. Aber schon lange, bevor Gorjah in seine Dienste getreten war, hatte sich Cahnyr aktiv an der Arbeit des ›Kreises‹ beteiligt. Seine Verbindungen zu den Wylsynns und dem restlichen ›Kreis‹ hatten schon vor seiner Berufung zum Erzbischof bestanden. Cahnyr weigerte sich schlichtweg, seinen neuen Sekretär diesbezüglich ins Vertrauen zu ziehen.
Immer wieder hatte er sich gefragt, ob das die richtige Entscheidung gewesen war - und das nicht nur, weil es sein Leben so viel komplizierter gestaltete, als dies vielleicht nötig gewesen wäre. Cahnyr hatte erkannt, welche Geistesverwandtschaft ihn mit Gharth Gorjah verband. Es war nicht die Sorge, der junge Mann könnte ihn oder den ›Kreis‹ verraten (auch wenn man sich eines anderen nie ganz sicher sein konnte). Vielmehr glaubte er, sein Sekretär würde sich sofort bereit erklären, sich an den Aktivitäten des ›Kreises‹ zu beteiligen. Aber Cahnyr weigerte sich, den jungen Mann so früh im Leben eine solche Entscheidung treffen zu lassen. Das war nichts, was man später einfach aufgeben könnte, wenn man zu dem Schluss gekommen war, es sei ein Fehler gewesen. Und Cahnyr befürchtete durchaus, Gorjah könne vielleicht allein aus dem Grund zustimmen, sich ebenfalls zu beteiligen, weil er Cahnyr so sehr respektierte, schätzte und mochte.
Dann waren ein paar Jahre ins Land gegangen. Cahnyr war immer fester davon überzeugt, Gorjah könnte jetzt diese Entscheidung treffen: Es wäre eine ungleich sachkundigere Entscheidung, und er würde sie auch aus den richtigen Gründen treffen. Dann aber waren andere Faktoren ins Spiel gekommen. Clyntahn hatte das Amt des Großinquisitors übernommen, und das hatte das Risiko für den ›Kreis‹ immens erhöht. Es ging jetzt um viel, viel mehr. Der ›Kreis‹ hatte beschlossen, ab sofort jegliches Wissen über sämtliche seiner Aktivitäten, ja sogar seiner Existenz im Ganzen, ausschließlich den Rängen der Bischöfe und Erzbischöfe vorzubehalten. Bislang wusste ohnehin nur eine sehr beschränkte Anzahl niederer Geistlicher darüber Bescheid. Der ›Kreis‹ war zu dem Schluss gekommen, es sei das Beste, es dabei zu belassen - zum einen aus Gründen der Sicherheit, zum anderen auch, um die jüngeren Diener der Kirche zu schützen. Zu guter Letzt hatte Gorjah dann auch noch seine Jugendliebe geehelicht, und das erste ihrer (derzeit) drei Kinder war unterwegs gewesen.
Angesichts all dessen war Cahnyr zu dem Schluss gekommen, es sei seine Pflicht, Gorjah von diesem Teil seines Lebens vollständig fernzuhalten. Tatsächlich hatte Gorjah ihn während der letzten fünf Jahre nicht einmal bei seinen Reisen zurück zum Tempel begleitet, wann immer ein Gemeindebesuch zu einem Ende gekommen war. In Zion hatte Cahnyr einen weiteren Sekretär eingestellt - einen, wie er sich sicher war, Spitzel der Inquisition. Gleichzeitig hatte er mehr und mehr der Routinepflichten hier in Gletscherherz an Gorjah delegiert. Als Bischof-Vollstrecker Wyllys Haimltahns Sekretär, der deutlich älter gewesen war, vor drei Jahren einer Lungenentzündung erlegen war, hatte Gorjah auch für Haimltahn die Aufgaben des Sekretärs übernommen. Also hatte er stets mehr als genug zu tun gehabt, um hier in Tairys ständig beschäftigt zu sein.
Vor allem im Laufe der letzten Monate hatte es immer wieder Momente gegeben, in denen sich Cahnyr zutiefst schuldig fühlte, weil er Gorjah nichts vom ›Kreis‹ berichtet hatte. Er war ganz und gar nicht überzeugt davon, Clyntahn würde seiner Versicherung Glauben schenken, Gorjah habe nichts von den heimlichen Aktivitäten seines
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