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Die Herrschaft der Orks

Die Herrschaft der Orks

Titel: Die Herrschaft der Orks Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Peinkofer
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durch die morastige Landschaft schleppten, die Säcke mit dem Proviant auf dem Rücken, die sie zuletzt während der Begegnung mit einem königlichen Versorgungswagen aufgefüllt hatten – freilich ohne vorher zu fragen …
    »Winmar, aha«, machte Balbok. »Und was soll das sein?«
    »Winmar ist der König der Zwerge«, erklärte Dag. »Der schlimmste und skrupelloseste, den es je gab. Obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammt, krönten ihn die Zwerge zu ihrem Herrscher.«
    »Klingt doch ganz nett«, meinte Balbok achselzuckend. »Ich stamme auch aus einfachen Verhältnissen und wurde zum König gekrönt.«
    »Du vielleicht, Faulhirn«, zischte Rammar. »Ich habe mir nur das geholt, was mir von jeher zugestanden hat. Ich habe immer gewusst, dass irgendwo etwas Besseres auf mich wartet, als im bolboug zu hocken und kübelweise Blutbier zu saufen.«
    » Korr , das stimmt«, pflichtete Balbok bei, dessen Züge sich ahnungsvoll aufhellten, »nämlich auf einem Thron zu hocken und kübelweise Blutbier zu saufen.«
    »Wer ist nun dieser Witzbold mit dem bescheuerten Namen?«, wollte Rammar mit einem unwilligen Schnauben wissen. »Was weißt du über Winmar?«
    »Wie es heißt, ist er an die Krone gekommen, indem er seinen Vorgänger Reginald ermordet hat«, erwiderte Dag.
    »Und?«, fragte Balbok dazwischen. »Wie soll man denn sonst Anführer werden? Bei uns Orks ist das ganz normal.«
    »Zwerge sind aber keine Orks«, gab Dag zu bedenken. »Um seine Herrschaft zu festigen, hat Winmar eine wahre Schreckensherrschaft errichtet. Sein eigenes Volk zittert vor ihm, überall hat er seine Spitzel und Handlanger. Der gefürchtetste von allen ist Vigor, der Anführer der Geheimpolizei.«
    »Ich mag den Kerl jetzt schon.« Rammar schnitt eine Grimasse. »Mit größenwahnsinnigen Hutzelbärten haben wir unsere Erfahrungen gesammelt. Da war schon einmal einer, der sich mit uns angelegt hat. Orthmar war sein Name.«
    »Und?«, fragte Dag.
    »Ist ihm nicht gut bekommen«, meinte Balbok achselzuckend. »Er hat ins Gras gebissen. Gleich mehrmals.«
    Über einen steilen Anhang ging es auf einen Höhenzug, der von Osten gen Westen verlief, der Nacht entgegen. Ihn zu erklimmen war angesichts des durchweichten Bodens nicht ganz einfach, da man mit jedem Schritt vorwärts wieder ein Stück zurückrutschte.
    Rammar auf seinen kurzen Beinen hatte es am schwersten. Die Arme seitlich ausgestreckt, versuchte er das Gleichgewicht zu wahren, was ihm zunächst auch gelang. Je steiler das Gelände jedoch wurde, desto schwerer tat er sich damit – und kurz bevor die Gefährten den Hügelkamm erreichten, geschah es. Rammars Füße glitten nach hinten weg, als würden sie von unsichtbarer Hand zurückgerissen, und seines Unterbaus beraubt, schlug der dicke Ork mit dem breiten Kinn voraus in den Schlamm, dass es nach allen Seiten spritzte. Damit nicht genug, nahm Rammars massiger Körper nun auch noch Fahrt auf und schlitterte ein gutes Stück hangabwärts, einem riesigen unförmigen Schlitten gleich, ehe ein abgestorbener Baum die rasante Talfahrt stoppte.
    »Wenn einer von euch beiden auch nur eine Grimasse schneidet«, rief der Ork in seiner misslichen Lage hinauf, bäuchlings im Dreck liegend und das Hinterteil im sich gabelnden Stamm verklemmt, »schnitze ich euch ein neues Gesicht, habt ihr das kapiert?«
    Niemand lachte, denn Balbok und Dag hatten unterdessen bereits den Hügelgrat erklommen und spähten auf die andere Seite. Der Eisfluss verlief dort, ein von Nordwesten kommendes Band, das im trüben Licht der Dämmerung aussah, als bestünde es aus gehämmertem Stahl. Jenseits davon lag das Zwergenreich; die südlichen Ausläufer des Scharfgebirges waren zu erkennen, hinter denen sich dunkel und drohend die Felswände erhoben und mit den grauen Wolken zu einer gewaltigen, scheinbar unüberwindlichen Wand verschmolzen. Geradeso, als wäre das Land jenseits des Flusses eine einzige uneinnehmbare Festung.
    In unregelmäßigen Abständen säumten gedrungene steinerne Wachtürme das andere Ufer, Fackeln führten einen aussichtslosen Kampf gegen den strömenden Regen. Immer wieder verloschen sie und mussten neu entzündet werden.
    »Das Wetter ist günstig«, stellte Dag fest.
    »Günstig?«, schnaufte Rammar, der soeben atemlos bei ihnen anlangte. Er war von Kopf bis Fuß verdreckt, sein Gesicht eine schlammtriefende Fratze. »Wenn du nochmals was von günstigem Wetter faselst, Mensch, verfalle ich augenblicklich in saobh – und du bist das

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