Die Frau des Zeitreisenden
Engagement für ein normales Leben zurückzustellen, damit ich ein großes Atelier bekomme, in dem ich Rollerskaten kann; und dass ich undankbar bin.
»Clare? Erde an Clare...«
»Danke«, sage ich, etwas zu unvermittelt.
Henry hebt die Brauen. »Heißt das, wir werden den Schein einlösen?«
»Ich weiß nicht. Das heißt >danke<.«
»Bitte.« Ein unbehagliches Schweigen. »Hey, was gibt es wohl im Fernsehen?«
»Schnee.«
Henry lacht, steht auf und zieht mich vom Sofa hoch. »Komm, wir verprassen unseren unrechtmäßig erworbenen Gewinn.«
»Wohin gehen wir?«
»Keine Ahnung.« Henry öffnet den Flurschrank, gibt mir meine Jacke. »Wir kaufen Gomez und Charisse ein Auto zur Hochzeit!«
»Von ihnen haben wir Weingläser bekommen.« Wir stolzieren triumphierend die Treppe hinunter. Draußen empfängt uns eine herrliche Frühlingsnacht. Wir stehen auf dem Gehweg vor unserem Haus, Henry nimmt meine Hand. Ich sehe ihn an, hebe unsere vereinten Hände hoch, und Henry wirbelt mich herum, und schon tanzen wir die Belle Plaine Avenue enlang, ohne Musik, da ist nur das Brausen der vorbeifahrenden Autos und unser eigenes Lachen, dann der Duft von Kirschblüten, die wie Schnee von den Bäumen fallen, unter denen wir dahintanzen.
Mittwoch, 18. Mai 1994 (Clare ist 22, Henry 30)
Clare: Wir versuchen, ein Haus zu kaufen. Häuser zu besichtigen ist einfach unglaublich. Leute, die einen unter anderen Umständen nie in ihr Haus bitten würden, öffnen einem bereitwillig die Tür, gestatten einem, in ihre Schränke zu spähen, ihre Tapeten zu beurteilen, kritische Fragen nach Dachrinnen zu stellen.
Henry und ich besichtigen Häuser auf sehr unterschiedliche Art. Ich wandere langsam durch die Zimmer, betrachte die Holzarbeiten, die elektrischen Geräte, stelle Fragen nach der Heizung, suche nach Wasserschäden im Keller. Henry marschiert nur schnurstracks durchs Haus, wirft hinten einen Blick aus dem Fenster und sieht mich kopfschüttelnd an. Unsere Mäklerin Carol hält ihn für verrückt. Ich erkläre ihr, dass er ein leidenschaftlicher Hobbygärtner ist. Das geht einen ganzen Tag lang so, und als wir abends von Carols Büro nach Hause fahren, beschließe ich, mich nach der Methode in Henrys Wahnsinn zu erkundigen.
»Könntest du mir bitte verraten«, frage ich freundlich, »was du da eigentlich immer machst?«
Henry sieht verlegen aus. »Na ja, ich war nicht sicher, ob du es wirklich wissen willst, aber ich bin schon in unserem künftigen Heim gewesen. Ich weiß nicht, wann, aber ich war - das heißt, ich werde - an einem wunderschönen Herbstnachmittag dort sein. Ich stand auf der Rückseite des Hauses am Fenster, neben dem kleinen Tisch mit der Marmorplatte, den du von deiner Großmutter geerbt hast, und sah hinaus auf einen Garten und in das Fenster eines Backsteingebäudes, das offenbar dein Atelier war. Du hast gerade Papierbögen geschöpft. Blaue. Die Haare hattest du mit einem gelben Tuch zurückgebunden, und du hattest einen grünen Pullover und die übliche Gummischürze und alles an. Im Garten stand eine mit Wein überwachsene Laube. Ich war ungefähr zwei Minuten da. Ich versuche also nur, diese Aussicht wiederzufinden, und wenn mir das gelingt, haben wir unser Haus.«
»Himmel. Wieso hast du mir das nicht gesagt? Jetzt komm ich mir blöd vor.«
»Ach was, nicht nötig. Ich dachte nur, du würdest gern auf die übliche Art ein Haus suchen. Im Ernst, du hast dich so gründlich vorbereitet und die vielen Ratgeber gelesen, wie man am klügsten vorgeht. Da dachte ich, du willst, na ja, einen Kauf mit allem Drum und Dran und nicht das Unvermeidliche.«
»Jemand muss aber nach Termiten, Asbest, Holzschwamm und Sumpfpumpen fragen...«
»Genau. Wir machen also so weiter wie bisher, und irgendwann werden wir bestimmt auf getrennten Wegen zu unserem gemeinsamen Ziel gelangen.«
Und so kommt es letztendlich auch, auch wenn wir zuvor noch ein paar angespannte Momente überstehen. Ich bin entzückt von einer Fehlinvestition in East Roger’s Park, einer scheußlichen Gegend am nördlichen Stadtrand. Es ist ein Herrenhaus, ein viktorianisches Monstrum, groß genug für eine zwölfköpfige Familie mit Dienstpersonal. Ohne zu fragen, weiß ich sofort, es ist nicht unser Haus. Henry findet es schon schrecklich, bevor wir einen Fuß über die Schwelle gesetzt haben. Hinten ist ein Parkplatz für einen großen Drogeriemarkt. Im Inneren hat es die Anlagen zu einem wirklich traumhaften Haus: Hohe Decken, Kamine mit
Weitere Kostenlose Bücher