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Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition)

Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition)

Titel: Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Giuseppe Furno
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seinen Sohn gewandt.
    Andrea zögerte. Dann sah er das Lächeln von Sofia und den Blick, mit dem sie ihn bat, sie nicht allein zu lassen.
    Als die zweiflügelige Tür aus intarsiertem Nussbaum sich hinter Andrea schloss, stellte Hauptmann Zaccaria zwei Wachen auf, damit die Begegnung von niemandem gestört würde.

43
    Nachdem sie den alten Türken unter den Achseln gepackt hatten, stiegen der Assassino und Visdecazzòn mit ihm die enge Treppe der Pozzi hinauf. Stufe für Stufe, über Vorsprünge aus hellem Stein, vorbei an feuchten, mit Salpeter überzogenen Wänden, bis in das Stockwerk der Avogarìa di Comun vor die eisenbeschlagene Tür des Sprechzimmers. Nach zwei Schlägen mit der flachen Hand auf der Höhe des Gucklochs öffnete sich die Tür, und die Gefängniswärter schoben den Gefangenen hinein, direkt in die Arme eines Kollegen.
    Mehmet Hasan fühlte sein Blut gefrieren: Hinter der Wache, weniger als fünf Schritte entfernt, starrten ihn, umrahmt von den dunklen Kapuzen ihrer Mäntel, drei weiße, reglose, glänzende Gesichter an. Herr des Jüngsten Gerichts, nimm meine Seele gnädig auf, dachte er unwillkürlich, als er die maskierten Gestalten sah, denn Henker, das wusste er, arbeiteten immer mit einer Maske, um von den Seelen der Toten nicht wiedererkanntzu werden. Dann bemerkte er den Adeligen in schwarzer Toga, der vorgetreten war und den er, geblendet von den Laternen, zunächst nicht wahrgenommen hatte.
    »Seht ihn euch genau an, er gehört euch«, sagte Ser Nicolò da Ponte, der für den Verrat von Staatsgeheimnissen zuständige Inquisitor, fast belustigt. Er ging auf die achtzig zu, war hochgewachsen und hielt sich trotz seines Alters kerzengerade. Von dem scharf geschnittenen, faltigen Gesicht fiel ein weißer, glatter Bart auf die Brust und teilte sich dort in zwei Hälften wie zwei Fuchsschwänze. Auf seine Worte hin kamen die drei Gestalten mit den weißen Masken näher.
    Zeugen, es sind nur Zeugen, dachte Mehmet und verfolgte das lebhafte Funkeln ihrer Augen, die sich hinter den Löchern der Masken bewegten, während sie näher kamen, Mehmets Gesicht betrachteten und um ihn herumgingen. Dann wechselten die drei Blicke und bewegten stumm die Köpfe in einer Reihe von Gesten zwischen Zustimmung und Verneinung. Ihr Geflüster war unverständlich.
    »Bringt ihn weg!« Der Befehl von Nicolò da Ponte wurde sofort ausgeführt. Ohne mit der Wimper zu zucken, packten der Assassino und Visdecazzòn den alten Türken und waren im Nu wieder aus dem Sprechzimmer. Die Tür schloss sich und wurde verriegelt.
    Es herrschte Stille, bis sich auf der gegenüberliegenden Seite eine kleine weißlackierte Tür öffnete, die fast mit der verputzten Wand verschmolz, wäre nicht die Maserung des Holzes zu erkennen gewesen. Zaneto erschien und trat beiseite, ihm folgten Alvise Mocenigo, Prokurator von San Marco und Savio für Ketzerei, der Sekretär Milledonne sowie ein Skribent mit Schreibpult und Schemel. Als Letzterer sich in einer Ecke des Zimmers zurechtgesetzt hatte, gab Mocenigo da Ponte ein Zeichen.
    »So, Signori«, wandte der Staatsinquisitor sich an die Zeugen, »könnt Ihr uns bestätigen, dass der Mann, den Ihr soeben gesehen habt, wirklich Mehmet Hasan ist?«
    Zwei »Nein« und ein »Ja« wurden gleichzeitig ausgesprochen. Da Ponte sah die maskierten Gestalten verwundert an, dann wechselte er einen Blick mit Mocenigo.
    »Ich höre, dass es Übereinstimmung zwischen Euch gibt«, fuhr er ironisch fort. »Und tut mir einen Gefallen, nehmt doch diese Masken ab, da Ihr nichts mehr zu befürchten habt.«
    Als würde ihnen ihre Vermummung erst in diesem Moment bewusst, beeilten sich die drei, die Masken abzustreifen, behielten aber die Mäntel an. Zwei Männer waren um die vierzig, einer war sehr viel älter. Alle drei blickten den Inquisitor verunsichert an.
    »Nun, ist er es oder ist er es nicht?«, fragte da Ponte barsch.
    Die drei Zeugen begannen alle gleichzeitig zu sprechen. Der Inquisitor hob die Hände: »Nur einer zur Zeit! Sprecht Ihr, Ser Salomon.«
    Der älteste der drei nickte.
    »Hochverehrte Messeri, der Alte, den Ihr uns gezeigt habt, das kann ich Euch versichern, ist nicht der Teppichhändler, mit dem ich verhandelt habe, sondern sein Diener. Der echte Mehmet Hasan ist nicht älter als dreißig.«
    »Unsinn! Zehn Nächte lang habe ich Mehmet in meinem Haus in Borgoloco beherbergt, und ich bin sicher, er ist es«, sagte Signor Donà, der Besitzer des Hauses, in dem die türkischen Händler

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