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Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition)

Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition)

Titel: Die Feuer von Murano: Ein Venedig-Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Giuseppe Furno
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sich eingemietet hatten. »Der junge Mann ist sein Diener!« Er zog ein kleines Verzeichnis aus dem Ärmel seines Mantels und händigte es da Ponte aus. »Seht hier, hochverehrte, gnädige Herren, hier stehen seine Unterschrift, der Tag der Ankunft und seine Herkunft. Ich habe dem Alten das schönste und teuerste Zimmer gegeben, dem jungen Mann dagegen eins im Untergeschoss neben dem Teppichlager.«
    Der Inquisitor reichte das Verzeichnis an Mocenigo weiter, der die Stelle las, auf die der andere zeigte. Aus den Händen des Prokurators ging das Buch an Milledonne weiter und landete auf dem Tischchen des Schreibers.
    »Und Ihr, Bonamin, was sagt Ihr?«, fragte da Ponte den dritten Zeugen.
    »Wenn ich mir erlauben darf«, antwortete dieser vorsichtig, »so stimme ich mit Ser Salomon überein, natürlich ohne den Bericht von Signor Donà in Zweifel ziehen zu wollen. Der türkische Händler, von dem ich fünfzig Gebetsteppiche gekauft habe, war sicher nicht älter als dreißig. Und sein Diener ist jener alte Mann, den Ihr uns soeben gezeigt habt.«
    »Es mag sein, wie Ihr sagt, verehrte Signori«, hob Donà wieder an, »aber mir will es doch seltsam erscheinen, dass ein Diener im besseren Zimmer schläft und die Geldbörse in Händen hat, um Mittag- und Abendessen und alles, was er braucht, zu bezahlen. Und dass er seinem Padrone befiehlt, ihm die Stiefel zu putzen und die Teppiche ins Boot zu laden.«
    Im Verhörzimmer entstand eine so tiefe Stille, dass das Kratzen des Gänsekiels auf dem Papier wie das Geräusch einer Säge klang, die einen Olivenzweig abtrennt.
    » Messer Salomon«, fragte Mocenigo, »wie oft habt Ihr den jungen Türken getroffen?«
    »Nicht öfter als vier Mal.«
    »Wurde er immer von seinem alten Diener begleitet?«
    »Nein, ich glaube, ein paarmal kam Mehmet allein.«
    »Nach dem, was Ihr dem Criminal erklärt habt«, fragte nun da Ponte, »habt Ihr Mehmet Hasan zum letzten Mal am Abend des dreizehnten September gesehen, wenige Stunden vor der Explosion. Bestätigt Ihr das?«
    »Ja, er kam in mein Geschäft in Castello, um mir zwanzig Teppiche zu bringen.« Salomon zögerte, dann beeilte er sich, zu erklären: »Es ist alles korrekt, die Teppiche waren in Ragusa in Quarantäne, und ich habe die Zollsteuer bezahlt.«
    »Messere, wir sind keine Steuereintreiber, fahrt fort, ich bitte Euch«, unterbrach ihn der Prokurator.
    »Verzeiht. Mehmet und sein Diener kamen mit dem Boot, einem Sandolo, eine Stunde vor Sonnenuntergang.«
    »Mit einem Boot, nur die beiden?«, stieß da Ponte hervor.
    »Ja, niemand war bei ihnen«, antwortete der Mann verwirrt.
    Der Inquisitor drehte sich zu Mocenigo um. »Unerhört, unfassbar!«, schnaubte er. »Wir geben tausende von Dukaten aus, um die Boote der Zehn auch nachts patrouillieren zu lassen, und diese beiden Türken fahren ungestört durch Venedig!«
    »Verehrter Freund, regt Euch nicht auf«, erwiderte Mocenigo gallig, »Ihr wisst, wie das ist: Es wird nie genug Boote zur Überwachung geben, solange unsere erlauchten Senatoren sie benutzen, um sich ins Theater oder zu ihren Geliebten fahren zu lassen.«
    Da Ponte bebte.
    »Wir werden im Rat darüber sprechen   … darüber sprechen wir noch   …«, konnte er nur mühsam herausbringen, als säße ihm eine Nuss in der Kehle. Er räusperte sich und wandte sich wieder an den Zeugen: »Der Alte hat das Boot entladen?«
    »Ja, ich glaube, ja.«
    »Was heißt, Ihr glaubt es? Habt Ihr es gesehen oder nicht?«
    »Um die Wahrheit zu sagen, nein«, antwortete Salomon verlegen, »aber ich stelle mir vor   …«
    »Ihr sollt Euch nichts vorstellen! Antwortet genau!«, mischte sich Mocenigo ein, jedes Wort betonend.
    »Und das Geld, wem gabt Ihr das Geld?«, drängte da Ponte.
    »Dem jungen Händler: siebenundvierzig Golddukaten in bar.«
    »Er hat Euch einen guten Preis gemacht.« Alvise Mocenigo wechselte einen finsteren Blick mit dem Staatsinquisitor und wandte sich wieder an Salomon.
    »Erinnert Ihr Euch, um welche Uhrzeit die beiden Euer Handelshaus verließen?«
    Der Mann fuhr sich mit einer zitternden Hand über das Kinn.
    »Nach Sonnenuntergang, um die erste, vielleicht die zweite Nachtstunde. Auf dem Sandolo hatten sie eine Laterne   … der Alte stand am Bug und hielt die Leuchte, der Junge ruderteam Heck. Das Boot entfernte sich über den Riello, Richtung Vergini.«
    »Wartet! Was habt Ihr gesagt?«, unterbrach Mocenigo.
    Salomon blickte ihn unsicher an. »Richtung Vergini   …«
    »Nein, davor! Was habt Ihr

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