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Die Glaszauberin pyramiden1

Die Glaszauberin pyramiden1

Titel: Die Glaszauberin pyramiden1 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: douglass
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ich sehen konnte, klafften überall Lücken in den Wänden. Auf jeder Seite mehrere Dutzend, in regelmäßigen Abständen, und ich vermutete, daß die beiden Seiten, die sich meiner Sicht entzogen, ähnliche Lücken aufwiesen. Männer wimmelten überall auf dem Bauwerk, und ich erkannte, daß in einer Wand ein großes schwarzes Loch gähnte. Es war der Eingang. Während ich hinsah, traten drei Magier heraus, die den Kopf über eine große Schriftrolle beugten.
    Yaqob starrte die Pyramide lange Zeit an, bevor er schließlich antwortete.
    »Was du dort siehst, ist das steinerne Kernhaus, das mehr Jahre und Leben verschlungen hat, als wir auch nur ahnen können. Jetzt erhöhen die Magier die Zahl der Glasmacher auf der Baustelle, denn unsere Arbeit ist entscheidend.«
    Er machte eine Pause. »Die Magier wollen die Pyramide am Ende völlig mit Platten aus blaugrünem Glas bedecken.«
    Mir stockte der Atem; ich starrte ihn an, dann wieder die Pyramide. Es würde wunderschön sein!
    »Der Schlußstein kommt auf die Spitze, Tirzah, und er wird aus dem gleichen goldenen Glasnetz bestehen, an dem du Orteas und Zeldon arbeiten gesehen hast. Und die Lücken im Stein? Sie werden gefüllt werden, aber nicht mit Stein. Das sind Schachtöffnungen, die letztlich in die Kammer zur Unendlichkeit führen; der Schlußstein wird den großen Zentralschacht abdecken. Alles bis auf den Zentralschacht wird mit den blaugrünen Glasplatten verkleidet sein. Entlang der Schächte gibt es Tore, die die Lichtmenge regulieren können, die in die Kammer zur Unendlichkeit fließt. Die Magier befehlen die Gerätschaften, die die Ausleuchtung der Kammer bestimmen. Ich schätze, es wird möglich sein, jeden Schacht zu öffnen und die Unendlichkeit mit Licht zu fluten.«
    Wir standen lange Zeit schweigend dort, starrten die Pyramide an, starrten das Ungeheuer an, das auf der Lauer lag und wartete.
    Wartete. Beobachtete.
    Der Schatten wurde dunkler.

 
    5
     
     
     
    Nach zwei Wochen verschwanden die Wächter, und ein jeder in der Werkstatt atmete auf, wenn auch nur ein wenig. Ich glaube, das lag an den beiden Fremden – an meinem Vater und mir. Zwar begegneten uns alle freundlich, aber sie zeigten auch eine Zurückhaltung, hinter der sich Wachsamkeit verbarg. Große Wachsamkeit.
    Ich fragte mich, welche Geheimnisse sie hüteten, aber in diesen ersten paar Wochen war ich einfach nur erleichtert, in einer Umgebung arbeiten zu können, die ich verstand, und zusammen mit Leuten, die ich mochte. Orteas und Zeldon waren viel erfahrener als ich, und sie zeigten mir viele neue Techniken und Werkzeuge, die mir in der Kunst des Glasnetzschleifens nützlich sein konnten.
    Wir arbeiteten nach den Plänen, die die Magier uns schickten, die sorgfältig gezeichnet und ausgemessen waren. Keines ihrer Muster ergab einen Sinn für mich, nicht nur, weil ich nicht lesen und schreiben konnte, sondern auch weil jedes Teil, das wir schnitten, nur ein Ausschnitt einer ganzen Platte war, und es enthielt nur Fragmente von Zahlen, Worten oder Symbolen, die sie schließlich bilden würden. Das freute mich, denn ich konnte mir nicht vorstellen, daß Fragmente mir schaden konnten.
    Orteas und Zeldon unterrichteten mich, aber sie beobachteten mich auch, fast so sorgfältig wie Isphet. Nachdem die Wächter gegangen waren, verbrachte sie jeden Tag viel Zeit in dem oberen Arbeitsraum, in dem wir Glasnetze herstellten. Manchmal plauderte sie, manchmal stellte sie Fragen, manchmal erzählte sie mir Geschichten über Gesholme und über die Magier, aber immer beobachtete sie mich dabei.
    »Du kannst sehr gut mit Glas umgehen«, sagte sie eines Tages überraschend zu mir, und unterbrach damit ihre Geschichte von dem Tag, an dem der Lhyl über die Ufer trat und die Mauern beinahe zum Einsturz gebracht hätte, die Gesholme umgaben. »Fast, als könntest du mit ihm sprechen.«
    Ich hielt den Kopf gesenkt, fühlte das Erschauern des Glases unter meinen Fingern. Isphet stellte wunderbares Glas her – tatsächlich war es sogar außergewöhnlich. Noch nie zuvor hatte ich solches Glas bearbeitet.
    Sie wartete auf eine Antwort, und so zuckte ich schließlich mit den Schultern und schützte Desinteresse vor. Wenn sie mir nicht sagen wollten, warum sie mich beobachteten, dann würde ich ihnen auch nicht meine Geheimnisse verraten. »Ich bin stolz auf meine Arbeit, Isphet. Das hat mir mein Vater beigebracht.«
    Sie schwieg, und schließlich konnte ich es nicht mehr ertragen und hob den Blick. Isphet

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